picture allianceMarcel Kuschdpa (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Rund 660.000 Urlauber betroffen Deutsche Thomas Cook streicht alle Reisen für 2020

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Der insolvente Reiseveranstalter hat alle Reisen im nächsten Jahr abgesagt. Wenn Kunden ihre Reise schon bezahlt haben, werden sie wohl nur einen Bruchteil ihre Geldes wiedersehen.

Kunden müssen Ansprüche bei der Versicherung anmelden


Alle von Reiseabsagen betroffenen Kunden werden jetzt informiert. Erst danach können sie Ansprüche anmelden, und zwar bei der Schweizer Versicherung Zurich. Diese Versicherung haftet für Thomas Cook und alle Töchter – allerdings nur bis zu einer Obergrenze von 110 Millionen Euro. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben.

Schadensquote im Dezember

Von diesen 110 Millionen Euro gehen schon mal die Kosten für die Rückholaktionen im Oktober ab. Es ist sehr wahrscheinlich, dass bei der Schlussrechnung alle Kunden-Ansprüche diesen Betrag um ein Vielfaches übersteigen werden. Deshalb will die Versicherung jetzt noch bis Dezember warten und dann eine Schadensquote bekannt geben. Das wäre dann der Anteil vom Reisepreis, den der Kunde zurück erstattet bekommt.

Insolvenzgeld-Zahlungen für die 2000 Angestellten endet

Thomas Cook selbst begründet, die aktuelle Entscheidung für die Reise-Absagen 2020 mit dem deutschen Insolvenzrecht. Dort gibt es eine entscheidende Frist. Wenn ein Unternehmen Insolvenz beantragt, bekommen die Beschäftigte – rund 2000 sind es bei Thomas Cook Deutschland – Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit. Dieser Lohnersatz wird für Thomas Cook-Beschäftigte noch bis Ende November bezahlt. Wenn der Insolvenzverwalter sieht, dass ab dem 1. Dezember das Unternehmen nicht selbständig in der Lage ist, Gehälter zu bezahlen: Dann kann er nur den Geschäftsbetrieb einstellen.

Minimale Chance auf Rettung

Eine Option für die Rettung wäre ein Verkauf gewesen. Aber weder für das gesamte Unternehmen noch für einzelne Teile gibt es bis jetzt nach Angaben von Thomas Cook "belastbare Angebote". Theoretisch kann noch bis Ende November ein Investor einsteigen und Thomas Cook Deutschland übernehmen. Diese Chance ist aber minimal, da es bereits in den vergangenen Monaten nicht passiert ist.

Kapitalgeber verzweifelt gesucht

Schon bevor ein Insolvenzverwalter eingesetzt wurde, hat Thomas Cook vergeblich Kapitalgeber gesucht. Ende September hat das Amtsgericht Bad Homburg einen der renommiertesten deutschen Insolvenzverwalter bestellt, den Juristen Ottmar Hermann, der unter anderem schon bei Insolvenzen von Woolworth, Karmann oder Holzmann tätig war. Und auch er hat offenbar keine Investoren gefunden. Formal ist das heute nicht das endgültige Aus, aber eine Rettung in letzter Minute scheint eher unwahrscheinlich.

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