Unfallschutz und Sonderangebote Diese Rechte haben Verbraucher im Supermarkt

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Wer haftet, wenn der Kunde im Supermarkt auf einem Lebensmittel ausrutscht und wie lange gilt ein Sonderangebot? Rechtsexperte Karl-Dieter Möller gibt Antworten.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Es klingt fast ein wenig nach Slapstick: Eine Person rutscht in der Gemüse- oder Wurstabteilung eines Supermarktes aus - und fällt zu Boden. Zum Lachen ist an einer solchen Szene allerdings nichts: Betroffene können sich dabei langwierige und schmerzhafte Verletzungen zufügen. Muss der Betreiber in einem solchen Fall dem Kunden Schmerzensgeld und Schadenersatz für den Verdienstausfall zahlen?

Rund um die Obsttheke muss alle 15 Minuten gereinigt werden

Grundsätzlich sollten Kunden davon ausgehen, dass sie sich im Supermarkt sicher bewegen können. Dazu gehört, dass die Verkaufsfläche regelmäßig gereinigt wird, um Gefahrenquellen auszuräumen. An besonders gefährdeten Stellen wie der Obsttheke heißt das: Alle 15 Minuten muss saubergemacht werden. Und wenn etwas zu Boden gefallen ist, muss der Betreiber direkt saubermachen.

In Marktbereichern mit geringerer Sturzgefahr genügt es dagegen, alle zwei Stunden zu reinigen. Das trifft zum Beispiel auf die Wursttheke zu. Wenn der Marktbetreiber sich an diese Prinzipien hält, ist er bei einem Unfall meist aus dem Schneider. Kann er also nachweisen, dass in dem betroffenen Bereich vor dem Sturz sorgfältig gereinigt wurde, müssen die betroffenen Kunden für ihren Schaden in der Regel selbst aufkommen. In jedem Fall gilt: Wer im Supermarkt einkauft, sollte den Boden im Auge behalten.

Kunden müssen zerstörte Ware zahlen

Vielen ist das schon passiert: Nur kurz wollte man auf dem Etikett lesen, ob die Oliven einen Stein haben, da ist das Glas schon aus der Hand gerutscht und zu Boden gefallen. Viele glauben, in so einem Fall bliebe der Supermarkt auf dem entstandenen Schaden sitzen. Das ist eine Mär: Auch wenn viele Märkte in solchen Fällen kulant sind, müssen die Kunden rein rechtlich den Schaden ersetzen.

Zumindest, solange der Ladenbesitzer keine Mitschuld trägt, die Olivengläser also zum Beispiel wackelig übereinander gestapelt hat. In einem solchen Fall könnte der Kunde möglicherweise davonkommen. Ansonsten gilt: Rein rechtlich müssen Kunden den Einkaufspreis der von ihnen zerstörten Ware ersetzen. Also nicht den Preis auf dem Etikett, sondern die dem Supermarkt tatsächlich entstandenen Kosten.

Naschen im Laden ist eigentlich verboten

Müllvermeidung: An der Gemüsetheke packen zwei Frauen Gemüse in einem Stoffbeutel (Foto: SWR, SWR -)
Ob Trauben an der Obsttheke oder ein Schluck aus der Colaflasche: Naschen ist im Supermarkt eigentlich verboten. SWR -

Eigentlich illegal, doch in der Praxis oft geduldet: Wer im Supermarkt eine Verpackung aufreißt und vom Inhalt isst, begeht eigentlich Diebstahl. Bis zum Bezahlen bleibt die Ware Eigentum des Supermarktes. Wer trotzdem einen schwachen Moment oder hungrige Kinder im Schlepptau hat, sollte vor dem Essen kurz bei Mitarbeitern um Erlaubnis fragen.

Wer dagegen kurz eine Shampooflasche öffnet, um den Geruch des Haarmittels zu testen, verhält sich korrekt. Solange der Verschluss der Packung nicht beschädigt wird und das Produkt weiter verkauft werden kann, ist ein solches Verhalten erlaubt.

Grenzfall: Einkauf mit eigener Tasche

Eigentlich ist es Kunden nicht gestattet, im Supermarkt mit ihrer eigenen Tasche einzukaufen. Für den Ladeninhaber ist nämlich nicht zu erkennen, ob die hineingelegten Waren bezahlt oder doch gestohlen werden sollen. Allerdings wird auch dieses Verhalten häufig geduldet - beispielsweise wenn der Kunde keine Münze für den Einkaufswagen dabei hat. In einem solchen Fall müssen die Kunden allerdings mit Taschenkontrollen rechnen.

Erst an der Kasse zählt der Preis

Erstaunlich, aber wahr: Die Preisangaben am Regal oder auf dem Preisschild sind nicht verbindlich. Rechtlich gilt als Kaufpreis erst die Summe, die an der Kasse abgefragt wird, weil erst hier der Kaufvertrag geschlossen wird. Ist der Preis an der Kasse allerdings höher als im Regal, kann der Kunde vom Kauf zurücktreten. Das ist auch noch danach möglich, wenn man den Unterschied erst kurze Zeit später auf dem Kassenbon bemerkt hat.

Sollten die Preise an der Kasse allerdings regelmäßig von denen am Regal abweichen, können die Kunden eine Beschwerde bei der Wettbewerbszentrale abgeben. Das Onlineformular für die Meldung eines Wettbewerbverstoßes gibt es hier.

Sonderangebote müssen in der Regel zwei Tage vorrätig sein

Auch das haben schon viele Verbraucher erlebt: Ein Discounter bietet zu einem Stichtag kabellose Kopfhörer oder hochwertige Winterstiefel zu einem unschlagbaren Preis an. Doch schon am selben Tag heißt es: Alles ausverkauft.

Ein solches Verhalten der Supermärkte ist eigentlich unzulässig. Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofes müssen Sonderangebote mindestens zwei Tage vorrätig sein - andernfalls handelt es sich um ein Lockangebot und damit um eine Täuschung des Verbrauchers.

Allerdings gibt es einige Hintertürchen, mit denen sich die Märkte aus der Affäre ziehen können: Wenn der Marktbetreiber schon in der Werbebroschüre schreibt, dass das Produkt schon mittags ausverkauft sein könnte, kann der Täuschungsvorwurf ins Leere laufen. Ähnlich verhält es sich, wenn bereits in der Werbung klargemacht wird, dass das Sonderangebot nur in sehr kleiner Stückzahl abgegeben wird. Beispiel: Zehn Kopfhörer für zehn Euro!

Weitere Infos zu diesem Thema finden Sie auf den Seiten der Verbraucherzentrale.

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