Putzmittel Wie umweltfreundlich sind Bioreiniger?

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Bioreiniger liegen voll im Trend, gelten als umweltschonend und sind in der Regel teurer. Doch die Inhaltsstoffe sind nicht so gut für die Umwelt, wie die Werbung vermuten lässt.

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20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Bioreiniger boomen immer mehr! Doch wie gut putzen die Bio-Allzweckreiniger? Und wie umweltfreundlich sind sie? Wir haben fünf Allzweckreiniger unter die Lupe genommen.

Allzweckreininger Method, Poliboy, Frosch, Prowin und Blink (Foto: SWR)

Die Produkte:

  • Universal-Reiniger von Method für 2,74 Euro pro 500 ml
  • Bio-Allzweckreiniger von Poliboy für 3,49 Euro pro 500 ml
  • Soda-Reiniger von Frosch für 1,95 Euro pro 500 ml

Und zwei Konzentrate:

  • Allzweckreiniger-Konzentrat Blink vom Müller Drogeriemarkt, angemischt für gerade mal 1 Cent pro 500 ml
  • Alleskönner-Konzentrat von Prowin aus dem Direktvertrieb - angemischt für 1,40 Euro pro 500 ml

Putzleistung

Eine Winzerfamilie hat eine Woche lang nahezu alles mit den Bio-Reinigern geputzt: Tresen voller Weinflecken, Hotelzimmer, Spiegel, Badewannen und Möbel. Auch vor einem Traktor haben sie nicht Halt gemacht, denn Allzweckreiniger sind auch für Kunststoff und Metall geeignet. Dabei zeigte sich, dass die Reiniger einige Oberflächen besser und andere schlechter bewerkstelligten, doch trotz der großen Preisunterschiede waren die Ergebnisse beim Putzen schlussendlich ähnlich. Teuer war nicht besser, nur langlebiger. Und als sehr ergiebig haben sich die Konzentrate erwiesen. Da sie verdünnt werden, halten sie länger und man produziert weniger Müll.

Die Bio-Produkte haben unsere Familie insgesamt überzeugt und sie halten sie für eine sinnvolle Alternative zu konventionellen Reinigern.

Bedenkliche Inhaltsstoffe: Palmöl, Phosphate und Duftstoffe

Doch auch wenn die Produkte mit Begriffen wie „bio“, „nature care“ oder „nachhaltig“ werben, sollte man sich von diesem umweltbewussten Schein nicht einfach zum Kauf verleiten lassen, sondern genauer auf die Inhaltsstoffe achten.   

Der Hauptinhaltsstoff bei allen Reinigern sind Tenside. Doch woraus werden sie hergestellt?

Markus Gast, Umweltbundesamt (Foto: SWR)
Markus Gast, Umweltbundesamt

"Die meisten Tenside, soweit sie nicht Erdöl basiert sind, wie beim Waschmittel, werden heutzutage aus Palmöl oder Kokosöl gewonnen. Beim Palmöl stellt sich grundsätzlich die Frage, ob für deren Anbau dann Regenwald gerodet wurde oder nicht. Und das ist in jedem Falle zu verhindern. Deswegen ist es wichtig, dass man zertifizierte Anbauprodukte hat. Das heißt dort ist nicht Regenwald extra gerodet wurden nur um Palmöl zu gewinnen."

Markus Gast, Umweltbundesamt

Achtung, auch in sogenannten Zuckertensiden kann das umstrittene Palmöl stecken. Die Produkte von Prowin, Method und Poliboy enthalten Zuckertenside.

Etikett eines Allzweckreiningers mit dem Hinweis auf Zuckertenside (Foto: SWR)
Auch Zuckertenside enthalten mehrheitlich Palmöl

Biologisch schwer abbaubare Phospate

Was man im Bioreiniger nicht erwartet, sind biologisch schwer abbaubare Phosphate. Doch im Prowin Alleskönner sind sie drin.

Alleskönner-Konzentrat von Prowin (Foto: SWR)

Auf unsere Frage warum, antwortet Prowin uns:
„Die gesetzlichen Bestimmungen zur biologischen Abbaubarkeit werden für dieses Produkt vollständig erfüllt.“

Allergieauslösende Duftstoffe

Und auch im Reiniger enthaltene Duftstoffe sind mitunter bedenklich. Die deklarierungspflichtigen Zitrusdüfte beispielsweise sind nicht ungefährlich.

„Also es ist gesundheitsschädlich, denn es enthält allergene Stoffe, und es ist umweltschädlich. Wenn es ins Wasser kommt, kann das Limonen, das darin enthalten ist, die Wasserorganismen töten. Und es ist schlecht biologisch abbaubar.“

Markus Gast, Umweltbundesamt

Nur der Reiniger von Frosch hatte keine deklarierungspflichtigen Duftstoffe.

Verharmlosende Bezeichnungen erlaubt?

Obwohl die Produkte Allergien auslösen können und in Gewässern schlecht abbaubar sind, werben die Hersteller mit Bio und Nachhaltigkeit. Wie kann das sein?

Während „bio“ in der Lebensmittelproduktion ein geschützter Begriff ist, der tatsächlich für mehr Nachhaltigkeit in der Herstellung sorgt, gilt das bei den Reinigern nicht, so der Experte Markus Gast vom Umweltbundesamt.

Doch eigentlich dürfen verharmlosende Bezeichnungen überhaupt nicht auf den Flaschen abgedruckt werden. In der Chemikalienverordnung der EU heißt es nämlich:

Angaben wie „ungiftig“, „unschädlich“, „umweltfreundlich“, „ökologisch“ oder alle sonstigen Hinweise, die auf das Nichtvorhandensein von Gefahreneigenschaften  des Stoffes oder Gemisches hinweisen (...) dürfen nicht auf dem Kennzeichnungsetikett erscheinen.“

Auszug aus der Chemikalienverordnung der EU

Fazit:  Auch wenn Bio oder nachhaltig draufsteht, heißt das noch lange nicht, dass diese Putzmittel gut für die Umwelt sind.

Tipps für umweltbewusstes Putzen

Wer umweltbewusst putzen möchte, sollte sich die Inhaltsstoffe genau ansehen und die Mittel auf keinen Fall überdosieren. Unsere Tipps helfen dabei:

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