Arbeiter im Amazon-Logistikzentrum Pforzheim (Foto: dpa Bildfunk, Uli Deck)

Gründe für geringe Streikbeteiligung Protest an sieben Amazon-Standorten

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Beim Online-Händler wird nach Verdi-Angaben an den Aktionstagen "Prime Day" gestreikt. Insgesamt beschäftigt Amazon bundesweit 13.000 Angestellte für die kein Tarifvertrag gilt.

Warum nur ein Bruchteil der Belegschaft streikt

Der Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi hat vermutlich kaum spürbare Auswirkungen, weil am Ende wahrscheinlich nicht genügend Leute streiken. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen sind die Arbeitsbedingungen bei Amazon nicht so schlecht. Amazon zahlt ein wenig über dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn (seit Jahresbeginn 9,19 Euro pro Stunde), es gibt ein kleines Weihnachtsgeld und die Versandzentren haben mittlerweile Gesundheitsmanager, die sich um die Arbeitsbedingungen an jedem Standort kümmern sollen.

Nachteile für Gewerkschaftsmitglieder

Zum anderen berichten aber Amazon-Mitarbeiter, die in der Gewerkschaft sind, dass sie benachteiligt würden, indem sie beispielsweise bei Beförderungen übergangen würden oder häufiger in schlechtere Dienste eingeteilt werden, in denen sie teils bis zu 15 Kilometer am Tag laufen müssen. Das heißt: Wer diesen Nachteilen aus dem Weg gehen will, weil er mit dem, was er hat, zufrieden ist, der streikt nicht. Das macht es Amazon bisher ziemlich einfach, die Forderungen von Verdi nach einem Tarifvertrag einfach zu ignorieren.

Amazon lehnt nicht nur in Deutschland Tarifverträge ab

Amazon lehnt Tarifverträge weltweit einfach kategorisch ab. Dagegen haben auch die Streiks von Verdi bislang nicht geholfen. Selbst unmittelbar vor Weihnachten oder Ostern waren die Protestaktionen eher wirkungslos.

Kunden werden jetzt wohl auch wieder alle Pakete pünktlich bekommen

Vermutlich werden bei der aktuellen Streikaktion alle Amazon-Kunden ihre bestellten Waren pünktlich bekommen. Denn weil nur so wenige streiken, schafft es Amazon meistens, die offenen Dienstplanpositionen kurzfristig mit Aushilfen zu besetzen. Schon bei den vergangenen Streiks, die Verdi gezielt auf besonders intensive Bestelltage kurz vor Weihnachten oder Ostern gelegt hat, gab es keine spürbaren Auswirkungen auf die Lieferungen.

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