Rund 18.000 öffentliche Ladesäulen gibt es bundesweit. (Foto: SWR)

Preishoch an öffentlichen Ladesäulen Darf Strom für E-Autos so teuer sein?

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Frust bei E-Auto-Besitzern: Strompreise an öffentlichen Ladesäulen sind deutlich gestiegen. Kein Problem, meint unser SWR-Umweltexperte. Kritik kommt aus der Wirtschaftsredaktion.

Je nach Anbieter und Vertragsverhältnis kann elektrische Energie an den für längere Strecken wichtigen Gleichstrom-Schnellladesäulen 39,49 Cent oder sogar 89 Cent pro Kilowattstunde kosten. Damit liegen die Kilometerkosten für ein Elektroauto unter Umständen über denen von Autos mit Verbrennungsmotor.

Pro: Energie kostet – egal welche

Von SWR-Umweltredakteur Werner Eckert

Dauer

Um es klar zu sagen: Das E-Auto kommt sowieso. Von wegen Klimaschutz. Es ist kein Spar-Mobil, sondern umwelttechnisch bitter notwendig, wenn wenigstens ein Teil der individuellen Mobilität erhalten werden soll. Und es ist gut, wenn gleich klar wird: Energie kostet – egal welche. Auch Strom ist nicht unbegrenzt, sondern eine wertvolle Ressource. Strom muss erzeugt werden, und die Zahl der Windräder soll ja auch nicht ins Unendliche wachsen.

Außerdem ist es auch nicht so, dass der E-Auto-Besitzer jetzt nur noch abgezockt wird. An den meisten Ladestationen sind die Preise sehr moderat. Wer an der Autobahn Benzin tankt, der muss auch mehr zahlen. Und wirklich sauber ist elektrisch fahren auch nur mit Ökostrom. Ökostrom ist mittlerweile am billigsten von der eigenen Dachanlage – 12 Cent pro Kilowattstunde. Wer in der Stadt wohnt: Man kann sich auch an einer Genossenschaft beteiligen.

Contra: Nicht nur in der heimischen Garage laden

Von SWR-Wirtschaftsredakteurin Jutta Kaiser

Dauer

Dem Elektroauto gehört die Zukunft: Das sehe ich so. Die Frage ist aber, wann die eigentlich kommt. 0,2 Prozent Elektroautos auf deutschen Straßen – das liegt an den geringen Reichweiten und auch an den hohen Kosten. Fängt bei den Preisen für E-Autos an, geht bei den Kosten für den gefahrenen Kilometer weiter und da sind wir bei den Stromkosten.

Klar, wer nur kurze Strecken zur Arbeit und zum Einkaufen fährt, der kann das Auto bequem über Nacht in der heimischen Garage laden, zum günstigeren Stromtarif – ja, perfekt! Aber die Realität sieht leider anders aus.

Viele Menschen pendeln weite Strecken, wollen mit ihrem Auto in Urlaub fahren. Die können ihren Flitzer nicht zu Hause laden. Und sie haben auch nicht die Zeit, sich stundenlang auf dem Supermarkt-Parkplatz die Zeit zu vertreiben – während das Auto günstig lädt – aber in Zeitlupe.

Sorry, so funktioniert das nicht mit der Verkehrswende. Wenn sich E-Autos durchsetzen sollen, brauchen wir effiziente Schnell-Ladestationen und günstigen, sauberen Strom. Das müsste steuerlich gefördert werden – und nicht der längst totgesagte Diesel.

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