Paketbetrug Zustellung ohne Bestellung

Menschen erhalten Pakete, die sie gar nicht bestellt haben. Dahinter können Kriminelle stecken, die fremde Identitäten für ihre Betrugsmasche nutzen.

Dauer

Warenkreditbetrug

Bei dieser Betrugsmasche bestellen die Täter unter dem Namen ihres Opfers Waren auf Rechnung an dessen Adresse. Beim Kauf auf Rechnung werden nur Name und Adresse des Empfängers benötigt - das anzugebende Geburtsdatum kann auch falsch sein.

Bei der Bestellung geben die Betrüger dann eine eigene E-Mailadresse ein, sodass sie Informationen über den Versandstatus des Pakets erhalten. So erfahren sie, wann das Paket zugestellt werden soll und fangen es dann vor der Wohnung des Opfers ab, indem sie sich beispielsweise für den Empfänger ausgeben.

Abgabe beim Nachbarn

Eine andere Möglichkeit ist, dass sich Täter gezielt Opfer raussuchen, von denen sie annehmen, dass sie verreist sind. Trifft der Paketbote den Empfänger nicht an, gibt er in der Regel das Paket bei einem Nachbarn ab. Dort werden die Betrüger dann versuchen, das Paket abzuholen - indem sie sich beispielsweise als Verwandte des Empfängers ausgeben. Manchmal gelingt es ihnen auch, die Abholkarte aus dem Briefkasten zu fischen.

Ihre Identität wurde missbraucht?

  • Wenn Sie Rechnungen oder gar Mahnungen erhalten, ohne dass Sie etwas bestellt haben, wurde vermutlich Ihre Identität von Betrügern missbraucht. Man kann sich jedoch wehren!
  • Wenn Sie nichts bestellt haben, müssen Sie die Ware auch nicht bezahlen - die Beweislast, dass Sie tatsächlich bestellt haben, liegt beim Händler. Widersprechen Sie stattdessen den Forderungen der Händler schriftlich. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und legen Sie diese Anzeige dem Widerspruchs-Schreiben bei.
  • Wurde zwar ihre Identität gestohlen, nicht aber ihre Adresse für die Betrügereien verwendet, kann es auch sein, dass die ersten Forderungen, die bei Ihnen eintreffen, nicht vom Warenversender sind, sondern bereits von einer Inkassofirma. Mitunter handelt es dabei schon um den zweiten oder dritten Mahnbescheid - wenn die vorangegangen an die vermeintlich korrekte Lieferadresse der Pakete gegangen sind.
  • Fordern Sie die Unternehmen und Inkassobüros zudem auf, Ihnen binnen einer 14-tägigen Frist mitzuteilen, welche Daten die über Sie gespeichert oder an weitere Unternehmen und Behörden weitergeleitet haben. Bestehen Sie darauf, dass diese falschen Daten über Sie gemäß des Bundesdatenschutzgesetzes umgehend gelöscht werden. Die Firmen sind dazu verpflichtet und sie sind auch verpflichtet, Ihnen darüber einen Beleg zukommen zu lassen.
  • Versäumen die Firmen die Löschung dieser falschen Daten, kann das unangenehme Folgen für Sie haben. Viele Unternehmen handeln mit den Datensätzen und falsche Schuldnerdaten, die beispielsweise bei der SCHUFA landen, belasten Ihre Bonität.

Hilfe können Sie sich bei den Verbraucherzentralen und beim Landesdatenschutzbeauftragten suchen. Zudem gibt es in Bochum eine Forschungsgruppe zu diesem Phänomen, die ein Beratungstelefon eingerichtet hat.

Wenn Sie als Nachbar Pakete annehmen

  • Vorab: Sie müssen Pakete nicht annehmen - vor allem, wenn Sie den Empfänger nicht kennen.
  • Wird ein von Ihnen angenommenes Paket abgeholt, lassen Sie sich immer den Ausweis zeigen. Geben Sie das Paket nur raus, wenn die Namen auf Paket und Ausweis übereinstimmen.
  • Stimmen Abholer und Empfänger nicht überein, lassen Sie sich auch hier den Ausweis zeigen und notieren Sie die Daten. Merken Sie sich das Aussehen des Abholers sowie Datum und Uhrzeit der Abholung.
  • Sollten Sie einen Betrugsverdacht haben, verweigern Sie die Herausgabe. Wenn Sie das Paket im Vertrauen darauf, dass schon alles seine Richtigkeit hat, herausgeben, handeln Sie gegebenenfalls grob fahrlässig und müssen unter Umständen auch Schadenersatz leisten.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautor: Wolfgang Weber | Online: Dorothée Panse, Sola Hülsewig
© SWR Marktcheck

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