Pädokriminalität im Internet Wenn sich der Kommissar als 12-Jährige ausgibt

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Pädokriminielle nutzen häufig das Internet, um sich an Kinder ranzumachen. Die Polizei ermittelt verdeckt, um die Täter zu stellen - und Schlimmeres zu verhindern.

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Sendedatum
Sendezeit
21:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Thomas Raml ist Kriminalhauptkommissar beim Landeskriminalamt in Stuttgart. Um Pädokriminelle zu stellen schlüpft er immer wieder in die Rolle von Kindern, meist von Mädchen, die jünger sind als 14 Jahre. Dazu loggt er sich zum Beispiel bei Social Media Plattformen ein, auf denen viele Kinder unterwegs sind - und wird häufig schon nach kurzer Zeit von Erwachsenen angeschrieben, die sexuelle Kontakte suchen.

Manche Täter erstellen Fake-Accounts

Die Tätertypen seien dabei ganz unterschiedlich, erzählt Raml. „Die einen sagen tatsächlich, dass sie älter sind und gehen auf eine Opa-Papa-Schiene.“ Andere Täter betrieben viele Aufwand, um Fake-Accounts zu erstellen: „Sie suchen sich Kinderbilder im Netz und richten den Account entsprechend als Kind aus. Andere Täter gehen tatsächlich her und machen einen weiblichen Account daraus, um noch mal schneller Kontakt zu finden.“

Viele Eltern wissen nicht, welchen Gefahren Kinder ausgesetzt sind, wenn sie im Netz chatten. Manchmal vergehen nur wenige Minuten, bis ein Pädokrimineller ein Kind anschreibt, das sich eingeloggt hat.

Was ist Cybergrooming?

Wenn sich Erwachsene im Internet mit sexuellen  Absichten an Kinder ranmachen, dann nennt man das Cybergrooming. Das Bundeskriminalamt hat allein im letzten Jahr 1.080 Fälle registriert. Doch die Dunkelziffer ist groß, die meisten Fälle bleiben unentdeckt.

Thomas Raml und seine Kollegen sorgen dafür, dass sich die Täter nicht mehr ganz so sicher fühlen können, wirken abschreckend. Und regelmäßig sorgen Sie dafür, dass Pädokriminelle bestraft werden können. Der Kriminalkommissar erzählt von einem Chat, bei dem er als verdeckter Ermittler unterwegs war. Dabei schaltete der Täter irgendwann die Kamera ein - gerichtet auf seine Genitalien:

„Eigentlich habe ich ihm signalisiert, dass ich nicht möchte, dass er die Kamera anmacht. Er hat es aber trotzdem gemacht und dann hat er zunächst über der Hose an seinem Geschlechtsteil manipuliert und dann kam es dazu, dass er die Hose weggeschoben hat und hat dann weiter an seinem Geschlechtsteil manipuliert hat.

Thomas Raml, Kriminalhauptkommissar beim Landeskriminalamt in Stuttgart

Täter zu Geldstrafe verurteilt

Mit dem Chatverlauf und dem Video als Beweismittel wurde der Täter zu 2.700 Euro Geldstrafe verurteilt. Wird er nochmal erwischt, drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft.

Die Täter nutzen im Netz ganz unterschiedliche Möglichkeit, um die Kinder zu kontaktieren: sie sind auf Spiele-Plattformen unterwegs, auf Messenger-Diensten und auf Portalen, auf denen Fotos getauscht werden können.

Nicht wenige wollen sich treffen

„Es gibt den Verbaltheoretiker, der nur chatten möchte und seine sexuellen Vorstellungen kundtun möchte und hofft, dass das Opfer mitmacht, dann gibt es den, der sich tatsächlich vor der Kamera präsentiert“, sagt Thomas Raml. Nicht wenige wären jedoch auf ein reales Treffen mit den vermeintlichen Kindern aus.

Lassen sich Kinder auf ein solches Treffen ein, sind sie den Pädokriminellen meist wehrlos ausgeliefert. Für Raml und sein Team geht es deshalb darum, solche Kriminellen rechtzeitig zu entdecken und so Schlimmeres zu verhindern.

Wie kann man Kinder schützen?

Als Eltern und Großeltern kann man aktiv etwas gegen Pädokriminalität im Internet tun, sagt Gabriele Renner, Leiterin der Präventionsabteilung beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg. Kinder bräuchten nämlich Begleitung im Internet, so die Expertin.

  • So könnten Eltern und Großeltern aktiv die Medienkompetenz des Kindes fördern und darüber sprechen, was man im Internet teilen kann und was besser nicht.
  • Es können gemeinsam kindgerechte Angebote rausgesucht werden.
  • Zum Schutz der Kinder vor Unbekannten im Netz sollten Kinder und Eltern Sicherheitsregeln vereinbaren, zum Beispiel, dass die Webcam (nicht) aus bleibt. Ein gesundes Misstrauen sollte gefördert werden.
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