Opfer sollen Geld überweisen Abzocke mit Gewinnversprechen

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Betrüger locken ihre Opfer mit Gewinnversprechen und bringen sie dazu, Geld zu überweisen. Die Kontaktdaten haben die Banden von speziellen Listen.

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Die 81-Jährige Theresa Goller (Name von der Redaktion geändert) macht es sich gerade in ihrem Wohnzimmer gemütlich, als sie einen Anruf von einer angeblichen Rechtsanwaltskanzlei erhält.

Eine Frau teilt ihr mit, dass sie bei einem Gewinnspiel gewonnen hat. 143.000 EUR! Theresa Goller kann es kaum glauben. Sie ist von der Nachricht völlig aufgewühlt und schöpft keinerlei Verdacht - schließlich nimmt sie immer mal wieder an Lotterien teil.

"Man überlegt sich dann 100 Sachen, die man machen will, ein großes Familienfest, mit Freunden gut essen gehen, da fallen einen furchtbar viele Dinge ein, was man mit so viel Geld machen will." Theresa Goller will sogar einen Teil ihres Gewinns spenden und macht schon eine Liste dafür.

"Transferkosten" sollen vorab bezahlt werden

Dann bekommt sie einen weiteren Anruf, wieder von der angeblichen Kanzlei. Es geht nun um 2.490 EUR, die sie vorab bezahlen soll - Kosten für den Transfer des Gewinns aus dem Ausland. Theresa Goller erhält eine Telefonnummer, angeblich von der Kreissparkasse. Hier soll sie die Kontodaten für ihre Überweisung abfragen.

unscharf gestellt alte Frau sitzt auf Bank (Foto: SWR, SWR -)
Theresa Goller (Name von der Redaktion geändert) ist den Betrügern auf den Leim gegangen. SWR -

"Es waren lauter seriöse Institutionen und es waren so viele verschiedene Namen und ich habe mir einfach gesagt, so viele Leute können nicht unter einer Decke stecken. … In der Kanzlei zwei verschieden Personen, in der Kreissparkasse zwei verschiedene Personen", erinnert sich Theresa Goller.

Was die 81-Jährige damals nicht ahnt: die Anrufe kommen weder aus einer Kanzlei noch von der Sparkasse. Sie telefoniert immer mit Betrügern. Und sie ist nicht die Einzige.

Betrugsmasche greift um sich

Wolfram Künkele und seine Kollegen von der Kriminalinspektion Esslingen haben in den vergangenen zwei Monaten 75 Anzeigen wegen dieser Betrugsmasche aufgenommen. Und das allein in den Landkreisen Esslingen, Reutlingen und Tübingen.

"Die Täter setzen sich mit einer ausgefeilten Legende mit den Opfern in Verbindung", erklärt Künkele. "Sie melden sich mit deutschen Telefonnummern, sodass bei den Opfern der Eindruck eines seriösen Hintergrundes entsteht."

Organisierte Banden

Die Täter sind organisierte Banden. Sie arbeiten im großen Stil vom Ausland aus. Die Telefonnummern sind manipuliert und spiegeln eine deutsche Vorwahl nur vor. Die Polizei vermutet die Täter in der Türkei. Das perfide: sie melden sich nur bei Personen, die tatsächlich an Gewinnspielen teilgenommen haben. Die Polizei hat herausgefunden, dass die Betrüger ganze Listen mit solchen Telefonnummern zum Beispiel über Komplizen bekommen, die bei legalen Gewinnspielunternehmen arbeiten.

Kurier soll Gewinn abliefern

Auch Peter Schwab (Name geändert) stand vermutlich auf einer solchen Liste. Ihm werden 125.000 EUR versprochen. Der Anrufer kommt angeblich von der "Europäischen Gewinnzentrale" – ähnlich klingende Unternehmen gibt es tatsächlich. Er teilt mit, dass ein Kurier den Gewinn bei Peter Schwab abliefern wird. Dafür seien 3.250 EUR Gebühren fällig. Viel Geld, aber die Täter klingen überzeugend.

Telefonhörer liegt neben Laptop (Foto: SWR (nachgestellt) -)
Die Kriminellen drängen ihre Opfer, schnell zu überweisen. SWR (nachgestellt) -

Die Täter bitten Peter Schwab, sich mit dem angeblichen Kurierdienst in Verbindung zu setzen. Von diesem wird er dann gedrängt, so schnell wie möglich das Geld zu zahlen. Obwohl er Bedenken hat, macht er eine Online-Überweisung.

Zunächst deutsche Geldinstitute

Die Ermittlungen sind für die Polizei schwierig, denn die Täter arbeiten mit einem ausgeklügelten System an Kontobewegungen. Im ersten Schritt sind es meistens deutsche Bankinstitute, auf die ein Opfer sein Geld überweist. Von dort aus lassen es die Täter dann auf ausländische Konten transferieren. Spätestens jetzt ist das Geld für die Opfer verloren. Mit dieser Masche haben die Betrüger im letzten Jahr bundesweit etliche Millionen bei ihren Opfern abkassiert.

"Die Zweifel sind bei mir gewachsen. Ein Bekannter, der bei einer Bank arbeitet, hat dann gesagt, wir müssen gucken, dass wir das sperren können, dazu braucht es aber eine Anzeige bei der Polizei", erzählt Schwab.

Peter Schwab hat Glück. Seine Bank kann das Geld wieder zurückholen. Bei Theresa Goller ist dies nicht gelungen. Sie hat die Betrugsmasche erst zu spät durchschaut.

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