Online-Betrug Promis werben angeblich für Bitcoin & Co

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Mit Promis wie Thomas Gottschalk, Günter Jauch oder Dieter Bohlen wird Internetabzocke betrieben. Angeblich werben sie unter anderem für Bitcoins. So erkennen Sie Fakes.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Es gibt eine neue Masche beim Internetbetrug. Derzeit werben angeblich Promis wie Herbert Grönemeyer, Thomas Gottschalk, Lena Meyer-Landrut, Günther Jauch, Yvonne Catterfeld oder Dieter Bohlen für Bitcoin und andere Produkte.

Thomas Gottschalk beendet angeblich TV-Karriere – und wirbt für Bitcoins

Bei einer gefälschten Werbung im Internet heißt es, Thomas Gottschalk habe seine TV-Karriere beendet. Auf der angeblichen Werbeseite wirbt er für eine Finanzplattform, über die vermeintlich in Bitcoins investiert werden kann. Der ehemalige „Wetten, dass...?“-Moderator hat selbst mit den Posts nichts zu tun.

„Ich hab es selber gesehen und gedacht: Sind die wahnsinnig? Und was Dich halt eben auch so fassungslos macht, Du siehst das und denkst, das wirkt ja unheimlich professionell. (...) Da werden Tatsachen behauptet, mit denen ich nicht das Geringste zu tun habe.“

Thomas Gottschalk

Günther Jauch hat angeblich ein Gesetzesschlupfloch gefunden

Auch mit dem Namen Günther Jauch kursieren gefälschte Artikel. So soll der „Wer wird Millionär“-Moderator angeblich ein finanzielles Schlupfloch gefunden haben, mit dem sich viel Geld verdienen lässt. Auf viele Menschen wirkt die Werbung authentisch, da Promis wie Günther Jauch viel Vertrauen genießen. Außerdem wird mit Labels von Medien wie dem Spiegel, der Zeit, dem ZDF oder der ARD geworben.

„Diese aktuelle Welle, in der wir speziell beobachten können, dass prominente Personen angeblich Werbung für ein umstrittenes Geschäftsmodell betreiben, geht jetzt wirklich seit dem Frühjahr 2019 schon so. Wir haben im Laufe der Zeit tatsächlich eine Evolution erkennen können. Es wird nicht immer dasselbe beworben.“

Andre Wolf, Mimikama

Mit der gleichen Masche wurden in den vergangenen Monaten auch schon verschiedene Produkte mit dem Sänger Herbert Grönemeyer beworben. Auch Lena Meyer-Landrut, Yvonne Catterfeld und Dieter Bohlen wurden schon Opfer der Masche.

Online-Betrug in drei Stufen

Der erste Schritt ist der Köder: Es wird eine vermeintliche Werbeanzeige mit einem Promi etwa bei Facebook oder einem E-Mailportal geschaltet. Klickt der User dann auf die Anzeige, landet er auf einem sogenannten pseudo-journalistischen Artikel. Dieser erweckt den Eindruck, es würde sich um ein seriöses Medium handeln. Im Netz tauchen zahlreiche Varianten mit unterschiedlichen Promis und Medien-Logos auf. In dem Text, der wie ein Zeitungsbericht geschrieben ist, preisen Prominente ein bestimmtes Produkt an. Der Artikel wiederum verlinkt das Produkt. Klickt der User dann auf den Link, landet er beispielsweise bei einer angeblichen Finanzplattform. Hier soll der User nun Geld überweisen – im Glauben reich zu werden.

„Interessant ist, wir haben es hier mit einem Geschäftsmodell zu tun, das weltweit funktioniert. Das heißt, dieses dreistufige Geschäftsmodell, was mich in irgendeine Falle lockt, in irgendein Provisionsmodell oder wo auch immer hinlockt, gibt es auf Englisch, auf Italienisch und natürlich entsprechend auf Deutsch. Das heißt, das ist ein sehr erfolgreiches Modell. Sonst würde es das nicht in so vielen verschiedenen Sprachen geben.“

Andre Wolf, Mimikama

Thomas Gottschalk hält Geschäftsmodell für „verbrecherisch“

„Es ist ganz furchtbar das Gefühl für mich, dass irgendjemand eventuell einen Euro deswegen ausgegeben hat, weil er geglaubt hat, wenn der Gottschalk das kann, kann ich das auch. Ich hab mit der Sache nichts zu tun, habe nie etwas damit zu tun gehabt und halte das natürlich für verbrecherisch.“

Thomas Gottschalk

Der Schaden für die Verbraucher liegt laut dem Verein Minikama im Einzelnen zwischen „200 Euro bis weit über 100.000 Euro“. Die Betreiber der Webseiten sind schwer zu finden. Deswegen haben die Opfer auch kaum eine Chance, ihr Geld wiederzubekommen. Laut Experten werde das Geld schnell von einem Konto zu einem anderen transferiert, was es für Ermittlungsbehörden fast unmöglich mache, den Weg des Geldes nachzuverfolgen.

„Ich habe noch nie so machtlos zusehen müssen wie Menschen mit meinem Namen im Grunde ein Verbrechen begehen.“

Thomas Gottschalk

So erkennen Verbraucher Fake-Seiten

Doch Internetnutzer können sich auch schützen, indem sie Fakeseiten rechtzeitig erkennen. Die Verbraucherzentrale rät Usern dazu, das Impressum zu überprüfen. Wird dort eine „ladungsfähige Anschrift“ genannt, sollten Verbraucher diese mithilfe einer Suchmaschine recherchieren: Gibt es die Adresse wirklich? Wer tatsächlich schon Geld überwiesen hat, sollte schnell reagieren und Kontakt mit seiner Bank aufnehmen. Möglicherweise lässt sich so die eventuell vorhandene Abbuchung noch zurückbuchen. Wurden die persönlichen Daten missbraucht, sollten die betroffenen Personen in den kommenden Wochen genau darauf achten, welche Werbung sie im Briefkasten liegen haben oder welche Verträge ihnen zugesandt werden. Je nachdem wie schwerwiegend die Abzocke war, sollten sich die Opfer entweder an die Verbraucherzentrale oder an einen Anwalt wenden.

Die Verbraucherzentrale gibt weitere Tipps, woran User unseriöse Geschäfte mit Kryptowährungen erkennen oder wie sie versuchen können, ihr Geld zurückzubekommen.

Bitcoin-Ring aufgeflogen

„Tatsächlich ist in diesem Sommer so ein Bitcoin-Ring aufgeflogen. Einzelne Nutzer haben von 250€ bis hin zu 100.000€ Verluste gemacht. Das heißt, wir können davon ausgehen, dass diese Ringe mehrere Millionen Euro Gewinn gemacht haben.“

Andre Wolf, Mimikama

ARD, ZDF, Zeit & Co regieren auf Missbrauch ihrer Labels

Bei den Fake-Werbungen werden die Labels von ARD, ZDF, Zeit und anderen Medien missbraucht, um einen seriösen Artikel vorzutäuschen.

„Die gefälschten Artikel ... sind uns bekannt. Die Marke ZEIT ONLINE wird hier rechtswidrig genutzt und unsere Rechtsabteilung hat juristische Schritte eingeleitet.“

Zeit Online

„Wenn wir auf derartige Seiten aufmerksam werden, versuchen wir die entsprechenden Inhalte nach Möglichkeit sperren zu lassen (...). Weiterhin erstatten wir gegebenenfalls Strafanzeige wegen aller in Betracht kommender Delikte gegen die Seitenbetreiber.“

ZDF

„Erlangen wir Kenntnis davon, dass ein ARD-Logo ohne unsere Erlaubnis genutzt wurde – sei es als Referenznennung, zu Werbezwecken oder in Form einer Herkunftstäuschung – gehen wir rechtlich dagegen vor, um eine Irreführung der Verbraucherinnen und Verbraucher zu verhindern.“

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