O2-Problem Wie durch Altverträge abkassiert wird

Ehemalige Telefonkunden von E-Plus oder Base erhalten plötzlich Forderungen von O2. Dort reagiert man in Fällen, die Marktcheck bekannt sind, kulant. Was andere Betroffene tun können.

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Stephanie Lieberwirth aus Neuwied erhält einen Brief von einem Inkassobüro. Sie soll über 500 Euro für eine angeblich offene Rechnung für eine zweite SIM-Karte bei O2 bezahlen. Die 23-Jährige kann sich die Rechnung allerdings nicht erklären: "Ich hatte nie eine zweite SIM-Karte, ich hatte nie ein zweites Handy und ich habe auch nie freiwillig bei O2 einen zweiten Vertrag abgeschlossen. Das ist auch eine andere Rufnummer. Also woher der Vertrag genau kommt, weiß ich bis heute nicht."

O2 übernahm 2014 E-Plus und BASE

Lieberwirth ist nicht die Einzige: Viele Handynutzer bekommen Rechnungen von O2. 2014 wurde E-Plus, wozu auch BASE gehört, von O2 übernommen. Bei der Übernahme wurden alle Datensätze in das O2-System integriert, insgesamt 25,8 Millionen Stück.

"Sie können davon ausgehen, dass millionenfache Daten, die von A nach B geschoben werden, nicht immer reibungslos 1:1 eben auch beim neuen Unternehmen, beim Rechtsnachfolger, ankommen. Tarife werden vielleicht nicht korrekt eingestellt, vorliegende Kündigungen werden nicht komplett übernommen, Datensätze gehen teilweise möglicherweise verloren, das kann eben passieren und das kann eben dann zu Pannen und zu Ärgernis führen", sagt Kay Ole Johannes, Anwalt für Wirtschaftsrecht. Er hat schon erfolgreich gegen solche O2-Rechnungen geklagt.

Das Problem ist bei O2 nicht neu: Die Koblenzerin Diana Roos hatte einen Handyvertrag bei VIAG Interkom, dem Vorgänger von O2. Sie hatte im Jahr 2000 einen Vertrag mit VIAG Interkom über eine kostenlose SIM-Karte geschlossen. 17 Jahre später verlangte das Telekommunikationsunternehmen rückwirkend Gebühren. Sie ging zu einem Anwalt: "Der hat nur zwei Schreiben schreiben müssen und dann war das Ding quasi erledigt", sagt Roos.

O2/Telefónica sind keine Fälle bekannt

Wir bitten O2 um eine Stellungnahme: "Aktuell sind uns keine Fälle wie den von Ihnen beschriebenen bekannt", sagt ein Telefónica-Sprecher. O2 gehört als Marke zum Telekommunikationsunternehmen Telefónica. Das Unternehmen hat versprochen, alle Forderungen von Betroffenen, die sich im Vorfeld der Sendung bei Marktcheck gemeldet haben, zu überprüfen.

Es geht auch ohne Anwalt: Bei fragwürdigen Mahnungen oder Forderungen von Inkassobüros sollte man sofort widersprechen. "Denn nur dann weiß das Inkassounternehmen wiederum, aha, hier ist irgendwas nicht ganz stimmig. Dann wird bei dem Auftraggeber nachgefragt", sagt Johannes. Manchmal würde sich das Problem schon dadurch lösen.

Unberechtigten Forderungen immer widersprechen

Es ist wichtig, unberechtigten Forderungen zu widersprechen, da andernfalls ein Schufa-Eintrag droht und dadurch die eigene Bonität gesenkt wird. Eine widersprochene Forderung darf in Deutschland nicht in der Schufa eingetragen werden. Kostenlose Musterbriefe für Widersprüche bei falschen Rechnungen oder Mahnungen, finden Sie hier zum downloaden.

Manche Inkassounternehmen versuchen, trotz anwaltlichen Widerspruchs, weiter an Geld zu kommen. Dabei erwirken diese Büros in einigen Fällen einen gerichtlichen Mahnbescheid, in der Hoffnung, die Forderung wird durch den erhöhten Druck doch erfüllt. Wichtig zu wissen: Einen gerichtlichen Mahnbescheid kann jeder bei einem Gericht ab etwa 23 Euro kaufen. Anders als der Name vermuten lässt, wird dieser aber nicht richterlich überprüft. Sie sollten einem solchen Mahnbescheid unbedingt innerhalb von zwei Wochen widersprechen. Wie Sie dies tun können, lesen Sie hier.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautorin Annika Erbach | Online: Thomas Oberfranz
© SWR Marktcheck

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