Euromünzen und Diagramme (Foto: Colourbox, Colourbox)

Niedrig- und Negativzinsen Solange Banken Zinsen zahlen, lohnt es sich zu wechseln

AUTOR/IN

Vielen Bankkunden macht die Diskussion um Negativzinsen Sorgen. Verbraucherschützer raten Kleinanlegern, auch ein gewisses Risiko einzugehen. Zudem rechne sich ein Bankenvergleich.

Auch in Zeiten von Niedrigzinsen gibt es Anlagen mit Rendite – allerdings sind diese mit einem gewissen Risiko verbunden. Dabei sollte nicht alles auf eine Karte gesetzt werden, empfiehlt Silvia Beckerle von der Verbraucherzentrale in Mainz. „Es kommt immer auf die individuelle Situation an – das heißt, wie viel Risiko möchte ich eingehen. Gerade in Zeiten der Niedrigzinsphase ist es auch uns ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass man schon ein Stück Risiko in Form von Anlagen beimischen muss, um eine negative Rendite zu vermeiden.“ Eine sinnvolle Anlage sollte aus mehreren Bausteinen mit unterschiedlich hohen Risiken bestehen.

Baustein 1: Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto

So rät Silvia Beckerle von der Verbraucherzentrale, immer einen Notgroschen von drei oder vier Nettogehältern auf einem Tagesgeldkonto zu parken. Denn jeder ist mal in der Situation, dass er schnell und unkompliziert an sein Geld ran muss. Zum Beispiel für ein neues Auto oder eine neue Waschmaschine.  

Baustein 2: Sichere Anlagen

Ein weiterer Teil der Anlage soll nach Ansicht von Verbraucherschützern aus risikoarmen Anlagen bestehen. Silvia Beckerle sagt: „Baustein 2 ist das Paket sichere Anlagen. Da muss ich selber entscheiden, wieviel meiner Anlagen tatsächlich sicher sein sollten. Dafür kommen infrage: Festgelder, Sparbriefe mit relativ kurzer Laufzeit, maximal drei Jahre.“

Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, rät, auch bei sicheren Anlagen das Geld in Deutschland zu belassen, unter der deutschen Einlagensicherung, die im Fall einer Bankenpleite einspringt. „Man kann sich in Internetvergleichsportalen, auf Zinsportalen, zu aktuellen Festgeld- und Sparbrief-Konditionen informieren. Bei einigen Instituten kann man noch ein Prozent Zins pro Jahr bekommen.“ Das politische Risiko einer Anlage im Ausland – etwa in Schweden, Polen oder Griechenland – betrachtet Nauhauser als zu hoch. Man wisse nicht, ob Sparer bei einer Bankenpleite gerettet würden.

Baustein 3: Risikoprodukte wie Indexfonds

Der dritte Anteil der Anlage sind die Anlagen mit mehr Risiko, aber auch mehr Rendite, erklärt Silvia Beckerle. „Das Risikopaket, der Baustein 3, den man dazu mischen sollte, besteht aus ETFs. Das sind Indexfonds, die an der Börse gehandelt werden. Aus unserer Sicht stellen sie im Bereich der Risikoprodukte eine gute Möglichkeit dar, weil sie kostengünstig und transparent sind.“ In diesen Fonds sind viele Aktien etwa europäischer Firmen – das Risiko wird so insgesamt reduziert. Die Rendite kann sich sehen lassen.

Zum Thema Aktien sagt Michael Beumer, bei Stiftung Warentest Teamleiter Geldanlagen: „In der Vergangenheit war es so, dass man auf lange Sicht im Durchschnitt sechs Prozent Rendite pro Jahr hatte. Aber man muss bei Aktien auch von Rückschlägen ausgehen – in einem Jahr möglicherweise bis zu 50 Prozent Rückschlag. Aber auf lange Sicht gesehen – also auf 20 bis 30 Jahre – ist das Risiko gering.“ Vor allem, wenn die Geldanlagen breit gestreut würden.

Kleinanleger sollten Zinsen vergleichen und Banken wechseln

Michael Beumer sieht Negativzinsen für Kleinanleger noch lange nicht. „Solange ich immer noch Institute finde, die mir Zinsen zahlen, lohnt es sich als Anleger, dorthin zu gehen. Diese Chance sollte ich auf jeden Fall nutzen.“

Niels Nauhauser, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, rät bei der Geldanlage zur Vorsicht.

„In den Banken sitzen keine Berater, da sitzen Verkäufer, die wollen ihre Produkte verkaufen.“

Niels Nauhauser, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Nauhauser nennt ein Beispiel. „Wenn es heißt, vier Prozent Zinsen, befristet für neue Geldanlagen, ist das oft mit einem Sternchen versehen. Dann heißt es im Kleingedruckten: Achtung, das gilt nur für drei Monate – also nicht für ein ganzes Jahr. Und auch nur, wenn man gleichzeitig denselben Betrag wie ins Festgeld noch einmal in einen Investmentfonds steckt.“ Für den aber noch Ausgabeaufschläge, also Provisionen und Gebühren, fällig würden – unterm Strich für den Verbraucher also kein attraktives Geschäft.

Bankgebühren als Kostenfaktor beobachten

Bei alledem muss man bei den Banken immer stärker auch ein Auge auf die Kosten haben. Weil die Geldinstitute durch die niedrigen Zinsen immer weniger verdienen, steigen ihre Gebühren. Aber auch hier gibt es Alternativen, zum Beispiel beim Girokonto.

Michael Beumer erklärt: „Wir haben einen Girokonten-Test veröffentlicht. Es gibt im Moment ungefähr 20 Girokonten, die kostenlos sind. Die einzige Bedingung ist, dass sie einen regelmäßigen Gehaltseingang haben oder eine Rente, die dort eingeht. Es gibt noch mehr kostenlose Girokonten, die an Bedingungen geknüpft sind. Also man findet schon noch Girokonten, für die man nichts zahlt.“

Dauer
AUTOR/IN
STAND
ONLINEFASSUNG