Neues Recycling-Logo von dm, Globus und Rossmann Plastiksparen auf Vertrauensbasis

Mit ihrem neuen Recycling-Logo versprechen dm, Globus und Rossmann, ihren Kunden beim Plastiksparen zu helfen. Ob das gelingt, ist ungewiss – es fehlt eine Kontrollinstanz.

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Bilder von Plastikinseln im Meer und elendig erstickte Wale haben viele Menschen aufgerüttelt: Viele versuchen heute, ihren Plastikverbrauch herunterzufahren. Von dieser Woche an bedienen die Einzelhändler dm, Globus und Rossmann dieses Bedürfnis: Ein neuer Hinweis auf Plastikverpackungen soll den Kunden anzeigen, dass bei der Produktion recycelte Kunststoffe zum Einsatz gekommen sind.

Es fehlt eine unabhängige Kontrollinstanz

Das neue Logo soll nicht direkt auf den Produkten abgebildet werden, sondern am Regal, neben dem Preisschild. Es soll anzeigen, dass bei der Herstellung der Verpackung ein hoher Anteil an Rezyklat, also recyceltem Kunststoff, zum Einsatz bekommen ist.

Allerdings fehlt bei dem neuen System die unabhängige Kontrolle: Anders als beispielsweise beim Bio-Siegel gibt es keine unabhängige Instanz, die das Recycling-Versprechen kontrolliert. Verbraucher sind daher vollständig auf die Aussagen der Hersteller angewiesen – und müssen ihnen blind vertrauen. Möglichkeiten, das Versprechen zu überprüfen, haben sie nicht.

Die Drogeriemarktkette dm macht aus dieser Schwäche des Systems keinen Hehl. Statt von einem Logo spricht das Karlsruher Unternehmen lieber von einer „visuellen Orientierungshilfe“ für die Kunden.

Und selbst wenn die Aussagen der Hersteller vollkommen glaubwürdig wären, wäre das noch keine Garantie für ein wirklich nachhaltiges Verfahren. Denn in Deutschland werden auch viele Kunststoffe als Altplastik geführt, bei denen es sich eigentlich um neuwertiges Material handelt.

Eine Frau steht in einer Drogerie vor einem Regal (Foto: Getty Images, Getty Images -)
Gewissheit über die Herkunft der Plastikverpackungen werden Kunden auch durch das neue "Logo" nicht erhalten. Getty Images -

So dürfen zum Beispiel Plastikreste der Kunststoffindustrie als recyceltes Plastik bezeichnet werden. Weil diese sortenrein und sehr günstig sind, sind sie bei Verpackungsherstellern sehr beliebt. Mit der Wiederverwendung einer alten Spüliflasche aus dem Gelben Sack hat diese Art des Recyclings allerdings nichts zu tun. Dieses Verfahren ist zwar legal, vielen Umweltschützern gilt es aber als Augenwischerei. Aus diesem Grund hat die Deutsche Umwelthilfe bei der Angabe von Recyclingmaterialien vor irreführenden Tricksereien gewarnt.

Die Drogeriemarktkette dm hat auf diese Kritik reagiert. Das neue Logo erhielten nur Hersteller, bei denen der Anteil solcher Plastikreste nicht höher als 30 Prozent sei, heißt es von dm.

Viele gelbe Säcke landen in der Müllverbrennungsanlage

Dennoch ist es wenig wahrscheinlich, dass bei den Drogerieketten nun im großen Stil Shampooflaschen in die Regale kommen, die schon in einem früheren Leben einen Badezusatz beinhalteten. Bislang ist das Sortieren von Plastikverpackungen aus Gelben Säcken sehr aufwendig und mit hohen Kosten verbunden. Mehr als die Hälfte der Verpackungen landet derzeit in der Verbrennung.

Und aus den Kunststoffen, die tatsächlich wiederverwertet werden, wird nur im Ausnahmefall eine neue Verpackung: In der Regel werden diese zu Blumentöpfen oder Parkbänken weiterverarbeitet. Weil diese Produkte was die Plastikqualität betrifft minderwertig sind, sprechen Experten von „Downcycling“.

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