Pauschalreiseverordnung Neue Regelungen im Reiserecht

Der Flug wird gecancelt, der Reisepreis deutlich erhöht oder das Hotel entpuppt sich als FKK-Oase: Wer die Tücken im Reiserecht kennt, kann angemessen reagieren.

Inhalt des Beitrages

  • Das neue Pauschalreiserecht: Vor- und Nachteile für die Reisenden
  • Reisereklamation: So kommen Sie zu Ihrem Recht
  • Bildergalerie Fluggastrechte

Pauschalurlauber aufgepasst

Für alle ab dem 1. Juli gebuchten Reisen gilt ein neues Reiserecht. Das liegt vor allem an der EU-Pauschalreiserichtlinie, die damit auch hierzulande umgesetzt wird. Für Urlauber gibt es einige Vorteile, aber auch nicht zu unterschätzende Nachteile.

Online-Anbieter als Reiseveranstalter

Mit dem neuen Reiserecht haben Pauschalurlauber insofern einen besseren Schutz, dass nicht mehr nur klassische Rundum-Sorglos-Pakete unter die Pauschalreise-Regelung fallen, sondern mitunter auch online gebuchte Reisen: Werden mindestens zwei einzelne Leistungen innerhalb von 24 Stunden für dieselbe Reise über dasselbe Internetportal gebucht hat, gilt der Online-Anbieter künftig als Reiseveranstalter und ist als Ansprechpartner verantwortlich und haftet dementsprechend.

Verbundene Reiseleistung versus Pauschalreise

Vom Reiserecht profitiert auch, wer im Reisebüro bucht. Verkauft das nämlich ein Paket selbst zusammengestellter Leistungen als Pauschalreise, haftet das Reisebüro ebenfalls wie ein Veranstalter.

Doch genau hier liegt auch eine Gefahr: Vermittelt ein Anbieter mehrere Leistungen für dieselbe Reise, gilt das nicht als Pauschalreise, wenn Urlauber die Leistungen separat buchen. Für diesen Fall schafft das neue Reiserecht nun eine eigene Kategorie. Sie heißt „verbundene Reiseleistung“ und bietet künftig zumindest einen Basisschutz. So muss der Anbieter seine Kunden vorab über ihre Rechte informieren und sich gegen Insolvenz absichern.

Allerdings: Bei Mängeln müssen sich Reisende weiterhin an den jeweiligen Leistungserbringer wenden – etwa an die Autovermietung, das Hotel oder die Veranstaltungsagentur.
Verbraucherschützer sehen in der neuen Kategorie eine Gefahr. Unternehmen könnten den Buchungsverlauf nämlich so gestalten, dass sie nur noch Anbieter von verbundenen Reiseleistungen sind.

Darauf sollten Sie achten: Bekommt der Kunde eine Gesamtabrechnung, hat er eine Pauschalreise gebucht. Bei Einzelrechnungen gilt der Urlaub lediglich als verbundene Reiseleistung.

Außergewöhnliche Ereignisse

Bei Naturkatastrophen sind Urlauber künftig besser abgesichert. Kommen sie wegen außergewöhnlicher Ereignisse nicht nach Hause, muss der Reiseveranstalter für bis zu drei Nächte eine Unterkunft zahlen.

Mehr Zeit zur Geltendmachung von Reisemängeln

Reisende bekommen deutlich mehr Zeit, ihre Mängelansprüche geltend zu machen. Mussten Ansprüche auf Schadensersatz bislang immer innerhalb eines Monats nach Ende des Urlaubs gestellt werden, geht das künftig auch noch zwei Jahre danach. Allzu lange sollten Betroffene dennoch nicht warten. Denn sie müssen die Mängel auch nachweisen. Und das kann mit der Zeit schwieriger werden.
Der Reiseveranstalter darf diese zwei Jahre auch nicht (beispielsweise in seinen AGBs) auf ein Jahr reduzieren, das ist nicht zulässig.

Reisepreiserhöhung: Statt 5 sind 8 Prozent möglich

Anbieter dürfen den Reisepreis bis zu 20 Tage vor Reiseantritt erhöhen. Beträgt die Preisänderung dabei nicht mehr als acht Prozent und die Begründung ist nachvollziehbar (etwa weil das Kerosin teurer wurde), kann man die Reise trotz der Verteuerung auch nicht stornieren. Er muss dafür lediglich nachweisen, dass sich für ihn bestimmte, im Gesetz festgelegte Kosten seit der Buchung erhöht haben, also beispielsweise Treibstoffpreise, Abgaben am Hafen oder Flughafen, Touristenabgaben vor Ort oder Wechselkurse.
Bisher durften Veranstalter den Reisepreis nur ändern, wenn die Buchung bereits vier Monate zurücklag und noch 21 Tage bis zum Reisebeginn waren. Außerdem durften die Preise bislang auch nur um fünf Prozent angehoben werden, ohne dass die Urlauber ein Stornorecht bekamen.

"Unwesentliche" Abweichungen erlaubt

Auch kleinere ("unwesentliche") Abweichungen von der gebuchten Reise müssen künftig toleriert werden, wenn sie für den Durchschnittsurlauber akzeptabel sind. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Sie bei einer Italien-Rundreise statt in Verona in Genua Halt machen.

Ferienhäuser und Tagesreisen: 500 Euro als magische Grenze

Ferienhäusern und Tagesreisen bis 500 Euro fallen gar nicht mehr unter das Reiserecht. Entsprach das Ferienhaus bisher nicht der Beschreibung, so konnten sie bislang Geld für entgangene Urlaubsfreude zurückfordern. Und auch wer wegen eines verspäteten Reisebusses eine gebuchte Veranstaltung verpasste, bekam eine Entschädigung – die gibt es in Zukunft nicht mehr.

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