Bis zu zwei Kilogramm schwere Afrikanische Welse in einem Aufzuchtbecken (Foto: dpa Bildfunk, Jens Büttner/dpa)

Nachhaltige Fischzucht So unterschiedlich sind Siegel für Fisch aus Aquakultur

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Aquakultur ist wichtig, um Fischbestände im Meer zu schonen, sagen die einen. Es ist Massentierhaltung unter Wasser und hat oft katastrophale Folgen für die Umwelt, sagen andere.

Etwa jeder zweite Fisch, der auf der Welt gegessen wird, ist nicht mehr frei im Meer oder in Seen umhergeschwommen, sondern stammt aus Aquakultur. Also aus Becken oder Teichen, in denen die Fische von Menschenhand eingesetzt und gemästet werden.

Als Kompromiss zwischen Überfischung und Fischzucht ohne Rücksicht auf Tier und Umwelt gilt deshalb Fisch aus nachhaltiger und ökologischer Aquakultur.

Woran Verbraucher nachhaltige Fischzucht erkennen können

Lachse, vollgepumpt mit Antibiotika oder tropische Mangrovenwälder, abgeholzt für Garnelen-Zucht-Becken – Aquakultur bringt viele ökologische Probleme mit sich. Und trotzdem glaubt Florian Antony „dass es durchaus eine gute, nachhaltige Produktion von Aquakultur geben kann.“ 

Der Wissenschaftler forscht am Öko-Institut in Freiburg zum Thema Aquakultur, und empfiehlt jedem, der im Supermarkt nachhaltigen Fisch sucht, einen genauen Blick auf die Verpackung. Denn dort finden sich mittlerweile eine Reihe von Siegeln.

Die wichtigsten drei Label für Fisch

  • Das grün hinterlegte, staatliche EU-Bio-Siegel

Gibt es seit 2009 und ist der Versuch, die unterschiedlichen Standards in Europa zu vereinheitlichen.

Doraden mit Bio-Siegel der EU (Foto: dpa Bildfunk, David Ebener/dpa)
Auch die EU zeichnet mit ihrem grünen Bio-Siegel Fisch und Fischprodukte aus. David Ebener/dpa
  • Das blaue MSC-Siegel

Gegründet vom WWF und der niederländischen Initiative für nachhaltigen Handel, ist es in Deutschland auf etwa 1.000 Produkten zu finden.

Lachs verpackt mit MSC-Siegel zertifiziert (Foto: dpa Bildfunk, Jan Woitas dpa/lsn)
Das blaue Logo des Marine Stewardship Council (MSC) gibt es seit über 20 Jahren. Jan Woitas dpa/lsn
  • Das Naturland-Siegel mit den grünen Blättern

Bekannt von Milchprodukten, Backwaren, Gemüse oder Obst vergibt es der Anbauverband Naturland auch für Forellen, Shrimps oder Pangasius.

Fischhäppchen mit Siegel von Naturland (Foto: dpa Bildfunk, David Ebener/dpa +++(c) dpa - Bildfunk)
Hohe Anforderungen an nachhaltige Fischzucht stellt der Verband Naturland. David Ebener/dpa +++(c) dpa - Bildfunk

Was diese Siegel für Fisch bieten:

Diese Siegel darf nur Fisch tragen, der nach genau festgelegten Kriterien gehalten wurde. Zum Beispiel ist festgelegt, dass weniger Tiere in den Becken schwimmen als in konventioneller Aquakultur. Und auch der Umgang mit Antibiotika und Hormonen ist geregelt – je nach Siegel aber mehr oder weniger streng.

Was die drei Siegel unterscheidet:

Vor allem eine Frage gilt in der Aquakultur als Knackpunkt, sagt Florian Antony vom Öko-Institut: „Wie kommen wir an das Futter für die Fische?“ Denn die meisten Fische sind Raubtiere, fressen also wiederum selbst Fische.

Umweltschützer halten es für absurd, die Fischbestände im Meer zu plündern, daraus Fischmehl oder -öl herzustellen, und das dann wiederum in Aquakulturen zu verfüttern. MSC- und EU-Siegel lassen das aber in gewissem Umfang zu. MSC-Fisch darf außerdem mit gentechnisch-verändertem Soja gefüttert werden.

Beides ist beim Naturland-Siegel nicht erlaubt: Hier darf nur Fisch verfüttert werden, der aus Resten der Fischverarbeitung stammt – ein Riesen-Pluspunkt und mit ausschlaggebend für das Ergebnis unseres Vergleichs.

Das Fazit des Siegel-Vergleichs:

Wenn schon Fisch aus Aquakultur, dann mit dem strengen Naturland-Siegel, dem strengsten und zuverlässigsten Label. Das ist die weitgehend einhellige Meinung von Umwelt- und Verbraucherschützern. Fisch mit MSC- und EU-Siegel gilt als weniger nachhaltig – aber immerhin noch als Fortschritt im Vergleich zu Produkten ganz ohne Siegel.

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