Öko-Mode auf der Modemesse Neonyt, Fashion Week Berlin (Foto: SWR, Sabine Schütze, SWR)

Mode-Labels aus dem Südwesten Mit Öko-Mode auf der Fashion Week die Welt retten

Die Baden-Württemberger haben Damenbekleidung und Unterwäsche nach Berlin mitgebracht. Die Rheinland-Pfälzer sind mit Schuhen angereist. Eines eint die Labels aus dem Südwesten.

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Zur derzeitigen Fashion Week nach Berlin sind auch Aussteller aus dem Südwesten gekommen. Einige von ihnen haben nachhaltig produzierte Kollektionen mitgebracht. Die Baden-Württemberger präsentieren Damenbekleidung und Unterwäsche, die Rheinland-Pfälzer Schuhe. Auch wenn ihre Schwerpunkte unterschiedlich sind, vereint sie alle ein Thema: Sie sind Überzeugungstäter und wissen, warum sie sich dafür entschieden haben, ihre Produkte nachhaltig und ökologisch herzustellen. Philipp Schmenger von Grand Step Shoes aus Pirmasens formuliert es so: „Um die Welt ein bisschen besser zu machen. Das ist nicht einfach, aber der richtige Weg.“

Schuhproduktion in Pirmasens – ökologisch und nachhaltig

Der Schuhhersteller aus Rheinland-Pfalz ist stolz darauf, dass sein kleines Familienunternehmen das Leder für die Schuhe seit kurzem selbst färbt und damit Abfall vermeidet. Denn so können sie genau die Menge Leder färben, die sie auch verarbeiten. Auch Florian Werner, ebenfalls Schuhmacher aus Pirmasens, steckt viel Liebe in die Beschaffung des richtigen Leders für seine Schuhe. „Wir achten darauf, dass wir nur Leder aus Deutschland einsetzen, welches auch streng nach unseren Vorgaben chromfrei und pflanzlich gegerbt wird.“

Umweltgiftige Substanzen und gesundheitsschädliche Schwermetalle sind für beide Produzenten tabu. Faire Produktionsbedingungen dagegen ein Muss. Philipp Schmenger schwärmt – neben Hanf und Organic Cotton, also Bio-Baumwolle – außerdem von neuen, alternativen Materialien.

„Wir arbeiten neuerdings mit Recyclingmaterialien, holen dafür Plastikmüll aus dem Ozean, der wird zur Faser weiterverarbeitet, und die lässt sich als Ersatz für Baumwolle oder Leder einsetzen.“

Philipp Schmenger, Grand Step Shoes, Pirmasens
Nachhaltig hergestellte Schuhe aus Rheinland-Pfalz (Foto: SWR, Sabine Schütze, SWR)
Nachhaltig hergestellte Schuhe aus Pirmasens auf der Fashion Week in Berlin. Sabine Schütze, SWR

Innovative Stoffe mit neuem Tragegefühl - von findigen Schwaben

Nachhaltig und ohne giftige Chemikalien zu arbeiten, ist längst möglich und bedeutet auch keine Einschränkungen mehr bei Farben oder Faserbehandlungen, meint Julia Mehedintu. Die junge Modedesignerin aus Dossenheim bei Heidelberg hat Jaya gegründet, ein Label, das sich auf Sportbekleidung spezialisiert hat. Die Baden-Württembergerin sieht in den Ökofasern sogar deutlich Vorteile: „Wenn ich an eine konventionelle Sportklamotten-Kollektion denke, dann wird dort viel Polyester verarbeitet. Wer eine Leggings aus Bio-Baumwolle anprobiert und vergleicht mit einer Polyester-Leggings, wird merken, dass das ein ganz anderes und angenehmeres Tragegefühl ist.“ Und auch noch gut aussieht, in rauchblau oder korallenrot.

Mit schicker Optik und tollen Stoffen überzeugt auch die Kollektion von Verena Paul-Benz. Lovjoi ist ein schwäbisches Unternehmen, das unter anderem Wert darauf legt, Stoffe aus der Region zu verarbeiten. „Zum Beispiel Baumwollstoffe, Jerseys und Sweat-Ware, aber auch besondere Stoffe mit toller Haptik. Schwaben sind ja auch erfinderisch und so haben einige Produzenten auf der Schwäbischen Alb festgestellt, dass das ökologische Thema, die Nachhaltigkeit, die Zukunft ist. Sie haben umgestellt und machen tolle, innovative Fabrics.“

Soziale Produktionsbedingungen und trotzdem faire Preise

Aus diesen Stoffen produziert Lovjoi in Riedlingen Damenmode, Unterwäsche und seit kurzem auch Jeans. Ökologische Materialien sind aber nur ein Punkt der Unternehmensphilosophie, betont Verena Paul-Benz. „Punkt Zwei: Wir arbeiten fair und sozial, weil wir unter anderem auch syrische Flüchtlinge eingestellt haben, wir bieten Arbeitsplätze, kümmern uns um das soziale Leben und Integration.“

Trotzdem bleiben die Kleidungsstücke bezahlbar. Die Preise sind vergleichbar mit denen konventioneller Markenhersteller, erläutert Jaya-Gründerin Mehedintu. „Eine Leggings von Jaya kostet 59 Euro mit Print, T-Shirts, Longsleeves 59 Euro. Ich denke, für Bio-Mode ist das ein ganz guter Preis.“

Neonyt, die Messe für Öko-Mode auf der Fashion Week Berlin (Foto: SWR, Sabine Schütze, SWR)
Nachhaltige Mode ist seit zehn Jahren Teil der Fashion Week Berlin. Sabine Schütze, SWR
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