Ein Rentner macht in einem Freibad Klimmzüge am Ein-Meter-Brett. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa)

Mit 63 in den Ruhestand So gehen Sie früher in Rente – ohne Abschläge

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Wer schon vor dem gesetzlichen Rentenalter mit der Arbeit aufhören will, kann Rentenminderungen mit Ausgleichszahlungen vermeiden. Doch das lohnt sich nicht immer.

Die Voraussetzungen

Wer früher in Rente gehen möchte, der sollte sich zunächst überlegen, wie viel Geld er oder sie im Monat wirklich zum Leben braucht. Denn grundsätzlich gilt: Wer früher aufhört zu arbeiten, als er müsste, bekommt weniger Rente.

Für jeden Monat weniger Arbeiten werden nämlich 0,3 Prozentpunkte vom Rentenbetrag abgezogen – maximal aber 14,4 Prozent. Denn früher als mit 63 Jahren können wir sowieso nicht in Rente. Und ab spätestens 67 gibt es umgekehrt sowieso den vollen Betrag.

Neben dem Mindestalter von 63 müssen außerdem 35 Rentenversicherungsjahre zusammenkommen. Wer beide Kriterien erfüllt, hat zwei Möglichkeiten:

1. Freiwillig einzahlen für die volle Rente

Der Abzug von 0,3 Prozentpunkten pro Monat früherem Renteneintritt lässt sich finanziell ausgleichen – indem wir vorab schon freiwillig mehr Geld in die Rentenkasse einzahlen: Wer zum Beispiel 2 Jahre früher aufhören will und regulär 1.000 Euro Rente bekäme, der müsste vorab gut 17.500 Euro aufbringen.

Dafür bekomme ich dann lebenslang die volle Rente – mit möglichen Rentenerhöhungen. Den Betrag kann ich stückeln und er kann sich bei der Steuererklärung lohnen.

Noch ein Tipp zur Berechnung: Wie viel Rente ich an dem Datum zu erwarten habe, wenn ich tatsächlich aufhören will, erfahre ich bei der Deutschen Rentenversicherung.

Wie teuer der frühere Renteneinstieg werden kann, zeigen die folgenden Beispiele:

Früher in Rente? Das ändert sich finanziell:

Rentenabschläge und -Vorauszahlungen bei einer regulären Rente von 800 Euro. Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Foto: SWR, SWR)
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Ganz wichtig aber: Niemand muss sich festlegen. Wer sich später überlegt, doch länger zu arbeiten, kann das tun und bekommt stattdessen einfach mehr Rente. Wer über das Modell nachdenkt, kann sich das bei der Rentenversicherung ausrechnen und sich beraten lassen.

Dabei gilt allerdings: Die Vorauszahlungen bergen ein Risiko. Denn damit sich das Einzahlen „lohnt“, müssen wir nämlich ziemlich alt werden. In etwa Mitte 80 – mindestens. Wer vorher stirbt, hat von seinen Vorauszahlungen entsprechend weniger. Wer hingegen länger lebt, der bekommt bis zum Schluss die volle Rente.

Eine Frau hält eine Geldbörse mit zahlreichen Banknoten in der Hand. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Monika Skolimowska/ZB/dpa)
Wer früher in Rente möchte, muss entweder Abschläge hinnehmen oder vorher mehr Geld einzahlen. picture alliance/Monika Skolimowska/ZB/dpa

2. Abzüge in Kauf nehmen

Das machen die allermeisten, die früher aufhören wollen, zum Beispiel weil sie gerade nicht damit rechnen, alt genug zu werden. Oder weil sie sich das Geld lieber selbst einteilen oder notfalls vererben möchten. Oder weil einfach nicht jeder so viel Geld angespart hat.

Wer monatlich eine Rente von 1.000 Euro erwartet, aber ein Jahr früher aufhört, der muss also 12 Monate Abschläge je 0,3 Prozentpunkte hinnehmen – in Summe 3,6 Prozent. Das heißt, es gibt jeden Monat 36 Euro weniger, insgesamt also 964 Euro. Dieser Abzug von 3,6 Prozent bleibt ebenfalls bis zum Lebensende bestehen.

Weitere Beispielrechnungen, zum Beispiel für alle, die zwei oder drei Jahre früher aufhören wollen, sind ebenfalls in der Bildergalerie oben.

Die Ausnahme: früher in Rente ohne Abzüge

Wer sehr früh angefangen hat, zu arbeiten und besonders lang gearbeitet hat, der kann die volle Rente bekommen, selbst wenn er früher aufhören möchte. Denn wer in seinem Arbeitsleben auf 45 Beitragsjahre kommt, der kann auch ohne Abzüge früher aufhören – das ist die sogenannte Rente für besonders langjährig Versicherte. In diesem Fall lohnt sich auf jeden Fall ein Blick in die eigene Rentenauskunft.

Rentenvergleich Europa Kürzer arbeiten aber mehr Geld? So geht die EU in Rente:

Slowenien, Ljubljana: Besucher auf dem Preserenplatz. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Maja Hitij/dpa)
Slovene müsste man sein. Oder Luxemburgerin. Zumindest was das Renteneintrittsalter angeht. Denn in beiden Ländern gibt's die volle Rente bereits mit 60 Jahren. picture alliance / Maja Hitij/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Und Luxemburg steht auch in Sachen Rentenhöhe ziemlich gut da: Jeden Monat gibt es mindestens 890 Euro. picture alliance / Ronald Wittek/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Noch besser stehen bei der Mindestrente aber die Niederländer da. Dort bekommt nämlich jeder mindestens 50 bis 70 Prozent des monatlichen Vollzeitmindestlohns als Rente. Für Singles sind das mehr als 1.200 Euro, für Paare mehr als 1.700 Euro. picture alliance / Sander Koning/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Schlusslicht bei der Rentenhöhe in der EU sind dagegen Kroatien, Bulgarien und Irland. Hier gibt’s im Schnitt teils noch nicht mal 40 Prozent des letzten Einkommens als Rente. Auch Deutschland liegt mit 46 Prozent eher im unteren Mittelfeld. picture alliance / Stringer/EPA/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Besonders viel Rente im Vergleich zum letzten Lohn – teils mehr als 70 Prozent – gibt’s hingegen in Portugal, Frankreich, Spanien, Nordmazedonien und Italien. picture alliance / Franco Silvi/dpa Bild in Detailansicht öffnen
In Österreich und Polen sind die Frauen klar im Vorteil. Die dürfen nämlich ebenfalls bereits mit 60 bzw. 61 Jahren in Rente. Männer müssen dagegen jeweils fünf Jahre länger arbeiten. Dass umgekehrt Frauen länger arbeiten müssen als Männer, das gibt es hingegen in keinem EU-Land. picture alliance / Jens Wolf/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Auf ein besonders langes Arbeitsleben müssen sich junge Däninnen und Dänen einstellen. Dort ist das Renteneintrittsalter nämlich an die Lebenserwartung geknüpft. Etwa 15 Jahre lang soll im Durchschnitt jeder Rente bekommen. Das heißt, wer heute mit 20 in den Beruf startet, der wird statistisch gesehen gut und gerne fast 90. Rente gibt's deswegen voraussichtlich erst im Alter von 74 Jahren. picture alliance/Petter Arvidson/Bildbyran via ZUMA Press/dpa Bild in Detailansicht öffnen
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