Die Schattenumrisse eines Handwerkers, der eine Bohrmaschine in der Hand hält. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Schlechte Arbeit für teures Geld Miss Germany klärt auf: Kampagne gegen Handwerkerabzocke

Wenn der Schlüsseldienst oder Rohrreiniger über 1.000 Euro berechnet, ist es ziemlich sicher Abzocke. Polizeihauptmeisterin Nadine Berneis, „Miss Germany 2019“, klärt auf.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
21:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Wenn Handwerker im Haus sind, bedeutet das für viele Betroffene Stress. Doch es geht noch schlimmer: Zum Beispiel, wenn Handwerker schlechte Arbeit leisten und für diese im Nachhinein die doppelte und dreifache Bezahlung verlangen - und die Betroffenen unter Druck setzen, wenn sie die Zahlung verweigern. Die Polizei warnt, dass sich solche Fälle derzeit im Südwesten häufen.

Landeskriminalamt und Verbraucherzentrale Baden-Württemberg haben daher eine gemeinsame Aufklärungskampagne ins Leben gerufen, um Verbraucher für den Betrug zu sensibilisieren. Gesicht der Kampagne ist Nadine Berneis, Polizeihauptmeisterin - und amtierende Miss Germany.

Kampagne von LKA und Verbraucherzentrale BW (Foto: LKA BW)
Nadine Berneis, Polizistin und amtierende Miss Germany, soll über die Abzocke aufklären. LKA BW

Überteuerte Preise, vorgetäuschte Schäden

Handwerker werden derzeit händeringend gesucht, besonders in Ballungsräumen. Um schnell an eine Dienstleistung zu kommen, sind viele bereit, hohe Preise zu zahlen. Betrügerische Handwerker machen sich das zunutze: In vielen Fällen fordern sie nach Ausführung der Arbeit sogar nochmal mehr Geld als zuvor abgesprochen, oft das doppelte und dreifache des marktüblichen Preises - und das für meist schlampige Arbeit. Viele Opfer der Masche zahlen. Vor allem wenn die Handwerker zu zweit oder dritt auftreten, beugen sie sich dem psychologischen Druck. Vor allem ältere Menschen haben regelrecht Angst vor aggressiv auftretenden Handwerkern.

Besonders perfide Betrüger verschaffen sich sogar Aufträge für Reparaturen, die eigentlich gar nicht nötig sind: Ungerufene Handwerker wollen einen Schaden an Schornsteinen oder Dachziegeln festgestellt haben - von der Straße aus. Sie klingeln, überreden die Bewohner zu einer angeblich dringend notwendigen Reparatur – die sie dann ausführen: schlecht und überteuert.

Notsituationen werden ausgenutzt

Andere unseriöse Handwerker kommen ins Spiel, wenn im Haus ein Notfall passiert ist: Wenn sich jemand aus der Wohnung ausgesperrt hat, ein Abfluss verstopft oder Ungeziefer im Haus ist, brauchen Betroffene schnell Hilfe - und geraten dann mitunter an unseriöse Handwerker. Doch es gibt ein paar Faustregeln, mit denen man sich vor dem Betrug schützen kann:

Mann vom Schlüsseldienst bei der Arbeit (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Wer sich ausgesperrt hat, braucht dringend Hilfe - verbrecherische Handwerker haben leichtes Spiel. Thinkstock -

Tipp 1: Auf Notfälle vorbereitet sein

Wer sich schon vorher mit solchen Notlagen auseinandersetzt, wird seltener Opfer: Polizei und Verbraucherzentralen raten, Telefonnummern bekannter und seriöser Handwerker für den Notfall bereitzuhalten. Die Kontakte können im Handy eingespeichert sein oder auf einem Zettel unter der Fußmatte notiert werden. Polizei und Verbraucherzentrale liefern mit ihrer Informationsbroschüre einen Notizzettel für Telefonnummern von Notfallhandwerkern.

Wer im Internet nach Handwerkern für Notfälle sucht, sollte vorsichtig sein: Ein fehlendes Impressum oder verschiedene Adressangaben können Indizien für einen unseriösen Betrieb sein. Wer beim Anruf beim Handwerksbetrieb erstmal an ein Call-Center gerät, sollte die Finger von dem Unternehmen lassen. Im Zweifel einen Handwerker mit lokaler Anschrift auswählen.

Tipp 2: Am Telefon klare Absprachen treffen

Wer einen Notdienst beauftragen muss, sollte bereits am Telefon die gewünschte Dienstleistung klar und konkret benennen - und einen Fixpreis vereinbaren. Abhängig von Uhrzeit und Werktag kostet beispielsweise eine einfache Türöffnung laut Verbraucherzentrale nicht mehr als 200 Euro. Wenn das Unternehmen sich am Telefon weigert, einen Höchstpreis für das Aufsperren der Tür oder die Beseitigung von Schädlingen zu nennen, sollte kein Auftrag erteilt werden.

Tipp 3: Auftragsformulare genau prüfen

Wenn der Handwerker vor der Tür steht, sollte der Auftrag schriftlich bestätigt werden. Die Betroffenen sollten die Formulare genau lesen, Unklarheiten beseitigen - und ungewünschte Passagen im Zweifel streichen.

Um nicht später eine böse Überraschung zu erleben, sollte vor Beginn der Arbeiten der Fixpreis nochmal bestätigt werden. Dazu kann im Zweifel ein Zeuge hinzugezogen werden. Viele unseriöse Handwerker tauchen zudem oft zu zweit oder zu dritt auf - obwohl das für die Arbeit gar nicht notwendig ist. So versuchen Sie, dem Auftraggeber überflüssige Arbeitszeit in Rechnung zu stellen - und wirken bei Meinungsverschiedenheiten zudem bedrohlicher. Der überflüssige Kollege sollte vor Beginn der Arbeiten weggeschickt werden.

Dauer

Tipp 4: Keine Vorauszahlung, keine Barzahlung

Seriöse Handwerker verlangen für ihre Dienste erst Geld, wenn die Arbeit gemacht ist. Machen Sie schon vorher klar, dass Sie nicht bar zahlen werden. Um die Ausführung des Auftrags zu kontrollieren, sollte unbedingt eine Rechnung eingefordert werden, auf der Firmenadresse und Steuernummer des Unternehmens vermerkt ist. Sie können die Rechnung übrigens auch nur als haushaltsnahe Dienstleistung in der Steuererklärung geltend machen, wenn Sie per Überweisung zahlen. Bei Barzahlung geht das nicht.

In keinem Fall ist der Auftraggeber verpflichtet, die Rechnung sofort in bar zu begleichen. Wer von den Handwerkern dazu gedrängt wird, sollte sich an die Polizei wenden.

Tipp 5: Im Zweifel Anzeige erstatten

Wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass die Arbeit unsachgemäß ausgeführt wurde, sollten Betroffene Anzeige bei der Polizei erstatten. Wer bei der Klärung von Streitigkeiten mit Handwerkern nicht weiterkommt, kann auch Experten der Verbraucherzentralen zu Rate ziehen.

Daneben kann auch eine Schlichtungsstelle angerufen werden, beispielsweise die Universalschlichtungsstelle des Bundes des Zentrums für Schlichtung e.V. in Kehl.

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