Mikroplastik Die Gefahr aus dem Wasserkocher

Vor Mikroplastik können wir uns kaum noch entziehen. Bei einem Labortest kam heraus: Selbst Wasserkocher sondern Mikroplastik ab, das wir dann trinken.

Dauer

Was ist Mikroplastik?

"Mikroplastik sind Plastik-Partikel, die fünf Millimeter und kleiner sind", so die Definition des Umweltbundesamtes.

Wo kommt Mikroplastik her?

Ins Meer gelangen sie über unser normales Wasser: Die kleinen Plastikpartikel werden zum Beispiel aus Fleece-Kleidung ausgewaschen oder mit Kosmetika - Peelings zum Beispiel - abgewaschen. Von den Kläranlagen werden sie aber nicht komplett herausgefiltert. Da geht noch ein Teil über das Abwasser weiter.

Außerdem haben wir Partikel in unserer Umgebungsluft - was sich von Kleidung abreibt oder von Reifen beim Bremsen. Das sind alles mögliche Wege für Mikroplastik, um in unsere Lebensmittel zu gelangen.

Ist Mikroplastik gefährlich?

Plastik als Umweltproblem ist noch relativ neu. Deshalb ist die Forschung darüber auch noch nicht sehr weit. Es gibt keine einheitliche Methode, wie die Partikel gemessen werden. Die wird gerade erst erarbeitet. Es gibt nur wenige Untersuchungen, wie die Partikel in Tier und Mensch wirken. Je kleiner die Teilchen sind, desto weniger wissen wir darüber. Auch gibt es noch keine gesetzlichen Grenzwerte für Mikroplastik in Nahrung, Kosmetika und anderen Produkten.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass das große Mikroplastik vom Menschen wieder ausgeschieden wird. "Sind die Teilchen aber noch kleiner, kleiner als 1 Mikrometer, dann können sie in Zellen eindringen, was bei höherer Konzentration zu entzündlichen Prozessen führt", sagt Prof. Werner Kloas vom Leibnitz Institut für Wasserökologie und Binnenfischerei Berlin.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung sagt, auf der bisherigen Datenbasis sei keine Risikobewertung möglich. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit verweist darauf, dass es für eine verlässliche Risikobewertung mehr Daten erfordere. Deshalb kann man auch nicht sagen, ab welchem Grenzwert es gesundheitlich problematisch wird.

Wie lässt sich Mikroplastik vermeiden?

Bei allen vier von uns getesteten Kunststoffwasserkochen haben sich Partikel gelöst, in einem Fall fast 30.000 Partikel pro Milliliter. Dabei kann es sich auch um Mikroplastik handeln. Doch wie kann es sein, dass sich das Plastik löst?

"Teurer hergestellte oder stabilere Polymere liefern weniger Partikel. Und in dem Moment, in dem billigere Produkte eingesetzt werden, mehr Weichmacher eingesetzt werden, kommen natürlich andere Prozesse zum Tragen, die gegebenenfalls auch mehr Partikel erzeugen können", sagt Dr. Katrin Schuhen, Polymer-Chemikerin.

Wer Mikroplastik vermeiden möchte, kann beispielsweise bei Getränken auf Glasflaschen oder bei Wasserkochern auf Geräte aus Glas oder Metall umsteigen. Außerdem können Verbraucher auf Kosmetika ohne Peeling-Kügelchen zurückgreifen. Die Kosmetikindustrie hat nach Gesprächen mit dem Umweltministerium zu einem freiwilligen Verzicht von Mikroplastik als Schleifmittel in Kosmetik aufgerufen. Mikroplastikteilchen sind allerdings weiterhin als Trübungsmittel in manchen Kosmetika vorhanden.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautorin: Melanie Stinn | Online: Thomas Oberfranz und Inga Vennemann
© SWR Marktcheck

STAND