Mietwagen, Knöllchen, Unfall Tipps fürs Auto im Ausland

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Viele sind im Urlaub mit dem Auto im Ausland unterwegs. Doch gilt ein Verkehrsverstoß auch hierzulande? Rechtsexperte Karl-Dieter Möller beantwortet die wichtigsten Fragen.

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20:15 Uhr
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SWR Fernsehen

Führerschein wird bei Verkehrsverstoß in Deutschland in der Regel nicht entzogen

Wer im Ausland einen Verkehrsverstoß begeht, verliert in der Regel seinen Führerschein in Deutschland nicht. Das Fahrverbot gilt nur in dem jeweiligen Land. Ausnahme: Wenn es sich um Straftaten handelt, wie etwa Trunkenheit am Steuer, wird der Führerschein auch in Deutschland entzogen. Wer in Deutschland seinen Führerschein verloren hat, darf im Ausland nicht fahren, denn das wäre Fahren ohne Fahrerlaubnis.

Wer im EU-Ausland geblitzt wurde, falsch geparkt oder andere Strafzettel kassiert hat, bekommt den Bußgeldbescheid nach Deutschland weitergeschickt. Dies gilt für Bescheide ab 70 Euro (in Österreich 25 Euro), inklusive Verfahrenskosten. Tipp: Wer das Bußgeld noch vor Ort zahlt, kommt in der Regel günstiger davon, als wenn das Geld erst in Deutschland eingetrieben wird. Denn wer nicht zahlt, bekommt Besuch von der deutschen Polizei, die den ausländischen Bußgeldbescheid vollstreckt.

Manche Länder versuchen, die Bußgelder mithilfe von Inkassounternehmen einzutreiben. Betroffene sollten sich in solchen Fällen rechtlichen Rat suchen und gegebenenfalls überhöhte Inkassobeträge kürzen. Der ADAC führt derzeit einen Musterprozess, ob deutsche Inkassounternehmen Gelder ausländischer Strafzettel mit hohen Zuschlägen eintreiben dürfen. Daneben gibt der Verein Tipps, was zu tun ist, wenn ein Inkassobrief ins Haus flattert.

Schweiz kann Bußgelder in Deutschland nicht eintreiben

Die Schweiz hat keine Möglichkeit, die Bußgelder in Deutschland einzutreiben. Wer das Knöllchen allerdings nicht bezahlt, wird bei der nächsten Einreise zur Kasse gebeten.

Grüne Karte

Seit einigen Jahren brauchen Autofahrer im EU-Ausland sowie in der Schweiz, Island, Liechtenstein und Norwegen nicht mehr die sogenannte „Grüne Karte“ ihrer Haftpflichtversicherung, die im Falle eines Unfalls die Haftung der Versicherung garantiert. Wenn es in einem dieser Länder zum Unfall gekommen ist, können Sie die Ansprüche auch in Deutschland geltend machen. Über den Zentralruf der Deutschen Autoversicherer, unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 25 02 600, erfahren Autofahrer, wer als Regulierungsbeauftragter zuständig ist. Es gilt jeweils das Schadensersatzrecht des Unfalllandes.

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Europäischer Unfallbericht

Es empfiehlt sich, vor Reiseantritt ein Exemplar des europäischen Unfallberichts ins Auto zu legen. Das ist ein europaweit einheitliches Formular, das durchnummerierte Felder hat und in allen Landessprachen einheitlich aufgebaut ist. Sollte es im Ausland zu einem Unfall kommen, sollten Sie immer die Polizei rufen und um einen Unfallbericht bitten. Das empfiehlt die Stiftung Warentest. Außerdem sollten keine Dokumente unterschrieben werden, die man selbst nicht versteht. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) gibt 12 Tipps, was bei einem Unfall im Ausland zu tun ist und wie die Schadensregulierung in Deutschland abläuft.

Kreditkarte fürs Ausland sperren

Manchmal versuchen Mietwagenabieter im Nachhinein vermeintliche Schäden am Auto geltend zu machen oder Gebühren wegen möglicher Vertragsverstöße einzutreiben. Daher empfiehlt es sich, die Kreditkarte, mit welcher der Wagen im Ausland bezahlt oder die Kaution hinterlegt worden ist, nur für die Zeit des Urlaubs fürs Ausland freizuschalten und danach wieder für außerdeutsche Geschäfte zu sperren. So kann niemand einfach Geld abbuchen, ohne dass der Kreditkarteninhaber etwas davon mitbekommt. Jetzt müssen die Unternehmen zuerst informieren, warum sie das Geld haben wollen. Denn ist das Geld erst einmal von der Kreditkarte abgebucht, wird es schwer, dieses wiederzuerlangen, da viele Banken bei der Kreditkarte nicht rückbuchen.

Doppelte Buchung wegen nicht akzeptierter Kreditkarte?

Im Dezember 2018 planen Walter Wurm und seine Frau ihren Sommerurlaub in Griechenland. Eine zweiwöchige Rundreise soll es sein – mit Mietwagen. Beim Vermittlerportal billiger-mietwagen.de finden sie ein passendes Angebot und zahlen rund 300 Euro. Der griechische Anbieter vor Ort heißt Surprice. Walter Wurm habe das Symbol der American Express-Kreditkarte bei der Buchung abgebildet gesehen und auch eine Buchungsbestätigung per Mail erhalten, sagt er.

Im Juni kommt das Ehepaar am Flughafen Athen an. Am Mietwagen-Schalter soll noch die Kaution hinterlegt werden, doch dann der Schock: Die Kreditkarte, American Express, wird nicht akzeptiert. Die Forderung der Mietwagenfirma: neu buchen und neu zahlen. Knapp 350 Euro sind nun fällig. Es ist die einzige Möglichkeit, den Urlaub zu retten. Walter Wurms Frau zückt ihre Mastercard.

Ich war richtig sauer, ich musste ja das Doppelte bezahlen, habe ja keine andere Möglichkeit gehabt, musste ja und das ging nur, weil meine Frau zum Glück eine gültige Kreditkarte hatte. Und gleichzeitig war noch ein anderes Ehepaar da, denen ging das auch so.

Walter Wurm

Zurück in Deutschland beschwert sich Walter Wurm telefonisch bei billiger-mietwagen.de. Doch an der Hotline wird er abgewimmelt. Man verweist ihn auf die Vertragsbedingungen. Jetzt fragen wir bei billiger-mietwagen.de nach. Warum sorgt man nicht für mehr Klarheit beim Buchungsvorgang, um Kunden Ärger vor Ort zu ersparen?

Ja, es mag ja sein, dass ich das Kleingedruckte nicht so richtig gelesen habe, aber sie können nicht im Bild die drei Karten, inklusive American Express, abbilden, mich durch die Buchung schleusen und ich komme in Griechenland an, und dann sagen sie, sie akzeptieren die Karte nicht.

Walter Wurm

Nach der Ausstrahlung des Beitrages schreibt uns das Unternehmen billiger-mietwagen.de dazu: „Rein vertraglich ist es so, dass in den Mietbedingungen (…) klar folgende Kondition steht:

„Wichtige Informationen: Die Kaution (Selbstbeteiligung + VAT ) kann entweder auf der Kreditkarte blockiert oder abgebucht werden (…) Akzeptierte Kreditkarten: Visa, Mastercard“. Dieser Text wird dem Kunden angezeigt
-vor Buchung direkt beim Angebot, wenn er auf Mietbedingungen klickt
-vor Buchungsabschluss als Link in den Vertragstexten, die der Kunde bei Buchungsabschluss bestätigt".

Nach der Sendung hat sich das Ehepaar erneut an billiger-mietwagen.de gewendet und schriftlich die zusätzlichen Kosten reklamiert. Daraufhin hat uns das Unternehmen geschrieben:

„Meine Kollegen haben umgehend bei dem verantwortlichen Broker CardelMar, den sich Herr Wurm auf unserer Seite ausgewählt hatte, reklamiert und dieser hat nun angekündigt, das zusätzlich berechnete Geld den Kunden zu erstatten.“

Vorsicht vor vermeintlichen Helfern und Polizisten

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