Marktcheck checkt Knorr Was steckt in der Tüte?

Topmarken im Südwesten

Ob als Würzmischung für Spaghetti Bolognese, als Salatzutat oder als Fertigsuppe: Es dürfte niemanden geben, der nicht schon einmal ein Knorr-Produkt in der Küche benutzt hat. Viele sind Wiederholungstäter: Jährlich landen eine Milliarde Knorr-Produkte im Einkaufswagen der Verbraucher. Doch wie viel Chemie und Geschmackverstärker stecken in den Tüten? Wie fix sind die Gerichte tatsächlich zubereitet? Ist frisch gekocht teurer? Wie ist die Werbestrategie. Und sind die Zutaten so nachhaltig angebaut, wie das Unternehmen behauptet?

Dauer

Beim Traditionsunternehmen aus dem Südwesten fing alles mit einer Suppe an: Die seit 1889 von Knorr in Heilbronn produzierte Erbswurst ist eine der ältesten industriell hergestellten Fertiggerichte. Bis heute ist das Stammwerk von Knorr in Heilbronn. Schnell wird das Fertigsuppen-Sortiment ausgeweitet. Immer kommen neue Produktlinien hinzu. In den 70er Jahren kommen die Knorr-Fix-Produkte hinzu. Heute gehört Knorr als größte Einzelmarke zum niederländisch-britischen Unilever-Konzern. Rund eine Milliarde Fertigprodukte werden allein in Deutschland jährlich verkauft. In einem typischen Supermarktregal mit Tütensoßen, Suppen und Gewürzmischungen ist rund die Hälfte von Knorr.

Lecker, günstig und schnell – das ist das Versprechen des Lebensmittelriesen Knorr. Aber stimmt das auch?

1. Check: Qualität

In der Mannheimer Fußgängerzone wird in einer Blindverkostung getestet: Was schmeckt den Kunden besser - Tomatensuppe aus der Tüte oder frisch gekocht? Bei 100 Passanten gewinnt die frisch zubereitete Suppe klar und auch der Sieger unter den Tütensuppen ist eindeutig: Knorr liegt deutlich vor Maggi und Aldi. Aber überraschend ist: Jedem zweiten Tester hat eine Pulversuppe am besten geschmeckt.

Sind Fix-Produkte günstiger als selbstgekocht?

Wir rechnen nach und erhalten ein erstaunliches Ergebnis:

  • Die klassische Rahmsoße ist pro Einzelpackung etwa 10 Cent teurer als selbst gekocht.
  • "Fix für Knuspriges Wiener Schnitzel2 ist auch kein Schnäppchen, selber panieren ist rund 55 Cent billiger.
  • Und auch die Tomatensuppe aus der Tüte kostet 69 Cent mehr als frisch zubereitet.

Geht es schneller in der Küche mit Fixprodukten?

Zwei Kochlaien machen für uns den Test. Ihre Challenge: ein Nudel-Schinken-Gratin zubereiten. Einmal mit Soße aus dem Fix-Beutel. Einmal frisch gekocht nach klassischem Rezept. Die Basiszutaten wie Schinken und Nudeln sind bei beiden gleich.

Das Fertigpulver wird mit Wasser und Sahne verrührt. Diese Soße soll laut Anleitung über die rohen Nudeln gegeben werden. Bei dem frisch zubereiteten Gratin werden die Nudeln sieben Minuten vorgekocht und die frische Soße kommt über die vorgekochten Nudeln. Das Fixgericht landet so zwar deutlich früher im Ofen, allerdings muss es wegen der rohen Nudeln auch länger drin bleiben: 30 Minuten insgesamt. Das frische Gericht braucht nicht so lange, nach 25 Minuten ist es fertig.
Bis das Knorr-Gratin den Ofen verlässt, dauert es insgesamt 36 Minuten. Der vermeintliche Zeitvorteil des Fix-Produkts ist am Ende keiner.

Unser Qualitäts-Fazit: Nur weil Fix drauf steht geht es nicht unbedingt schneller als frisch gekocht, günstiger ist es auch nicht. Geschmacklich hat Knorr aber seine Fans und schneidet bei uns besser ab als Hauptkonkurrent Maggi.

2. Check: Marketing
Im Supermarkt kämpfen die Branchenriesen Knorr und Maggi seit jeher um die Kundschaft. Fast jedes Produkt von Knorr gibt es vergleichbar auch von Maggi. Knorr ist in der Regel aber ein paar Cent günstiger als Maggi Was sich besser verkauft, darüber schweigen sich beide aus. Bei einer regionalen Supermarktkette im Rhein-Neckar-Gebiet machen wir den Test. Drei Wochen lang zählen wir wie viele Fix-Produkte von welcher Marke über den Ladentisch gehen. In unserer 3-wöchigen Stichprobe hat Knorr die Nase vorn. Je nach Region kann das allerdings unterschiedlich ausfallen. Und auch der Preis spielt eine große Rolle: Ist ein Produkt im Angebot, wird es auch häufiger verkauft.

Wie Knorr versucht die Kunden für sich zu gewinnen, hat Uniprofessor Markus Voeth für uns analysiert - anhand von Werbespots:

"In den 70er Jahren hat man im Grunde ganz stark auf einfach, auf schnell, auf sozusagen bequeme Küche in der Werbung gesetzt. Und heute setzt man überhaupt nicht mehr auf leicht und schnell, sondern man setzt im Grunde auf natürlich. Und das wiederum zeigt auch wie sich das Gesundheitsbewusstsein der Verbraucher verändert hat"

Unser Marketing-Fazit: Das neue Grüne-Image von Knorr ist bei vielen Kunden noch nicht angekommen. Knorr muss die Werbetrommel noch weiter rühren, wenn man mit dieser Strategie die Konkurrenz hinter sich lassen möchte.

3. Check: Inhalt

Von Knorr gibt es Soßen, Gewürzmischungen, Dressings, Suppen und mehr. Doch was steckt da eigentlich alles drin. Lebensmittelexperte Sven Bach schaut für uns bei den Inhaltsstoffen ganz genau hin.

  • Negativ fällt ihm sofort dieses Salatsoßen-Pulver ins Auge: Würzige Gartenkräuter steht groß vorne auf der Verpackung, doch die Zutatenliste auf der Rückseite enthüllt etwas anderes: Am meisten enthält das Produkt Maltrodextrin, an zweiter Stelle kommt Salz, danach Zucker und dann kommen 8 Prozent Kräuter.
  • Der Soßenhelfer „Boullion Pur “ist – anders als der Name es glauben macht – gar nicht pur. Drin sind etliche Zusatzstoffe wie Fett, Zucker oder Verdickungsmittel.
  • Stutzig wird der Ernährungsexperte auch bei der Hühnersuppe. Denn die enthält quasi kein Huhn, sondern nur 0,5 Prozent Hühnerfett. Aber der Name, so sagt der Experte Bach, ist dennoch rechtlich zulässig.

Ernährungsberater Sven Bach stößt bei seinem Produkt-Check auf eine immer wiederkehrende Formulierung: Ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe. Trotzdem steckt in vielen Produkten die Zutat Hefeextrakt. Das ist eingedampfter Hefezellsaft und der wirkt geschmacksverstärkend, weil Glutaminsäure drin steckt. Allerdings auf natürlicher Basis, daher muss das Extrakt nur als Zutat angegeben werden.

Gesundheitlich sind geschmacksverstärkende Stoffe in so geringen Mengen, wie in den Knorr-Gerichten, völlig unbedenklich. Aber Ernährungsexperte Sven Bach findet es trotzdem bedenklich:
2Gesichert ist auf jeden Fall, dass es einen gesteigerten Appetit gibt und dass es vor allem finde ich persönlich bei Kleinkindern den kompletten Geschmack verwischt. Ja. Und das sehe ich als großes Problem."

Seit kurzem geht die Firma Knorr ganz neue Wege mit der Produktlinie "Natürlich Lecker". Jede Tüte ist etwa 30 Cent pro Packung teurer. Knorr verspricht dafür 100% Prozent natürliche Zutaten. Keine Geschmackverstärker, keine Chemie. Das lassen wir prüfen, schicken einen Beutel der Spaghetti Bolognese-Mischung in ein Lebensmittellabor. Die Tests liefern ein klares Ergebnis: Tatsächlich ist kein Geschmacksverstärker zu finden. Weder künstlich noch natürlich.

Unser Inhalts-Fazit: Mit "Natürlich lecker" tut sich also was bei Knorr. Bei vielen altbekannten Produkten ist allerdings nicht alles Gold, was auf den Verpackungen glänzt.

4. Check: Nachhaltigkeit

Knorr will bis 2020 ausschließlich nachhaltig angebaute Kräuter und Gemüse für seine Produkte verwenden und wirbt damit auch massiv. Was das bedeutet – ist aber unklar. Denn den Begriff Nachhaltigkeit kann jeder auslegen wie er will, sagt Jutta Sundermann von Aktion Agrar. In Hochglanz-Werbevideos wirbt das Unternehmen mit dem großen Thema Nachhaltigkeit: bunte Bilder, fröhliche Musik, tiefsinnige Worte. Eine klare Aussage, was Knorr unter Nachhaltigkeit versteht, erfährt man aber nicht. Was Knorr hat, ist eine Art Regelwerk für alle Zulieferer, Doch darin steht wenig verbindliches.

Ob die nachhaltige Arbeit bei Knorr so schön aussieht wie in den Werbevideos, davon hätten wir uns gerne selbst überzeugt. Doch Kameras sind unerwünscht. Um zu überprüfen ob zumindest die geltenden Richtlinien eingehalten werden, haben wir einen Beutel "Natürlich Lecker" im Labor auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und anderen Schadstoffen überprüfen lassen. Das Ergebnis: Alles ok!

Unser Nachhaltigkeits-Fazit: Knorrs scheinbar bahnbrechendes Konzept ist in Wirklichkeit viel Lärm um ziemlich wenig.

Gesamtfazit:

  • Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Bei Einigen kommen die Knorr-Produkte sogar besser an als frisch gekochtes.
  • Dank cleverem Marketing macht Knorr mit seinen Produkten ordentlich Kasse.
  • Wenig Huhn, wenig Kräuter, dafür viele Zusatzstoffe: Der Inhalt lässt oft zu wünschen übrig.
  • Und die Nachhaltigkeitskampagne von Knorr ist offensichtlich mehr Schein als Sein.
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