Der schwedische Möbelgigant unter der Lupe Marktcheck checkt IKEA

Ist der Möbelriese IKEA wirklich so günstig? Wie kommen die Preise zustande? Und wie hochwertig und nachhaltig sind die Produkte?

Dauer

IKEA ist Deutschlands Möbelhändler Nummer eins. Der Jahresumsatz des Möbel-Giganten liegt bei fünf Milliarden Euro. Fast 100 Millionen Besuche allein von deutschen Kunden zählt das Unternehmen jedes Jahr. Das bedeutet, dass bei einer Bevölkerung von aktuell gut 82,5 Millionen Deutschen jeder - vom Baby bis zum Greis - 1,21 Mal im Jahr zu IKEA geht. In Deutschland gibt es mittlerweile 53 Filialen.

Wofür steht IKEA?

1943 gründet Ingvar Kamprad im Alter von 17 Jahren in Schweden die Firma IKEA. Der Firmenname ist eine Zusammensetzung seiner Initialen sowie des Hofs und des Dorfs, aus dem er stammt: Ingvar Kamprad aus Elmtaryd in Agunnaryd.

Woher kommen die Namen der IKEA-Produkte?

Ikea-Lager (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Von Anfang an hatten die Produkte, die es bei IKEA zu kaufen gab, Namen statt Artikelnummern. IKEA-Gründer Kamprad konnte sich nämlich Zahlen nicht so gut merken. picture-alliance / dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Polstermöbel, Couchtische und Türknöpfe beispielsweise tragen Schwedische Ortsnamen wie Karlstad oder Sandhem. picture-alliance / dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Norwegische Ortsnamen wie Hemnes oder Malm werden an Betten, Kleiderschränke und Kommoden vergeben. picture-alliance / dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Esstische heißen wie Finnische Orte. picture-alliance / dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Stühle bekommen männliche Vornamen, wie Herman, Ivar oder Gorm. picture-alliance / dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Gleiches gilt für Regalsysteme und Schreibtische. Berühmtes Beispiel: das Regal Billy. picture-alliance / dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Gardinen, Stoffe und Decken tragen weibliche Vornamen. Gardinenzubehör wird dagegen mit mathematischen Begriffen bezeichnet. picture-alliance / dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Badezimmer-Artikel heißen nach Skandinavischen Seen, Flüssen und Fjorden. picture-alliance / dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Küchen heißen bei IKEA nach grammatikalischen Begriffen, Beispiel: Faktum. Manchmal kommen hier aber auch andere Namen vor. picture-alliance / dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Bettwäsche, Decken und Kissen heißen bei IKEA wie Pflanzen oder Edelsteine. Beispiel: Bomull (Baumwolle) oder Mistel. picture-alliance / dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Kinderartikel sind nach Tieren oder Adjektiven benannt. Beispiel: Mammut, Kritter (Rind) oder Korall (Koralle). picture-alliance / dpa - Bild in Detailansicht öffnen

1951 erscheint der erste IKEA Katalog. Da viele der Möbel beschädigt ankommen, werden sie in Einzelteile zerlegt und in flache Pakete verpackt. Mit dabei ist eine Aufbauanleitung, damit die Kunden ihre Möbel selbst montieren können. 

Erster IKEA-Markt 1958

1958 wird das erste IKEA Einrichtungshaus in Älmhult in Schweden eröffnet. 1974 folgt in der Nähe von München das erste in Deutschland. 1979 werden das legendäre Billy Regal und das Sofa Klippan eingeführt. In den 90ern expandiert IKEA in die ganze Welt. Heute kann man in über 40 Ländern IKEA-Möbel kaufen. Über 160.000 Menschen arbeiten für die Möbelhauskette. 

Das Lebenswerk von Ingvar Kamprat, der 2018 im Alter von 91 Jahren starb. 

Doch wie gut sind die Produkte und ist IKEA tatsächlich so günstig?

Lesen Sie auf den folgenden Seiten unsere ausführlichen Checks nach!

Filmautor: Daniel Güldner | Online: Sola Hülsewig
© SWR Marktcheck

Preise

9.500 verschiedene Produkte kann man in einem ganz normalen IKEA kaufen. Jedes Jahr kommen 2.000 neue dazu. Dafür werden 2.000 alte aus dem Sortiment genommen. 

Günstige Preise haben IKEA groß gemacht. Deutschland ist der wichtigste Absatzmarkt. Der durchschnittliche Einkauf der Kunden hat einen Wert von 92 Euro. 

Wie günstig ist IKEA?

Aber wie preiswert ist der blau-gelbe Möbelriese wirklich? Wir machen den Test und vergleichen zehn zufällig ausgewählte Produkte - vom Sonnenschirm über Glühbirnen bis zum Regal - mit ähnlichen Artikeln der Konkurrenz. IKEA, Mömax oder die Discounter Roller und Poco - Wo zahlt man am wenigsten? 

Es stellt sich heraus: Bei vielen Produkten ist IKEA wirklich am günstigsten - etwa bei den Kleiderbügeln. Hier sind die beiden Discounter Poco und Roller am teuersten. Auch der Raumteiler ist bei IKEA in unserer Stichprobe am günstigsten. Einen klaren Preisvorteil gibt es auch bei der Kindermatratze. Das kommt allerdings auch daher, dass die Schweden eigene Matratzen anbieten. Die anderen Läden vertreiben Markenmatratzen. 

Insgesamt haben wir bei IKEA rund 35 Euro weniger bezahlt als beim Discounter Roller. Etwas teurer: Poco. Am meisten haben wir für unseren Warenkorb bei Mömax bezahlt. 

Qualität

Wie gut lassen sich die Produkte aufbauen?

Mit Hilfe von zwei Studenten testen wir zunächst einmal, wie leicht sich die IKEA-Möbel, verglichen mit Produkten anderer Hersteller, aufbauen lassen. Testobjekte sind drei ähnliche Nachttische von IKEA, Roller und XXXLutz.

Bei IKEA kommt er in 129 Einzelteilen an. Bei Roller in 72. Und bei XXXLutz in 90. Auch bei den Anleitungen zeigen sich deutliche Unterschiede: Bei IKEA sind es 24 Schritte, bei XXXLutz 17 und bei Roller 8.

Dennoch dauert der Aufbau bei allen drei Nachttischen etwa gleich lang: Je 45 Minuten.

Nach Meinung der Studenten war das Tischchen von XXXLutz am leichtesten aufzubauen - gefolgt von dem IKEA-Produkt.

Hochwertig oder Schrott?

Und wie sieht es mit der Qualität der IKEA-Produkte aus? In Mannheim haben wir jeweils zehn vergleichbare Artikel von IKEA Mömax, Roller und Poco aufgebaut. Ohne zu wissen, welches Produkt woher stammt, sollen 100 Passanten die Wertigkeit beurteilen. Wer macht die besseren Möbel? 

Das Ergebnis nach 100 Befragten: Die IKEA-Produkte werden am besten bewertet. Poco liegt abgeschlagen auf dem letzten Platz. 

Wie robust sind die Möbel?

Was hält ein IKEA-Möbelstück in der Praxis aus? Das wollen wir in einer Schreinerei in Neustadt an der Weinstraße ausprobieren. Dirk Fischer soll mit seinem Team einen PAX-Schrank fünf Mal auf- und wieder abbauen. So wollen wir fünf Umzüge simulieren.

Nach der Prozedur leidet die genagelte Rückwand ganz schön. Sie ist stellenweise ausgebrochen und hat Risse. Aber von vorne kann sich der Schrank noch sehen lassen. Die Tischler sind von dem Ergebnis positiv überrascht. Für den günstigen Preis habe sich der Schrank gut geschlagen, finden sie.

Dennoch sei der Schrank von den verwendeten Materialien her weitaus weniger hochwertig als ein Qualitätsmöbelstück, stellen die Schreiner fest.

Wie gut sind die Trinkgläser?

Als nächstes wollen wir den absoluten Bestseller von IKEA testen: Das Trinkglas "Pokal" für 49 Cent. Wie gut ist die Qualität? Das wollen wir in einem Glas-Labor in Höhr-Grenzhausen herausfinden. Als Vergleich dienen ein ähnliches Modell von Mömax und ein Markenglas von Leonardo, gekauft bei XXXLutz. 

Zunächst begutachten die Experten die Gläser. Optisch ist zunächst einmal alles in Ordnung. Nur bei einem Mömax-Glas stellt der Experte eine Fehlbrennung fest.

Dauerspülen in der Spülmaschine

Welches Glas hält am längsten? Dazu werden mehrere Testexemplare zunächst in einer handelsüblichen Spülmaschine dauergespült und zwar 250 Mal. Als sie gut drei Wochen später aus der Maschine kommen, zeigen sich bei allen Gläsern keine Glaskorrosionsspuren, was für die Qualität spricht.

Als nächstes testen die Experten die Bruchfestigkeit der Gläser mit Hilfe eines Pendelbolzens. Immer weiter wird der Schlagabstand erhöht - bis es kracht. 

Extra gehärtetes Glas

Ergebnis: Die Gläser von IKEA sind mit Abstand am stabilsten. Am schnellst brechen die Gläser von Mömax. Die Leonardo-Gläser liegen im Mittelfeld. Der Spannungsmesser zeigt: Die IKEA-Gläser sind extra gehärtet. Das kostet in der Herstellung mehr, macht das Material aber bruchfester. Beim Modell von Mömax und dem teuren Leonardo-Glas von XXXLutz fehlt diese spezielle Härtung. 

Waren IKEA-Möbel früher besser?

Wie haben sich die IKEA-Möbel über die Zeit hinweg verändert - sind sie besser oder schlechter geworden? Das wollen wir mit Schreinermeister Dirk Fischer herausfinden. Wir hatten online Zuschauer gefragt, wer noch alte IKEA-Möbel hat.

Erstes Vergleichsobjekt: Ein IKEA Stuhl, 20 Jahre alt. Wir kaufen bei IKEA ein aktuelles Modell. Wie unterscheidet sich der alte Stuhl vom neuen?  Die Konstruktion ist bei beiden aus Birkenholz. Rein äußerlich sehen beide fast gleich aus. Doch unserem Schreiner fallen die sichtbaren Schrauben in der Rückenlehne des neuen Stuhls negativ ins Auge. 

Die Sitzflächen der Stühle sind beide Male aus Sperrholz. Beim neuen Modell ist sie jedoch fast dreimal so dick wie beim älteren, was für eine höhere Qualität spricht, so der Schreinermeister. Verbessert sich die Firma also?

Kommode Malm

Als nächstes überprüft Fischer eine rund 20 Jahre alte Malm-Kommode. Auch hier haben wir das gleiche Modell neu gekauft. Die Maße sind nahezu gleich geblieben. Auch die Anzahl der Schubladen ist identisch. Lediglich die Knöpfe sind beim neuen Modell verschwunden. Dem Schreinermeister fällt auf, dass die Beschläge beim neuen Modell technisch optimiert wurden. Die Deckplatte ist außerdem dicker als bei dem älteren Modell. Auch die Spanplatte unter dem Furnier ist bei der neuen Kommode sogar etwas besser, so der Experte.

Marketing

Positives Schweden-Image

Wie hat es das gelb-blaue Unternehmen geschafft, so erfolgreich zu werden? In der Werbung präsentiert sich IKEA als sympathische und freundliche Marke aus Schweden. Die Zuhörer werden mit "Du" angesprochen, die Sprecher haben einen schwedischen Akzent.

Das Spiel mit der schwedischen Herkunft wird von IKEA ganz bewusst eingesetzt, sagt Marketingexperte Markus Voeth. Die Schweden gelten bei uns als sympathisches Volk, so der Experte. "Schweden ist ein Land, was ein sehr ausgefeiltes Gesundheitswesen und tolle Sozialstrukturen hat, das ist uns im Grund über Jahrzehnte vermittelt worden."

Möbel haben bei IKEA keine Produktnummern, sondern eigene Namen. Auch das soll persönlicher wirken.

Kundenbedürfnisse berücksichtigen

Im Einrichtungshaus spricht IKEA auch sonst die Kunden gerne persönlich an und scheint auf Kundenbedürfnisse einzugehen. So werden zum Beispiel teilweise Ideen von Kunden aufgegriffen und in die Produktentwicklung einbezogen:

Kinder abgeben und mehr shoppen

Viele Angebote haben jedoch den für IKEA angenehmen Nebeneffekt, die Kunden zum Geldausgeben zu bewegen. Wer seine Kinder beispielsweise im kostenlosen Kinderbetreuungsangebot Smaland abgibt, kauft mit einer größeren Wahrscheinlichkeit mehr ein, da ihn keine quengelnden Kinder zwingen, nach Hause zu gehen.

Auch die kostenlosen Bleistifte haben einen Hintergrund: Schreibt man etwas auf, kauft man es eher.

Die übergroßen Einkaufstaschen sind nicht zufällig so dimensioniert. In ihnen verlieren sich die Produkte und der Einkauf sieht mickrig aus - ein weiterer Anreiz, mehr zu shoppen.

Durch die lange Wege durch die Einrichtungshäuser muss der Kunde sich außerdem das gesamte Sortiment ansehen. So landet auch mehr im Einkaufswagen oder der Einkaufstasche.

Essen

Ein echtes Phänomen bei IKEA: Schon vor Ladenöffnung stehen die ersten Kunden vor dem Eingang. Ihr Ziel ist das IKEA-Restaurant. Ob Frühstück, Mittag- oder Abendessen - die Preise sind immer günstig. Doch auch das ist vor allem Marketing. Es lockt die Kunden nicht nur in den Laden, sondern soll sie auch dazu bringen, länger zu bleiben. Nebenbei sind die IKEA-Restaurants mit 230 Millionen Euro pro Jahr wichtiger Umsatzbringer.

Wie gut ist das IKEA-Essen? Daniel Schimkowitsch ist Sternekoch im Ketschauer Hof in Deidesheim. Er arbeitet normalerweise nur mit den besten Zutaten. Er soll für uns das Essen bei IKEA unter die Lupe nehmen. Mit versteckter Kamera begleiten wir ihn ins IKEA-Restaurant in Kaiserslautern.

Traniger Lachs

Als erstes probiert er den geräucherten Lachs mit Salat für knapp fünf Euro. "Das wird wahrscheinlich norwegischer Gravedlachs sein", vermutet Schimkowitsch - eine eher günstige Lachs-Variante. Er bemängelt, dass an den Stücken der Tran noch mit dran sei.

Zweiter Gang: Die berühmten Köttbullar. Hier allerdings nicht besonders ansprechend serviert. Das Urteil des Sternekochs: "Wenn ich in einer Firma arbeiten würde, wo es so einen Kantinenfraß gäbe, dann würde ich auch überlegen, zu wechseln." Die Rahmsoße sei auf Pulverbasis angerührt. Und das zu einem Preis von 7,50 Euro. 

Schnitzel mit Pommes

Ähnlich teuer ist das panierte Schnitzel mit Pommes. Das Gericht ist aber alles andere als kross: "Das ist ja einfach nur noch eine matschige Angelegenheit hier", urteilt Schimkowitsch. 

Der Apfelstrudel für 2,50 Euro sei dagegen eindeutig zu lange gebacken. "Der Zucker ist hier schon nicht mehr karamellisiert, sondern komplett verbrannt."

Der Schokopudding für zwei Euro ist mit Pulver aufgerührt. Unser Experte findet, er schmeckt künstlich.

Fast nichts Selbstgemachtes

Frische selbstgemachte Produkte findet der Profi-Koch quasi gar keine. Auf Nachfrage gibt IKEA zu: Bis auf Rumpsteak und Spargel sind alle Gerichte Fertigprodukte. 

Die Qualität hat unseren Sternekoch hier nicht überzeugt. Immerhin hat IKEA uns gegenüber erklärt, an der Qualität arbeiten zu wollen. Aber ein Produkt schmeckt auch dem Sternekoch: der Mandelkuchen für 1,50 Euro. 

Wer will, kann die Produkte, die es im Restaurant gibt, auch im Schwedenshop an der Kasse kaufen, für die schnelle Küche zuhause. Der Blick auf die Inhaltsstoffe offenbart, was IKEA da eigentlich verkauft. Die Rahmsoße zum Beispiel besteht quasi nur aus Fett, Zucker und Geschmacksverstärkern. 

Fairness

Wenig "symphatisch schwedisch" handelt IKEA beim Thema Geld. Mit einem ausgeklügelten und für Außenstehende undurchsichtigen Firmenkonstrukt umgeht der Konzern Steuerzahlungen so weit es geht, sagt Karl-Martin Henschel vom Netzwerk Steuergerechtigkeit.

"Mutter der Steuervermeider"

"IKEA ist nach meinen Recherchen geradezu die Mutter der Steuervermeider", sagt Henschel. "Der damalige Konzernchef Ingvar Kamprad hat das System der internationalen Steuervermeidung durch Konzerne geradezu erfunden."

Für den Firmengründer waren Steuern schon immer unnütze Kosten. IKEA ist kein Einzelunternehmen, sondern eine Marke, die aus über 400 Einzelfirmen besteht. Mit Sitzen in Niedrig-Steuer-Ländern wie den Niederlanden, Liechtenstein, Luxemburg oder auch der Insel Curacao. Alle sind auf dem Papier unabhängig und alle machen miteinander Geschäfte. Das Hauptziel: Gewinne zu schmälern und so Steuerzahlungen zu mindern.

Gewinne landen dort, wo die Steuern niedrig sind

Henschel erklärt das anhand eines Beispiels: "Das Holz für das Billy-Regal wird geschlagen in Karelien, Nordrussland. Die Holzfabrik verkauft, konzernintern natürlich, an die Möbelfabrik in Weißrussland." Die produziere das Regal und verkaufe es wiederum an den Möbelmarkt in Deutschland. "Und jetzt werden die Preise so gestaltet, dass die Gewinne möglichst dort landen, wo die Steuern am geringsten sind. Und das ist in diesem Fall Weißrussland."

Steuertrick: IKEA-Family-Card

Zwölf legale Steuertricks, die IKEA nutzen soll, sind mittlerweile dokumentiert. Die IKEA-Family-Card zum Beispiel ist auf den ersten Blick ein Spar-Vorteil für Kunden. Rein formal handelt es sich aber um Kundenkredite, vergeben von einer IKEA-eigenen Bank in Luxemburg.

Mit dem System werden einerseits die Gewinne geschmälert, erklärt Karl-Martin Henschel. Andererseits könne der Konzern auf die Art und Weise Gewinne nach Luxemburg überweisen, wo keine Steuern gezahlt werden müssten.

"Große Sauerei"

"Ich gehe davon aus, dass der Steuersatz von IKEA bei unter 15 Prozent liegt. Wahrscheinlich deutlich niedriger", vermutet der Experte. "Ein normales mittelständisches Möbelunternehmen, das hier Möbel verkauft, müsste in der Regel um die 30 Prozent zahlen. Das ist eine große Sauerei." 

Bei IKEA Deutschland ist man sich keiner Schuld bewusst. "IKEA zahlt in jedem Land, in dem wir tätig sind, Steuern nach den gesetzlichen Vorgaben", so Sabine Nold, Unternehmenssprecherin von IKEA Deutschland. In Deutschland habe das Unternehmen in den letzten fünf Jahren 834 Millionen Euro Ertragssteuern gezahlt.

Das klingt viel. Doch umgerechnet bedeutet das gerade mal 226 Millionen Euro im Jahr. Bei einem Umsatz von fünf Milliarden sei das ziemlich wenig, findet Karl-Martin Henschel.

Holz aus dem rumänischen Urwald

Auch bei seinem Hauptrohstoff Holz gibt sich IKEA gerne bedeckt. Der Konzern verbraucht rund 17 Millionen Kubikmeter pro Jahr für seine Möbel. Das kommt schon längst nicht mehr nur aus Schweden.

Die rumänischen Karpaten sind Europas letzter Urwald. Hier ist IKEA der größte private Waldbesitzer. Und holzt kräftig ab.

In Bukarest sprechen wir mit rumänischen Umweltschützern. Die sind auf den Möbelkonzern gar nicht gut zu sprechen. Die Art und Weise, wie IKEA in den Besitz seiner Wälder gekommen ist, finden sie äußerst fragwürdig.

Krimielle brachten Wälder an sich

Das kommunistische Regime hat nach dem 2. Weltkrieg private Wälder enteignet. Nach dem Sturz von Präsident Ceausescu 1989 sollten diese aber den eigentlichen Besitzern, beziehungsweise deren Erben, zurückerstattet werden. Durch Korruption und Urkundenfälschung haben aber Kriminelle die Eigentumsrechte an sich gebracht und für viel Geld an internationale Unternehmen verkauft. Obwohl bekannt war, dass in Rumänien in vielen Fällen Land gehandelt wird, das zu Unrecht enteignet wurde, hat IKEA dort 2015 über 30.000 Hektar gekauft. 

Zusammen mit den beiden Umweltschützern machen wir uns auf Spurensuche in den Karpaten. Dort soll es viele Waldbesitzer geben, deren Eigentum unter fragwürdigen Umständen bei IKEA gelandet ist. 

Illegale Machenschaften bei Rückerstattungen

"Es gibt auch schon Prozesse gegen solche Rückerstattungen, und da stellte sich natürlich raus, dass das alles illegal geschehen ist", so Umweltaktivist Hans Hedrich. Bürgermeister und Richter seien bestochen worden.

Ein Mann, der angeblich im Clinch mit dem Möbelkonzern liegt, hat sich am Telefon bereit erklärt, über seinen Fall zu sprechen. Doch die Suche nach ihm gestaltet sich schwierig. Als wir ihn endlich aufspüren, hat er es sich anders überlegt. Von einem Streit mit IKEA wisse er nichts. Aus Angst?

IKEA hat uns bestätigt, dass es momentan Eigentumsstreitigkeiten in Rumänien gibt und angekündigt, alle Gesetze einzuhalten. Insider aber sind sich sicher: Der Möbel-Konzern wusste genau, was für Wälder er kauft und von wem.

IKEA muss Wälder zurückgeben

Nach einem aktuellen Gerichtsurteil muss IKEA jetzt erstmals auch Wälder wieder zurückgeben. Das Möbelunternehmen ist aber nicht nur selbst Waldbesitzer, sondern hat auch lange Zeit rumänisches Holz beim österreichischer Holzzulieferer Schweighofer gekauft. Der muss sich jetzt in Rumänien vor Gericht verantworten. Im Sommer wurden bei vier Werksleitern Hausdurchsuchungen durchgeführt.

"Es wurde nachgewiesen, dass Schweighofer massiv illegal Holz geschlagen und verarbeitet hat", so Hans Hedrich. "Nicht zuletzt hat Schweighofer auch die FSC-Zertifikate in Rumänien verloren. Das heißt, diese Nachhaltigkeitszertifikate hat einer der Lieferanten von IKEA nicht mehr."

Laut eigenen Angaben kommen 77 Prozent des Holzes bei IKEA aus nachhaltigen Quellen. Kunden wissen aber nicht, aus welchen Quellen das Holz letztendlich stammt. Das Unternehmen deklariert die Produkte nicht.

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