Der schwedische Möbelgigant unter der Lupe Ikea-Check: Qualität

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Ist der Möbelriese IKEA wirklich so günstig? Wie kommen die Preise zustande? Und wie hochwertig und nachhaltig sind die Produkte?

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Wie gut lassen sich die Produkte aufbauen?

Mit Hilfe von zwei Studenten testen wir zunächst einmal, wie leicht sich die IKEA-Möbel, verglichen mit Produkten anderer Hersteller, aufbauen lassen. Testobjekte sind drei ähnliche Nachttische von IKEA, Roller und XXXLutz.

Bei IKEA kommt er in 129 Einzelteilen an. Bei Roller in 72. Und bei XXXLutz in 90. Auch bei den Anleitungen zeigen sich deutliche Unterschiede: Bei IKEA sind es 24 Schritte, bei XXXLutz 17 und bei Roller 8.

Dennoch dauert der Aufbau bei allen drei Nachttischen etwa gleich lang: Je 45 Minuten.

Nach Meinung der Studenten war das Tischchen von XXXLutz am leichtesten aufzubauen - gefolgt von dem IKEA-Produkt.

Hochwertig oder Schrott?

Und wie sieht es mit der Qualität der IKEA-Produkte aus? In Mannheim haben wir jeweils zehn vergleichbare Artikel von IKEA Mömax, Roller und Poco aufgebaut. Ohne zu wissen, welches Produkt woher stammt, sollen 100 Passanten die Wertigkeit beurteilen. Wer macht die besseren Möbel? 

Das Ergebnis nach 100 Befragten: Die IKEA-Produkte werden am besten bewertet. Poco liegt abgeschlagen auf dem letzten Platz. 

Wie robust sind die Möbel?

Was hält ein IKEA-Möbelstück in der Praxis aus? Das wollen wir in einer Schreinerei in Neustadt an der Weinstraße ausprobieren. Dirk Fischer soll mit seinem Team einen PAX-Schrank fünf Mal auf- und wieder abbauen. So wollen wir fünf Umzüge simulieren.

Nach der Prozedur leidet die genagelte Rückwand ganz schön. Sie ist stellenweise ausgebrochen und hat Risse. Aber von vorne kann sich der Schrank noch sehen lassen. Die Tischler sind von dem Ergebnis positiv überrascht. Für den günstigen Preis habe sich der Schrank gut geschlagen, finden sie.

Dennoch sei der Schrank von den verwendeten Materialien her weitaus weniger hochwertig als ein Qualitätsmöbelstück, stellen die Schreiner fest.

Wie gut sind die Trinkgläser?

Als nächstes wollen wir den absoluten Bestseller von IKEA testen: Das Trinkglas "Pokal" für 49 Cent. Wie gut ist die Qualität? Das wollen wir in einem Glas-Labor in Höhr-Grenzhausen herausfinden. Als Vergleich dienen ein ähnliches Modell von Mömax und ein Markenglas von Leonardo, gekauft bei XXXLutz. 

Zunächst begutachten die Experten die Gläser. Optisch ist zunächst einmal alles in Ordnung. Nur bei einem Mömax-Glas stellt der Experte eine Fehlbrennung fest.

Dauerspülen in der Spülmaschine

Welches Glas hält am längsten? Dazu werden mehrere Testexemplare zunächst in einer handelsüblichen Spülmaschine dauergespült und zwar 250 Mal. Als sie gut drei Wochen später aus der Maschine kommen, zeigen sich bei allen Gläsern keine Glaskorrosionsspuren, was für die Qualität spricht.

Als nächstes testen die Experten die Bruchfestigkeit der Gläser mit Hilfe eines Pendelbolzens. Immer weiter wird der Schlagabstand erhöht - bis es kracht. 

Extra gehärtetes Glas

Ergebnis: Die Gläser von IKEA sind mit Abstand am stabilsten. Am schnellst brechen die Gläser von Mömax. Die Leonardo-Gläser liegen im Mittelfeld. Der Spannungsmesser zeigt: Die IKEA-Gläser sind extra gehärtet. Das kostet in der Herstellung mehr, macht das Material aber bruchfester. Beim Modell von Mömax und dem teuren Leonardo-Glas von XXXLutz fehlt diese spezielle Härtung. 

Waren IKEA-Möbel früher besser?

Wie haben sich die IKEA-Möbel über die Zeit hinweg verändert - sind sie besser oder schlechter geworden? Das wollen wir mit Schreinermeister Dirk Fischer herausfinden. Wir hatten online Zuschauer gefragt, wer noch alte IKEA-Möbel hat.

Erstes Vergleichsobjekt: Ein IKEA Stuhl, 20 Jahre alt. Wir kaufen bei IKEA ein aktuelles Modell. Wie unterscheidet sich der alte Stuhl vom neuen?  Die Konstruktion ist bei beiden aus Birkenholz. Rein äußerlich sehen beide fast gleich aus. Doch unserem Schreiner fallen die sichtbaren Schrauben in der Rückenlehne des neuen Stuhls negativ ins Auge. 

Die Sitzflächen der Stühle sind beide Male aus Sperrholz. Beim neuen Modell ist sie jedoch fast dreimal so dick wie beim älteren, was für eine höhere Qualität spricht, so der Schreinermeister. Verbessert sich die Firma also?

Kommode Malm

Als nächstes überprüft Fischer eine rund 20 Jahre alte Malm-Kommode. Auch hier haben wir das gleiche Modell neu gekauft. Die Maße sind nahezu gleich geblieben. Auch die Anzahl der Schubladen ist identisch. Lediglich die Knöpfe sind beim neuen Modell verschwunden. Dem Schreinermeister fällt auf, dass die Beschläge beim neuen Modell technisch optimiert wurden. Die Deckplatte ist außerdem dicker als bei dem älteren Modell. Auch die Spanplatte unter dem Furnier ist bei der neuen Kommode sogar etwas besser, so der Experte.

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