Ist das Kochgeschirr immer Made in Germany"? Marktcheck checkt Fissler

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Töpfe, Pfannen und Messer: Fissler steht für solides Kochgeschirr "Made in Germany". Aber hat die Marke dieses Image zu Recht? Und stimmt die Qualität?

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Ein Traditionsunternehmen aus Rheinland-Pfalz. Die Produktpalette: Messer, Pfannen und Töpfe. Rund 250 Millionen Euro Umsatz machte das Unternehmen damit im Jahr 2015. Doch wie gut sind die Produkte?

Check Qualität: Kann Fissler sich gegen WMF und Ikea durchsetzen?

Wir testen im Labor und in der in der Stuttgarter Speisemeisterei zusammen mit Sternekoch Frank Oehler.

Test 1: Messer

Je ein Messer von WMF, Fissler und Ikea schneidet in einen Apfel (Foto: SWR, SWR -)
Unsere drei Testkandidaten SWR -

Unsere Testkandidaten:

  • das Kochmesser "Perfection" von Fissler für 109 Euro - das teuerste in unserem Test
  • das Messer "Grand Gourmet" von WMF, Kostenpunkt: rund 86 Euro
  • ein Messer aus der Serie "365+" von Ikea - für nur 17 Euro ein günstiges Messer

Im Praxistest, kann man die Schärfe eines Messers ganz leicht an einer Tomate überprüfen.

Sternekoch Frank Oehler (Foto: SWR, SWR -)
Sternekoch Frank Oehler SWR -

Ergebnis: Alle drei Messer sind scharf, aber die die beiden Messer von Fissler und WMF "gehen tiefer ins Fruchtfleisch", da sie mehr Eigengewicht haben. Das Messer von Ikea liegt für unseren Sternekoch "sehr gut in der Hand", das Messer von Fissler "ist sehr scharf" und die Messer von Fissler und WMF sind "super verarbeitet, die Gewichtsklasse ist dieselbe". Doch trotzdem bemängelt der Experte beim Messer von WMF, dass der Griff proportional eigentlich viel zu groß für die Klinge sei und dann "ist es eben sehr rutschig, wenn man Spüli an der Hand hat, oder Butter oder Fett, dann rutscht es schnell mal weg und dann kann man sich auch verletzen."

Im Labor checkt der Werkstofftechniker Andree Irretier den Härtegrad der Messer, anhand dessen man Verschleiß, Schärfe und Dauerhaftigkeit beurteilen kann.

Auch die Materialzusammensetzung untersucht Andree Irretier. Sie ist vor allem deswegen spannend, weil ein Fissler-Kochmesser vor zwei Jahren im Labortest für viel Aufsehen gesorgt hat. Damals hatte das Unternehmen falsche Materialangaben auf einem Messer der Serie „Passion“ gemacht. Der verwendete Werkstoff war nicht so hochwertig wie auf dem Produkt angegeben. Wie sieht es bei den jetzigen Testkandidaten aus?

Grafik: Ergebnis des Messertests (Foto: SWR, SWR -)
SWR -

Fazit: In unserem Test ist also auch beim Fissler-Messer alles in Ordnung.

Und damit hat es insgesamt die Nase vorn. Das WMF-Messer lag unserem Kochprofi nicht so gut in der Hand. Das von Ikea zeigte im Labor leichte Schwächen.

Test 2: Beschichtete Pfannen

Steak wird in Pfanne gebraten (Foto: SWR, SWR -)
SWR -

Unsere Testkandidaten:

  • "protect alux premium Pfanne" von Fissler - gekauft für rund 90 Euro
  • "CeraDur Plus" von WMF - für rund 70 Euro
  • "Ombärlig" von Ikea - für 15 Euro die günstigste in unserem Test

Mit welcher lässt sich am besten braten? In der Sterneküche überprüfen wir’s mit ein paar Steaks.

Das Ergebnis: Bei der Ikea-Pfanne ist es so, dass sie "sofort Kontakt aufnimmt, dass sie die Temperatur am besten leitet und sofort aggressiv brät und die anderen zwei Pfannen hängen ein bisschen hinterher." Aber: "Die zwei (Anmerkung der Redaktion: Pfannen von Fissler und WMF) braten jetzt ein bisschen schonender, weil sie, glaub ich dicker sind vom Material und vielleicht wegen der anderen Legierung auch. Die halten die Temperatur besser als die erste." Insgesamt ist der Sternekoch mit der WMF-Pfanne am zufriedensten.

Grafik: Ergebnis Pfannentest (Foto: SWR, SWR -)
SWR -

Fazit: Verarbeitung und Funktionalität bewertet Frank Oehler bei Fissler und WMF gleichgut. Die günstige Ikea-Pfanne landet auf dem letzten Platz.

In Sachen Qualität haben sich Messer und Pfannen von Fissler insgesamt gut geschlagen - in Küche und Labor. Sie waren aber auch die teuersten in unserem Test.

Qualität, die überzeugen soll - und das seit der Gründung von Fissler vor über 170 Jahren. Der Durchbruch gelang dem Kochgeschirr-Hersteller aber erst in den 19-50er und 60er-Jahren mit der Erfindung der ersten Anti-Haft-Pfanne – und: mit einer neuen Art des Schnellkochtopfes.

Check Marketing: Wie will uns das Unternehmen von seinen Produkten überzeugen?

Wie versucht das Unternehmen heute, seine Kunden zu überzeugen? Wir checken das Marketing.

Prof. Markus Voeth, Lehrstuhl für Marketing Universität Hohenheim (Foto: SWR, SWR -)
Prof. Markus Voeth SWR -

Fissler profitiert vor allem von seiner langen Unternehmensgeschichte und Tradition, weiß Marketing-Experte Markus Voeth.

Test 3: Schnellkochtopf

Unsere Tester begutachten Schnellkochtöpfe (Foto: SWR, SWR -)
Mit welchem Topf kommen sie am besten klar? SWR -

DAS Fissler-Traditionsprodukt ist der Schnellkochtopf. Längst gibt es aber auch hier Konkurrenz von WMF und Ikea. Kann sich Fissler gegen sie behaupten? Wir checken von jeder Firma einen Topf. Unsere Tester: Christian und Patrick - zwei absolute Schnellkochtopf-Neulinge.

Das Ergebnis: Das Modell von Ikea gefällt ihnen zum Kartoffelkochen nicht so gut, weil "die Kartoffeln direkt im Wasser liegen und dann halt auch das Wasser ziehen und weich werden." Den Topf von WMF finden unsere Tester besser, aber Fissler hat ihnen am besten gefallen. Ausschlaggebend war das Sicherheitsgefühl, dass sie beim Aufmachen hatten. In der Küche überzeugt der Schnellkochtopf-Klassiker also nach wie vor

Wird das Design erkannt?

Erkennen die Leute den Fissler-Schnellkochtopf auch am Design? Wir verdecken die Markennamen und machen den Test.

Ergebnis: Viele erkennen das Design des Schnellkochtopf-Klassikers. Auch wenn manche den WMF-Topf für Fissler halten.

Wer ist die teurere Marke - Fissler oder WMF?

Erkennt man teure Töpfe? Wir machen eine Umfrage und es treten an: Ein teurer Topf von Fissler für 149 Euro und ein hochpreisiger von WMF für rund 80 Euro. Dazu ein günstiger Topf von Ikea für 25 Euro und ein zweiter Topf von Fissler, eingekauft für 20 Euro - und damit der günstigste in unserem Test.

Ergebnis einer Umfrage zum Preis von vier Töpfen (Foto: SWR, SWR -)
So haben Passanten getippt SWR -

Das Ergebnis: Dass der günstigste Topf von Fissler ist, sogar noch billiger als der IKEA-Topf, kann sich kaum einer vorstellen. Und: Die meisten denken, dass WMF am teuersten ist, dabei kostet der Topf von WMF nur 80 Euro und unser teurer Topf von Fissler 149 Euro.

Dieses Umfrageergebnis zu Preis und Image von Fissler verwundert unseren Marketingexperten nicht.

Erfolgreich in Asien

In Asien dagegen boomt die Marke: Mehr als die Hälfte seines Umsatzes macht Fissler mittlerweile in Asien.

Marketing-Fazit: In Deutschland kommt Fissler gegen Marktführer WMF kaum an. In Asien hat Fissler hingegen Kultstatus erreicht – auch Dank des Labels "Made in Germany".

Check: Produktversprechen "Made in Germany"

"Germany" ist nicht gleich "Made in Germany"

Topfboden, Fissler, "Made in Germany" (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Topfboden mit "Made in Germany" ... picture-alliance / dpa - Bild in Detailansicht öffnen
... und einer nur mit "Germany". SWR - Bild in Detailansicht öffnen


Mit "Made in Germany" wirbt Fissler wo es nur geht. Immer zu recht? Das schauen wir uns genauer an. Zunächst wollen wir wissen: Wo liegen die Unterschiede zwischen günstigen und teuren Töpfen? Schließlich kann man für einen optisch fast gleichen Fissler-Topf von 20 Euro bis 200 Euro bezahlen! Wie also kann man einen hochwertigen Topf schon vor dem Kauf erkennen?

Das wollen wir uns in einer Filiale der Ladenkette "Cookmal" erklären lassen, die zur Unternehmensgruppe von Fissler gehört. Verdeckt machen wir dort einen Beratungscheck.

Gedächtnisprotokoll - nachgesprochen:

  • Marktcheck: "Woran erkenne ich denn grundsätzlich ein gutes Topfset?"
  • Verkäuferin: "Hochwertige Töpfe sind viel schwerer als billige. Da wird einfach besserer Stahl verwendet."
  • Marktcheck: "Und wie viel sollte ein vernünftiges Topfset kosten? Es gibt ja zum Beispiel auch bei Möbelhäusern immer wieder günstigere Topfsets von Fissler."
  • Verkäuferin: "Also rund 300 Euro sollten Sie dafür schon ausgeben. Die Topfsets in Möbelhäusern werden immer extra für die Möbler produziert. Die würde ich nicht kaufen. Das ist mindere Qualität."

Test 4: Gibt es Unterschiede zwischen preiswerten und teuren Töpfen?

Grafik: Unterschiedliche Topfpreise von Fissler (Foto: SWR, SWR -)
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Sind Fissler-Töpfe aus dem Möbelhaus wirklich schlechter? Das wollen wir herausfinden und nehmen zwei Fissler-Töpfe genauer unter die Lupe:

  • Einen Topf aus dem fünfteiligen „Set Palermo", gekauft im Möbelhaus: Einzeln ist dieser Topf nicht erhältlich. Das Set gibt’s für 99 Euro. Den einzelnen Topf setzen wir mit 20 Euro an.
  • Außerdem den Bratentopf aus der „Original Profi Collection“, das Set für insgesamt 579 Euro. Der Einzel-Topf kostet 149.

Untersucht werden die zwei Modelle im Labor von Werkstofftechniker Andree Irretier, denn die Töpfe sollten bestimmte Qualitätskriterien erfüllen.

Zeigen sich Qualitätsunterschiede zwischen dem günstigen Fissler-Topf aus dem Möbelhaus und dem teuren Modell? Andree Irretier überprüft das im Labor ganz akkurat.

Andree Irretier, MPA Bremen (Foto: SWR, SWR -)
Andree Irretier, MPA Bremen SWR -

Die Hitzeverteilung überprüft er, indem er Puderzucker im Topf karamellisieren lässt. Dabei schneidet der teure Fissler etwas besser ab. Bedeutende Qualitätsunterschiede zwischen den zwei Modellen zeigen sich im Labor aber nicht.

Auch das wollen wir überprüfen, nehmen jetzt aber noch Töpfe der Konkurrenz dazu:

  • den "Profi select" vom Marktführer WMF - für rund 80 Euro
  • den Ikea-Klassiker „365+“ - für knapp fast 25 Euro
  • Zur Erinnerung: Unsere Fissler-Töpfe haben wir mit 149 und 20 Euro berechnet.

Puderzuckertest

Zwei Fissler-Töpfe, nachdem Puderzucker  karamellisiert wurde (Foto: SWR, SWR -)
Puderzuckertest: So sehen die beiden Fissler-Töpfe danach auch ... SWR - Bild in Detailansicht öffnen
... und so die Töpfe von WMF und Ikea. SWR - Bild in Detailansicht öffnen


Im Labor werden wieder alle Modelle genau untersucht. Und dabei kommen für das Kochen bedeutende Unterschiede heraus.

Zwischenergebnis: Am besten schneidet der teuer Fissler-Topf ab. Das WMF-Produkt ist vergleichbar mit dem günstigen Fissler-Topf. Der Ikea-Topf ist das Schlusslicht.

Wärmeleitung hängt von der Topfbodendicke ab

Vergleich der Topfbodensicke bei WMF und Ikea (Foto: SWR, SWR -)
Kein Unterschied zu sehen SWR -

Im nächsten Schritt überprüfen wir die Dicke der Topfböden. Denn je dicker der Boden ist, desto besser ist die Wärmeleitung und desto stabiler ist der Topf.

Nur beim Boden des teuren Fissler-Topfes sieht man einen Unterschied. Der ist gut einen Millimeter dicker als die anderen, insgesamt schneidet er in unserem Markenvergleich damit am besten ab. Der günstige Fissler-Topf liegt etwas hinter dem von WMF. Ikea ist bei uns Schlusslicht. Auch wenn es einen klaren Sieger gibt - richtig gravierend sind die Unterschiede nicht.

Überraschend sind dabei vor allem die beiden Fissler-Töpfe im direkten Vergleich: Teuer und billig unterscheiden sich qualitativ nicht sehr stark. Aber uns fällt optisch eine Abweichung auf: Auf dem Profi-Topf steht tatsächlich "Made in Germany".

Grafik: Ergebnis des Topf-Testes (Foto: SWR, SWR -)
SWR -

"Germany" ist nicht gleich "Made in Germany"

Beim günstigen Topf steht nur "Germany" drunter. Was hat das zu bedeuten? Im "Cookmal"-Shop wird an jeder Ecke mit "Made in Germany" geworben. Aber auch hier finden wir günstigere Töpfe, auf denen nur "Germany" steht. Wir fragen nach.

Gedächtnisprotokoll - nachgesprochen:

  • Marktcheck: "Kommen die Töpfe trotzdem aus Deutschland, wenn sie so günstig sind?!"
  • Verkäuferin: "Ja, natürlich".
  • Marktcheck: "Auch wenn da nur "Germany" und nicht "Made in Germany" drunter steht?"
  • Verkäuferin: "Nein, dann werden sie in Asien hergestellt, muss ich sagen."

Die Prägung "Germany" auf den Töpfen von Fissler bedeutet also nicht, dass der Topf auch in Deutschland hergestellt wurde. Wieso steht es dann drauf? Das wollen wir vom Geschäftsführer von Fissler wissen.

Alexander Selch, CEO Fissler (Foto: SWR, SWR -)
Alexander Selch, CEO Fissler SWR -

Fissler stellt mittlerweile 20 Prozent seiner Produkte in Asien her. Zum Beispiel die preiswerte "Family Line". Online macht das Unternehmen daraus kein Geheimnis. Die "Family Line" ist "Made in China".

Irreführende Herkunftsangabe

Irreführend beworbenes Topfset "Familiy Line" (Foto: SWR, SWR -)
Eine klare Falsch-Angabe! SWR -

In einem Geschäft der Ladenkette "Cookmal" sieht das anders aus. Hier finden wir das Topfset "Familiy Line" beworben mit "Made in Germany". Eine klare Falsch-Angabe!
Bei Fissler fühlt man sich dafür nicht verantwortlich. "Cookmal" gehöre zwar zur "Fissler-Gruppe", fungiere aber als "eigenständige Organisation".

Wir weisen die Wettbewerbszentrale auf die falsche Produktauszeichnung bei "Cookmal" hin. Und die wird aktiv.

Peter Brammen, Wettbewerbszentrale (Foto: SWR, SWR -)
Peter Brammen, Wettbewerbszentrale SWR -

Und was Fissler als Hersteller angeht, versichert uns Geschäftsführer Alexander Selch, dass man seit dem Jahr 2017 ohnehin alle Produkte explizit mit dem entsprechenden Herstellungsland präge.

Unser Fazit zu "Made in Germany":

  • Dem Qualitätsimage "Made in Germany" kann Fissler nicht immer gerecht werden. Mittlerweile werden in Asien mehrere Produktreihen des Unternehmens hergestellt.
  • Qualitativ konnten wir im Labor allerdings kaum Unterschiede zwischen den teuren und den günstigen Töpfen von Fissler feststellen.
  • Und auch im Vergleich mit der Konkurrenz schlagen sich die Fissler-Töpfe gut.

Marktcheck checkt Fissler – unser Gesamtfazit:

  • Mit ausgefallenem Marketing kann Fissler besonders in Asien punkten. In Deutschland ist der Konkurrent WMF oft präsenter.
  • Bekannt ist Fissler für seine gute Qualität - und das zu Recht: Fissler-Töpfe, Messer und Pfannen haben bei uns in Praxis und Labor allesamt gut abgeschnitten.
  • Wer bei Fissler auf „Made in Germany“ Wert legt, sollte lieber genau hinschauen.


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