Die Fahrlehrer Constanze Holländer und Norman Fink in ihrer Fahrschule in Ingelheim. (Foto: SWR, Jutta Kaiser)

Mangel hat viele Gründe Fahrlehrer verzweifelt gesucht

Kaum jemand will noch Fahrlehrer werden. In den vergangenen zehn Jahren ist ihre Zahl in Rheinland-Pfalz um 13 Prozent zurückgegangen.

Constanze Holländer ist Mit-Inhaberin der Fahrschule Silz in Ingelheim. Insgesamt hat die Schule fünf Fahrlehrer. Das Team sucht aber mindestens einen weiteren Kollegen – nicht nur, weil eine Zweigstelle dazu gekommen ist. Die Suche läuft schon mehr als zwei Jahre. Stellenanzeigen beim Arbeitsamt, in Zeitungen, auf der Homepage und über Internetnetzwerke haben wenig gebracht – genauso wie ein Aushang in der Fahrlehrer-Schule. 

Dauer

Nicht nur Constanze Holländer geht das so, auch andere Fahrschulen suchen mehr oder weniger verzweifelt Fahrlehrer. Denn es gibt immer weniger. In Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Menschen mit Fahrlehr-Erlaubnis seit 2009 um 13 Prozent zurück gegangen. Ein Trend, der den beiden Berufs-Verbänden für den Norden und Süden des Landes Sorgen bereitet. Joachim Einig vom Fahrlehrer-Verband Rheinland führt den Mangel unter anderem auf Vorurteile zurück.

„Da lässt sich jemand den ganzen Tag spazieren fahren.“

Joachim Einig über das Fahrlehrer-Image

Außerdem hätten Fahrlehrer unattrakive Arbeitszeiten. Sie müssen oft abends und am Wochenende Stunden geben, weil das die Zeiten sind, in denen andere Arbeitnehmer Feierabend haben. Der Fahrlehrer muss seine Arbeitszeit nach der Freizeit seiner Kunden einteilen.

Außenansicht der Schaufenster der Fahrschule Silz in Ingelheim. (Foto: SWR, Jutta Kaiser)
Nicht nur in Ingelheim fehlen Fahrschulen junge Lehrer. Jutta Kaiser

Dazu kommt: Fahrlehrer ist kein anerkannter Ausbildungsberuf. Man muss aber vorher eine andere Lehre gemacht haben oder Abitur und auch mindestens 21 Jahre alt sein. Erst dann kann man in die Lehrgänge starten – das dauert ein Jahr und kostet bis zu 15.000 Euro. Die Hürden sind also hoch.

Es fehlen Fahrlehrer von der Bundeswehr

Lange Zeit haben die Fahrschulen davon profitiert, dass die Bundeswehr Zeitsoldaten zum Fahrlehrer ausgebildet hat. Mitte 2011 wurde dann die Wehrpflicht ausgesetzt, heute spürt die Branche die Folgen dieser Entscheidung.

Weniger Einzelbetriebe, mehr Ketten

Die Fahrschul-Branche ist im Wandel. Nicht nur, was den Mangel an Fahrlehrern angeht. Auch die Digitalisierung zwingt Betriebe dazu, technisch aufzurüsten. Zum Beispiel müssen sie in neue Autos investieren, aber auch in Simulatoren zum Üben oder in Apps. Es wird in Zukunft weniger, aber größere Fahrschulen geben, meint Joachim Einig vom Fahrlehrer-Verband.

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