Liebesbetrug Das skrupellose Geschäft mit Gefühlen

Eine besonders miese Betrugsmasche spielt mit den Gefühlen der Opfer: Liebesschwindler gaukeln einsamen Frauen und Männern Gefühle vor, um schlussendlich an ihr Geld zu gelangen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Liebesschwindel in der analogen Welt

Klaus B. ist 71 Jahre alt, als er Roletta B. kennenlernt. Sie ist über 20 Jahre jünger als der Rentner, baut aber schnell ein Vertrauensverhältnis zu ihm auf. Die beiden treffen sich immer öfter. Dann täuscht die Frau vor, in Not zu sein, lässt sich von Klaus B. mit Geld helfen, angeblich für Anwaltskosten. Gleichzeitig macht sie ihm Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft. Klaus B. gibt ihr immer wieder Geld. Als sie nach einem halben Jahr den Kontakt abbricht, hat er nicht nur eine tiefe seelische Wunde erlitten, sondern auch über eine halbe Million Euro verloren.

Klaus B. muss sich selber eingestehen, dass er auf eine miese Masche reingefallen ist. Er schämt sich dafür und traut sich erst ein Jahr später bei der Polizei Anzeige zu erstatten.

Aussage führt zur Festnahme

„Aufgrund der Aussage des Geschädigten konnten wir die tatsächliche Beschuldigte ermitteln. Aufgrund der weiteren Ermittlungen und auch einem Abgleich mit Daten, die bei anderen Staatsanwaltschaften vorhanden waren, konnten wir weitere Fälle aufdecken, sodass wir mittlerweile davon ausgehen, dass es sich hier um eine bundesweit aktive Beschuldigte handelt“

Robert Hartmann, Oberstaatsanwalt

In München wird Roletta B. im April 2019 festgenommen. Mindestens fünf weitere Männer soll die Betrügerin in den letzten Jahren ausgenommen haben.

Und die Betrügerin handelte dabei wohl nicht allein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass eine ganze Abzocker-Bande dahinter steckt.

Die Vermutung liegt nahe, dass es noch weitere Opfer gibt, daher wird weiter ermittelt. Und dabei wird davon ausgegangen, dass viele der Opfer sich aus Scham noch immer nicht bei der Polizei gemeldet haben.

Laut Staatsanwaltschaft wurden auch Vermögenswerte sichergestellt, diese erreichen aber wohl bei weitem nicht den Betrag, um den insgesamt wohl betrogen wurde. Es besteht für die Opfer daher keine große Hoffnung, dass sie ihr Geld zurückgezahlt bekommen.

Vor allem allein lebende ältere Menschen werden zu Opfern

Ältere Menschen sind für Liebesbetrüger ein begehrtes Ziel. Insbesondere ältere, alleinlebende Menschen, die sich nach einem Partner sehnen.

Mittels vieler persönlicher Gespräche, gemeinsamer Unternehmungen und einer vermeintlich empathischen und zugewandten Haltung erwecken die Betrüger den Anschein von trauter Zweisamkeit. Sie erschleichen sich so das Vertrauen ihrer Opfer und betrügen sie schlussendlich um viel Geld.

Love-Scamming – der Liebesbetrug in der digitalen Welt

Im zunehmenden Masse geschieht das Ganze inzwischen im Netz und ohne, dass es jemals zu einem persönlichen Kontakt kommt: Auch beim so genannten Romance- oder Love-Scamming (übersetzt: Liebesbetrug) wird sich das Vertrauen und die Zuneigung des Opfers erschlichen. 

Was Sie über Love-Scamming wissen sollten

Die Betrüger lassen sich dabei Zeit: Mitunter über Monate bauen sie eine Beziehung zu ihren Opfern auf. Von dieser Masche sind Frauen und Männer gleichermaßen betroffen

Phase 1: Kontaktaufnahme

Eine kurze Online-Einladung zum Chat dient als Erstkontakt. Mit Hilfe interessanter, seriös wirkender aber gefälschter Profile in Partnerbörsen oder auf sozialen Netzwerken, die ungewöhnliche Lebensgeschichten oder attraktive Fotos enthalten, wecken die Kriminellen das Interesse ihrer Opfer. Die Männer geben sich gerne als Akademiker in mittlerer bis gehobener Position aus. Die Täterinnen jonglieren eher mit Berufen wie Lehrerinnen oder Krankenschwestern.

Phase 2: Vertrauensaufbau

Lange aufmerksame Mails werden geschickt oder alternativ ebenso ausführliche und zugewandte Chats geführt. Mitunter kommen endlose Telefonate hinzu. Ziel ist, keinen Zweifel an der Integrität des Gegenübers aufkommen zu lassen und Schritt für Schritt eine Vertrauens- oder sogar Liebesbeziehung aufzubauen. Die Täter verkaufen sich als gute Zuhörer: Sie wollen viel über ihr Opfer wissen und fragen nach vielen Details. In dieser Phase ist Geld meist überhaupt kein Thema.

Phase 3: Hiobsbotschaften

Ist der Betrüger unverzichtbar im emotionalen Leben des Betroffenen geworden, gerät er angeblich in große Schwierigkeiten, die mit finanziellen Sorgen einhergehen.  Die Geschichten sind unterschiedlich, aber es läuft immer auf das gleiche Ziel hinaus. Der Geköderte soll Geld überweisen.

Mal sollen nach einem Überfall Pässe und Geld geraubt worden sein, mal ist bei einem Einbruch die Wohnung verwüstet worden oder es ist ein Unfall passiert. Manche Romance-Scammer lassen dabei das Opfer sogar von einem vermeintlichen Polizisten oder Arzt anrufen, der eine Notlage schildert.

Oft wird dabei so geschickt vorgegangen, dass der Betroffene selbst auf die Idee kommt, mit Geld auszuhelfen und der Betrüger erst einmal so tut, als wolle er die Hilfe nicht annehmen. Im Gegenzug wird aber ein geplanter Besuch oder eine anvisierte gemeinsame Reise aus finanziellen Gründen abgesagt. Läuft es für den Betrüger oder die Betrügerin richtig „gut“, lässt er sich also vom Opfer dazu überreden, das Geld anzunehmen.

Phase 4: Geld als Lösungsansatz

Die Opfer werden gebeten per Bargeldtransfer Geld zu senden. Lehnen sie das ab, wird Verständnis geheuchelt, aber um andere Hilfe gebeten. Dazu kann gehören, dass die Opfer gefälschte Schecks in Deutschland einzahlen sollen, auch sollen Briefe oder Päckchen an dritte Personen verschickt oder aufbewahrt werden. Hierbei handelt es sich dann meist um unrechtmäßig erworbene Ware. Alternativ geben die Betrüger auch vor, beispielsweise ein gemeinsames Konto mit dem Opfer eröffnen zu wollen oder für einen Besuch eine Bestätigung aus Deutschland zu benötigen und bitten um Kopien von Ausweisen oder Geldkarten. Diese Daten werden dann für Fälschungen der Karten oder auch von Pässen genutzt.

Wie erkennt man Scammer?

Ein Anzeichen können die Fotos sein, mit denen sich die Opfer im Netz präsentieren oder die sie an ihre Opfer übermitteln. Die Frauen locken bevorzugt mit schönen Fotos, auf denen sie oft nur leicht bekleidet zu sehen sind. Die Bilder der Männer sind mitunter nur in sehr kleiner Auflösung im Internet eingestellt und eher unscharf. 

Wenn man Verdacht geschöpft hat, kann man den Namen der Internetbekanntschaft mit dem Zusatz "Scammer" bei einer Suchmaschine eingeben. In vielen Fällen finden sich in Foren über Love-Scamming Hinweise, die sich mit dem Vorgehen und dem Profil des eigenen vermeintlichen Online-Partners decken.

Zusätzlich kann man mit einem Online-Bildersuche-Tool die Fotos verfolgen und die Webseiten finden, auf denen die Fotos ursprünglich veröffentlicht wurden. Oft bestätigt diese Suche, dass es sich um geklaute Fotos handelt.

Sofort vorsichtig werden sollte man, wenn eine Person, die man ausschließlich aus dem Internet oder vom Telefon kennt, plötzlich Geldsorgen hat oder sogar um Geld bittet.

Auch bei der Aufforderung zur Übermittlung persönlicher Pass- oder Kontodaten sollten die Alarmglocken klingeln.

Seien Sie auch misstrauisch, wenn Sie Schecks einlösen oder Briefe und Päckchen weiterleiten oder aufbewahren sollen.

So sollten Opfer handeln

  • Brechen Sie sofort jeglichen Kontakt ab.
  • Richten Sie sich, wenn möglich eine neue Telefonnummer und E-Mail-Adresse ein.
  • Geleistete Zahlungen sollten, wenn noch möglich, sofort rückgängig gemacht werden.
  • Um Anzeige bei der Polizei zu erstatten, sollten alle Nachrichten als Beweis abgespeichert werden und Überweisungsbelege aufbewahrt werden.
  • Betroffene sollten sich nicht scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, z.B. von der Polizei-Beratung oder Hilfsportalen.

Die Strafverfolgung solcher Täter ist schwierig, weil sie oft aus dem Ausland agieren. Dennoch ist es wichtig den Vorfall zu melden. Nur so kann man sich ein Stück weit schützen, wenn beispielsweise Banken strafrechtliche Schritte gegen Opfer unternehmen wollen, die unwissentlich gefälschte Schecks eingereicht haben.

Gefahr besteht übrigens auch für Freunde im sozialen Netzwerk und für alle Kontakte im eigenen Mailadressbuch. Denn die Täter schicken mit ihren Mails mitunter auch einen Computervirus mit. Dieser scannt die Daten im Mailadressbuch und erlaubt auch sonst eine Kontrolle über den Rechner ihrer Opfer. Lassen sie im Zweifelsfall Ihren Rechner von einem Computerfachmann überprüfen.

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