Lebensgefährliche Hitze Hilfe für im Auto zurückgelassene Kinder und Tiere

AUTOR/IN

Schon 15 Minuten pralle Sonne im Auto können lebensgefährlich sein. Erfahren Sie, wie Sie als Passant richtig reagieren, um eingeschlossenen Kindern und Tieren zu helfen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
21:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Kinder und Tiere dürfen an heißen Tagen nicht allein im Auto zurückgelassen werden, denn innerhalb kürzester Zeit kann ein in der Sonne geparktes Auto zum lebensgefährlichen Glutofen werden. Doch immer wieder unterschätzen Autofahrer die Kraft der Sonne.

Forscher rund um Dr. Andrew Grundstein von der University of Georgia haben die Temperaturanstiege analysiert und eine Tabelle entwickelt, aus der der rapide Anstieg ersichtlich wird.

Tabelle: So schnell erwärmt sich der Innenraum eines Pkws (Foto: SWR)
  • Bereits bei einer Außentemperatur von 20 Grad heizt sich ein geschlossener PKW innerhalb von 30 Minuten auf 36 Grad auf und nach einer Stunde sind es bereits 46 Grad - dann wird es für Kinder kritisch und es droht Lebensgefahr.
  • Bei 30 Grad Außentemperatur kann dieser Wert bereits nach 30 Minuten erreicht werden. 
  • Und sind es Draußen mehr als 35 Grad, reichen zehn Minuten um den
  • Wert von 42 Grad zu erreichen und nach 30 Minuten sind es sehr bedrohliche 52 Grad.

Ferner gilt:

  • Auch im Schatten geparkte Fahrzeuge erhitzen sich – und das schneller als man denkt.
  • Und auch wenn die Autofenster einen Spalt weit geöffnet sind, verhindert das nicht, dass es im Auto stickig und heiß wird.

Kinder besonders hitzegefährdet

Baby im Autokindersitz (Foto: Colourbox)
Kleinkinder sind der Hitze schutzlos ausgeliefert!
  • Sie können etwa dreimal so viel Wärmeenergie aufnehmen wie Erwachsene.
  • Sie schwitzen weniger.
  • Sie besitzen eine geringere Körperoberfläche und können die Energie deshalb auch weniger gut wieder abgeben.

Umgehend, aber besonnen handeln

Entdecken Sie ein Kind alleine in einem Auto, prüfen Sie als erstes, ob es reagiert, wenn Sie beispielsweise an die Scheibe klopfen. Ist dem so, empfiehlt sich folgendes Vorgehen:    

  • Versuchen Sie den Fahrzeughalter ausfindig zu machen.  
  • Bitten Sie Umstehende um Mithilfe.
  • Einer sollte das Kind immer im Blick behalten.
  • Rufen Sie die Polizei oder Feuerwehr an. Dort erhalten Sie Tipps, wie Sie am besten weiter vorgehen, bis entweder die Einsatzkräfte oder der Fahrzeughalter vor Ort sind.

Wenn das Kind nicht reagiert, ist Eile geboten

Reagiert das Kind aber nicht, sollte man umgehend den Notruf wählen.

Und:  Bei erkennbarer akuter Lebensgefahr können Sie auch eine Scheibe des Fahrzeuges einschlagen und das Kind herausholen. Achten Sie dabei aber darauf, das Kind nicht mit den Scherben zu verletzen.

Rechtsgrundlage: Wer durch diese Art der Sachbeschädigung Gefahr für Leib und Leben von anderen abwendet, handelt laut § 34 StGB nicht rechtswidrig.  Sollte der Fahrzeughalter später trotzdem versuchen, Sie wegen Sachbeschädigung zu belangen, ist es hilfreich, wenn Sie die Situation mittels eines Smartphones oder einer Kamera bildlich festgehalten haben und einen Zeugen benennen können.

Erste Hilfemaßnahmen einleiten

Das Kind sollte sofort in den Schatten gebracht und mit Wasser versorgt werden. Feuchte Tücher auf Stirn und Nacken kühlen und stabilisieren. Kühle Tücher, um die Waden gewickelt, wirken unterstützend für den Kreislauf.

Lebensgefahr auch für Tiere

Ein Hund sitzt bei einem einen Spalt geöffneten Fenster im Auto (Foto: Colourbox)
Auch wenn das Fenster nicht ganz geschlosen ist, erhitzt sich der Innenraum schnell

Gefährlich können die Temperaturen in aufgeheizten Autos auch für Tiere werden. Hunden droht laut Tierärzten bereits bei 40° Grad ein Hitzschlag. Weil Hunde nicht schwitzen können, müssen sie sich durch Hecheln Kühlung verschaffen. Bei zu hoher Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit funktioniert das aber nicht mehr.  

Zeichen für eine Überhitzung bei Hunden sind bespielweise starkes Hecheln, glasige Augen Erbrechen oder Koordinationsschwierigkeiten.

Passanten, die ein Tier in einer solchen Notlage bemerken, sollten sich ähnlich verhalten, wie bei einem Kind. Bevor Sie aber eigenständig die Scheibe einschlagen, sollten Sie bedenken, dass das Tier Sie nicht kennt und eventuell ängstlich und dadurch aggressiv reagieren könnte.

Als Sofortmaßnahmen sollte der Hund in den Schatten gebracht und mit Trinkwasser versorgt werden. Auch ihm verschaffen nasse Tücher Linderung. Sicherheitshalber sollte das Tier aber zusätzlich zum Tierarzt gebracht werden.

Tatbestand der Tierquälerei

Nach § 8 der Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHuV) muss man als Hundehalter für ausreichend Frischluft und angemessene Lufttemperaturen sorgen, wenn der Hund unbeaufsichtigt im Auto warten soll. Bei sommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein ist dies auch im Schatten schier unmöglich. Wer trotzdem seinem Hund im Pkw lässt, muss sich mitunter wegen des Tatbestands der Tierquälerei verantworten. 

Teure Konsequenzen für den Tierhalter

Die Konsequenzen der Tierquälerei ergeben sich aus dem Tierschutzgesetz (TierSchG): Es kommt sowohl eine Straftat (§ 17 TierSchG) als auch eine Ordnungswidrigkeit (§ 18 TierSchG) in Betracht. Entscheidend ist, ob der Hund vorsätzlich oder fahrlässig, also aus Unwissenheit oder Unterschätzung der Hitze im Pkw, zurückgelassen wurde.

Bei einer Straftat droht eine Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren oder eine vom Einkommen abhängige Geldstrafe. Im Falle der fahrlässigen Tierquälerei droht für die Ordnungswidrigkeit ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro.

In beiden Fällen kann zudem nach § 20 TierSchG ein Tierhalteverbot verhängt werden, das entweder auf einen bestimmten Zeitraum befristet ist oder lebenslang gilt.

In vielen Fällen stufen die Gerichte das Zurücklassen der Hunde im Fahrzeug als fahrlässige Tierquälerei ein.

Aber: Es kommt immer auf den Einzelfall an und es gibt auch Gerichte, die die häufig vorgebrachte Entschuldigung des Besitzers, er habe das nicht gewusst, nicht gelten lassen. Denn dadurch, dass in den verschiedenen Medien jedes Jahr im Sommer über qualvoll verendete Hunde berichtet wird, deren Besitzer „nur kurz“ weg waren, kann und sollte die Gefahr jedem Hundehalter bekannt sein.

Übrigens: Die Kosten für den Einsatz von Polizei oder Feuerwehr muss meist der Tierhalter übernehmen. Nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Rheinland-Pfalz gibt es keinerlei Rechtfertigung, die Personal- und Sachkosten für derartige Einsätze der Allgemeinheit aufzuerlegen, weil der Einsatz allein durch das unverantwortliche Verhalten des Hundehalters erforderlich wird. (OVG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 25.08.2005, Az.: 12 A 10619/05).

AUTOR/IN
STAND