Arbeiterinnen nähen in Addis Abeba in einer modernen Textilfabrik Kinderwäsche. (Foto: dpa Bildfunk, Kay Nietfeld/dpa +++(c) dpa - Bildfunk)

Label für ökologisch und faire Textilien Das macht das Siegel „Grüner Knopf“ so besonders

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Kleidung wird oft nicht unter fairen Bedingungen produziert. Verwirrend viele Siegel und Label helfen kaum weiter. Entwicklungsminister Gerd Müller kommt jetzt mit dem Grünen Knopf.

Ein schickes T-Shirt, dessen knallgelbe Farbe das Flusswasser in Indien vergiftet. Eine Jeans, von einer schwangeren Frau während einer 14-Stunden-Schicht genäht. – Unsere Kleidung ist oft nicht unter fairen Bedingungen produziert worden. Allerdings wird es uns bislang schwer gemacht, fair hergestellte Kleidung zu kaufen: Zahlreiche Siegel sorgen dafür, ebenso wie ein überschaubares Angebot.

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Metasiegel für fair produzierte Bekleidung: der Grüne Knopf

Entwicklungsminister Gerd Müller will das ändern und stellt jetzt ein neues Siegel vor – den Grünen Knopf: „Der Grüne Knopf kommt als Metasiegel für ökologisch, sozial nachhaltige Kleidung und zwar staatlich zertifiziert.“ Gefährliche Chemikalien sind deshalb verboten, Grenzwerte für Abwasser geregelt, erklärt Müller. Ebenso, dass die Näherin in Bangladesch neben Mutterschutz und Arbeitsschutz auch einen existenzsichernden Lohn bekommt. 

„Existenzsichernd heißt dort nicht 15 Cent pro Stunde, sondern 25 oder 30 Cent. Das macht die Kleider nicht wesentlich teurer in Deutschland. Bei der Jeans heißt es, sie wird nicht für 5 US-Dollar, sondern für 6 US-Dollar eingekauft in Bangladesch.“

Gerd Müller, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Kein Greenwashing, transparente Lieferketten und bekannte Zertifizierung

So eine Jeans muss dann insgesamt 26 Kriterien erfüllen, die sich auf Sozial- und Umweltstandards beziehen. Dazu kommen 20 Unternehmenskriterien mit hohem Anspruch. Erst wenn ein Produzent diese erfüllt und zum Beispiel nachweisen konnte, dass seine Lieferketten nachvollziehbar sind, erfolgt die konkrete Produktprüfung, erklärt Anosha Wahidi. Sie ist Referatsleiterin für Nachhaltigkeitsstandards im Entwicklungsministerium. „Ziel ist es tatsächlich, mit dieser Vereinigung von Unternehmens- und Produktkriterien ein sogenanntes Greenwashing zu vermeiden – dass Unternehmen sich nur aufstellen mit einem Produkt, das zertifiziert ist, aber sonst ihre Lieferkette nicht transparent genug offenlegen.“

Der Grüne Knopf baut auf bereits bestehende Siegel auf, wie auf den Blauen Engel für umweltbezogene Anforderungen und dem GOTS-Standard für ökologische Textilien. Für bereits zertifizierte Unternehmen bedeutet der Grüne Knopf deshalb keine zusätzlichen Kosten. Das Siegel ist freiwillig. Verbraucherschützer hätten lieber verbindliche, gesetzliche Regeln gehabt. Doch auch so wird der Grüne Knopf Klarheit in den Dschungel der mehr als 20 Textilsiegel bringen, freut sich Model Barbara Meier.

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Große Nachfrage nach Grünem Knopf – ab September an der Kleidung

Entscheidend für den Erfolg des Grünen Knopfs wird sein, dass er auf möglichst vielen Kleidungsstücken zu finden ist. Ministeriumsmitarbeiterin Anosha Wahidi ist da zuversichtlich. „Wir haben mehrere Dutzend interessierte Unternehmen, die den Grünen Knopf beantragt haben. Wir kommen mit den Prüfungen ehrlicherweise nicht hinterher. Deswegen ist das auch ein Zeichen für uns, dass der Grüne Knopf einen deutlichen Anreiz für Unternehmen bietet, sich auf dem Markt abzuheben – mit nachhaltiger Mode, mit einer transparenten Lieferkette.“

Erste Kleidungsstücke mit dem Siegel gibt es noch im September. Der nachhaltige Outdoor-Ausrüster Vaude wird dazu gehören, ebenso Tchibo. Für den Erfolg des Metasiegels wird es entscheidend sein, dass mehr große Produzenten mitmachen.

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