Arbeiterinnen nähen in Addis Abeba in einer modernen Textilfabrik Kinderwäsche. (Foto: dpa Bildfunk, Kay Nietfeld/dpa +++(c) dpa - Bildfunk)

Label für faire Textilien Das macht das Siegel „Grüner Knopf“ so besonders

Kleidung wird oft nicht unter fairen Bedingungen produziert. Verwirrend viele Siegel und Label helfen kaum weiter. Entwicklungsminister Gerd Müller kommt jetzt mit dem Grünen Knopf.

Ein schickes T-Shirt, dessen knallgelbe Farbe das Flusswasser in Indien vergiftet. Eine Jeans, von einer schwangeren Frau während einer 14-Stunden-Schicht genäht. – Unsere Kleidung ist oft nicht unter fairen Bedingungen produziert worden. Allerdings wird es uns bislang schwer gemacht, fair hergestellte Kleidung zu kaufen: Zahlreiche Siegel sorgen dafür, ebenso wie ein überschaubares Angebot.

Metasiegel für fair produzierte Bekleidung: der Grüne Knopf

Entwicklungsminister Gerd Müller will das ändern und stellt Anfang September ein neues Siegel vor – den Grünen Knopf: „Der Grüne Knopf kommt als Metasiegel für ökologisch, sozial nachhaltige Kleidung und zwar staatlich zertifiziert.“ Gefährliche Chemikalien sind deshalb verboten, Grenzwerte für Abwasser geregelt, erklärt Müller. Ebenso, dass die Näherin in Bangladesch neben Mutterschutz und Arbeitsschutz auch einen existenzsichernden Lohn bekommt. 

„Existenzsichernd heißt dort nicht 15 Cent pro Stunde, sondern 25 oder 30 Cent. Das macht die Kleider nicht wesentlich teurer in Deutschland. Bei der Jeans heißt es, sie wird nicht für 5 US-Dollar, sondern für 6 US-Dollar eingekauft in Bangladesch.“

Gerd Müller, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Der Grüne Knopf des Entwicklungsministeriums zur Zertifizierung von fair produzierten Textilien (Foto: SWR, SWR)
Der Grüne Knopf des Entwicklungsministeriums zur Zertifizierung von fair produzierten Textilien. SWR

Kein Greenwashing, transparente Lieferketten und bekannte Zertifizierung

26 soziale und ökologische Mindestkriterien hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aufgestellt. Interessierte Unternehmen müssen zunächst bei einer Unternehmensprüfung nachweisen, dass ihre Lieferketten nachvollziehbar sind. Erst dann folgt die konkrete Produktprüfung, erklärt Anosha Wahidi, Referatsleiterin für Nachhaltigkeitsstandards im Ministerium. „Ziel ist es tatsächlich, mit der Vereinigung von Unternehmens- und Produktkriterien ein sogenanntes Greenwashing zu vermeiden – dass Unternehmen sich nur aufstellen mit einem Produkt, das zertifiziert ist, aber sonst ihre Lieferkette nicht transparent genug offenlegen.“

Der Grüne Knopf baut auf bereits bestehende Siegel wie dem Blauen Engel und dem Oeko-Tex-Standard auf und bedeutet für bereits zertifizierte Unternehmen deshalb keine zusätzlichen Kosten. Verbraucherschützer hätten lieber gesetzliche Regeln gehabt. Doch auch so wird der Grüne Knopf Klarheit in den Dschungel der mehr als 20 Textilsiegel bringen, freut sich Model Barbara Meier.

Dauer

Große Nachfrage nach Grünem Knopf – ab September an der Kleidung

Dieser Grüne Knopf soll am 9. September offiziell vorgestellt werden, erzählt Ministeriums-Mitarbeiterin Anosha Wahidi. „Wir haben mehrere dutzend interessierte Unternehmen, die den Grünen Knopf beantragt haben. Wir kommen mit den Prüfungen ehrlicherweise nicht hinterher. Deswegen ist das auch ein Zeichen für uns, dass der Grüne Knopf einen deutlichen Anreiz für Unternehmen bietet, sich auf dem Markt abzuheben mit nachhaltiger Mode, mit einer transparenten Lieferkette.“

Anosha Wahidi geht davon aus, dass das Siegel direkt im September an den ersten Kleidungsstücken zu sehen sein wird. Sie hofft, dass sich der Grüne Knopf durchsetzt, nicht nur in Deutschland.

AUTOR/IN
STAND
ONLINEFASSUNG