Krankenhausaufenthalt Wenn der Patient zu früh entlassen wird

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Ein Patient aus Kaub kommt wegen eines Sturzes ins Krankenhaus. Trotz Schmerzen wird er wenige Tage später entlassen – jetzt sitzt er im Rollstuhl. Wurde er zu früh entlassen?

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Im Garten beginnt für die Olaf Krebs aus Kaub die Tragödie mit einem Sturz auf den Brustkorb. Seine Frau bringt den 60-Jährigen am nächsten Tag in die Notaufnahme. Die Diagnose nach dem Röntgen: Zwei Rippen sind gebrochen. Der Arzt in der Notaufnahme will es genauer wissen und ordnet eine Computertomographie (CT) an – diese findet aber nicht statt und das, obwohl der Arzt in der Notaufnahme die Notwendigkeit der CT-Untersuchung in der Krankenakte dokumentiert hatte. Auch in den folgenden Tagen nur eine Ultraschalluntersuchung gemacht. Zum Wochenende entlässt das Krankenhaus Olaf Krebs, obwohl dieser über große Schmerzen klagt.

Olaf Krebs wurde trotz Schmerzen entlassen

„Ich wollte jedenfalls nicht nach Hause. Das habe ich denen auch gesagt, dass meine Schmerzen ziemlich groß sind und dass das nicht nur vom Rippenbruch kommen kann, weil ich schon öfters einen Rippenbruch hatte.“

Olaf Krebs

Entlässt eine Klinik einen Patienten, dann ist sie auch dafür verantwortlich, dass der Patient anschließend richtig versorgt ist.

„Ich hätte zumindest erwartet, dass man dem Herrn Krebs eben nicht einfach nur entlassen hätte, sondern dass man ihm ganz klar gesagt hätte, wenn deine Beschwerden nicht besser werden, kannst du jederzeit wiederkommen, oder komm sofort zu uns, oder bitte kümmere dich in Absprache mit deinem Hausarzt darum, dass schnellstmöglich ein CT nachgeholt wird. Aber das ist ja alles nicht gemacht worden, und insofern hat man ihn einfach aufs Geradewohl entlassen. In der Hoffnung, es wird schon gut gehen.“

Sven Wilhelmy, Rechtsanwalt und Experte für Schadenregulierung nach Behandlungsfehlern

Olaf Krebs erleidet eine Querschnittslähmung

Im Schreiben an den Hausarzt wird das nicht erfolgte CT nicht einmal erwähnt. Nach fünf Tagen voller Schmerzen bringt seine Frau Olaf Krebs wieder in die Loreley-Kliniken, wieder in die Notaufnahme – inzwischen hat er ein Taubheitsgefühl in den Beinen und schwere Darmprobleme.

Olaf Krebs wird nach Neuwied verlegt. Dort endlich machen die Ärzte sowohl eine Computer- als auch eine Kernspintomographie und nochmals Röntgenaufnahmen. Sie stellen eine Verletzung und Infektion im Brustraum fest. Auch die Wirbelsäule ist betroffen. Der Patient wird sofort operiert, doch es ist bereits zu spät, das Rückenmark ist schon beschädigt. Olaf Krebs ist querschnittsgelähmt. Die Loreley-Kliniken Oberwesel antworten uns:

„Der für den Patienten dramatische Verlauf hat uns sehr betroffen gemacht. Jedoch steht die Ursache für diese Entwicklung nicht im Zusammenhang mit den durch unsere Einrichtung versorgten Rippenfrakturen aufgrund des Unfalls.“

Loreley-Kliniken Oberwesel

Patienten können eine ärztliche Zweitmeinung fordern

Patienten haben das Recht auf eine ärztliche Zweitmeinung. Diese zweite Meinung zahlt die Krankenkasse. Dies ergibt vor allen Dingen dann Sinn, wenn sie bei der Behandlung ein ungutes Gefühl haben. Weitere Informationen rund um die zweite Arztmeinung, gibt die Verbraucherzentrale hier.

„Wenn man sich ganz unwohl fühlt, dann ist es im Zweifel immer gut, darum zu bitten, ob man nicht einen zweiten Arzt einfach mal noch dazu ziehen könnte, um einfach dessen Meinung zu dem vorgeschlagenen Vorgehen nochmal einzuholen.“

Dr. Ursula Weibler-Villalobos, leitende Ärztin MDK Rheinland-Pfalz

Krankenhäuser sind nicht auf optimale Patientenversorgung ausgerichtet

Krankenhäuser seien personell nicht optimal für die Patientenversorgung ausgestattet, sagt Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft:

„Das Personal in den Krankenhäusern ist grundsätzlich knapp. Das ist so, das liegt aber auch an unserem System. Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass unsere Leistungen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein müssen, und das ist auch oftmals der Streit, den wir mit den Krankenkassen haben. Das heißt leider nicht optimale Patientenbehandlung, sondern ausreichende Patientenbehandlung und das ist eine Gratwanderung zwischen Wirtschaftlichkeit und sehr guter Qualität, in der wir uns zu bewegen haben.“

Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft

Das sollte vor einer Entlassung passieren

Für Behandlungen im Krankenhaus sowie die anschließende Entlassung gibt es klare Regeln, die das Bundesministerium für Gesundheit im Ratgeber Krankenhaus auflistet. Ein Klinikarzt informiert die Patienten über die Weiterbehandlung. Zudem sind Krankenhäuser dazu verpflichtet, die Anschlussversorgung sicherzustellen. Dies geschieht entweder in der Klinik, oder das Krankenhaus organisiert die Weiterbehandlung in einer Reha- oder Pflegeeinrichtung.

Wann werden Patienten aus dem Krankenhaus entlassen?

Ein Krankenhausarzt bestimmt, wann Patienten aus der Klinik entlassen werden. Zuvor gibt es mit dem Patienten ein Entlassungsgespräch. Wollen Patienten früher – und gegen den ärztlichen Rat – entlassen werden, müssen sie schriftlich erklären, dass sie dies auf eigene Verantwortung machen. Kommt es daraufhin zu gesundheitlichen Schäden, haftet das Krankenhaus unter Umständen nicht mehr.

Was wird im Entlassungsgespräch besprochen?

Im Entlassungsgespräch bespricht der Arzt alle wichtigen Untersuchungen und Ergebnisse mit dem Patienten. Zudem steht er für Rückfragen zur Verfügung. Diese sollten in einem allgemeinverständlichen Deutsch geklärt werden. Außerdem informiert der Arzt den Patienten über die weitere Medikation, mögliche Verbandswechsel und die ambulante Behandlung sowie weitere wichtige Dinge. Darunter können Änderungen bei der Ernährung oder Bewegung zählen. Zusätzlich schreibt das Krankenhaus einen Arztbrief, der die weiterbehandelnden Fachärzte über alle wichtigen Dinge informiert.

Das sollten Sie beim Entlassungsgespräch beachten sollen

Der Ratgeber Krankenhaus rät Patienten dazu, auf folgende Dinge zu achten:

  • Hat Ihnen der Arzt in allgemeinverständlichen Worten erläutert, welche Erkrankung Sie haben beziehungsweise welche Ergebnisse eine Operation oder eine Untersuchung hervorgebracht hat?
  • Was bedeutet die Diagnose für Ihr weiteres Leben und Ihre täglichen Aktivitäten? Müssen Sie mit vorübergehenden oder dauerhaften Einschränkungen rechnen?
  • Welche Ärzte oder Therapeuten sollten Sie nach Ihrer Entlassung aufsuchen?
  • Wann müssen Sie zur nächsten ärztlichen Kontrolle?
  • Bietet die Klinik eine nachstationäre Behandlung an, zum Beispiel zur Wundkontrolle nach einer Operation?
  • Welche Medikamente müssen Sie wann und in welcher Dosis einnehmen?
  • Liegt der Arztbrief für Ihren weiterbehandelnden Arzt vor? Enthält er alle wichtigen Informationen zu Ihrem Krankenhausaufenthalt einschließlich der Befunde (zum Beispiel Röntgen- und Computertomographie-Aufnahmen, Laborergebnisse) und Angaben zur Medikamenteneinnahme? Lassen Sie sich gegebenenfalls eine Kopie aushändigen!
  • Brauchen Sie ein Rezept oder eine Krankschreibung, um die Zeit bis zum Arztbesuch zu überbrücken?
  • Brauchen Sie besondere Unterstützung nach der Entlassung, zum Beispiel bei der Körperpflege, bei der Wundversorgung oder im Haushalt? Kann diese von Angehörigen oder einer häuslichen Krankenpflege oder einer Haushaltshilfe übernommen werden? Oder müssen Sie (vorübergehend) in eine Pflegeeinrichtung?
  • Benötigen Sie bestimmte Hilfsmittel für zu Hause, etwa ein Pflegebett oder eine Gehhilfe?
  • Brauchen Sie eine Anschlussheilbehandlung, zum Beispiel in einer Reha-Einrichtung?
  • Hat Ihr Arzt die entsprechenden Verordnungen (zum Beispiel Arzneimittelrezept, Krankentransport) ausgestellt?
  • Hat der Kliniksozialdienst die notwendigen Anträge, etwa für eine Haushaltshilfe oder eine Kurzzeitpflege in einer stationären Einrichtung, gestellt und ist die Frage der Finanzierung mit den Leistungserbringern (zum Beispiel Krankenkasse, Pflegekasse) geklärt?
  • Wurden alle erforderlichen Gesundheitspässe, beispielsweise der Schrittmacherausweis, ausgestellt oder aktualisiert?

Schlichtungsstelle bei Behandlungsfehlern

Patienten und Angehörige können sich, wenn sie Behandlungsfehler vermuten, an die Schiedsstelle der Bundesärztekammer wenden. Auch noch während des Schlichtungsprozesses können Betroffene vor Gerichten klagen.

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