Eine grüne Meeresschildkröte unter Wasser - sie steht unter internationalem Schutz. (Foto: Cédric Frixon/Unsplash.com)

Kommentar zu Artenvielfalts-Bericht „Wir ruinieren unsere Lebensgrundlagen“

Der Mensch hat schon mindestens 680 Wirbeltierarten zum Aussterben gebracht – das haben Umwelt-Experten ermittelt. „Jetzt handeln“ meint SWR-Umweltredakteur Axel Weiß.

Nach der ersten weltweiten Öko-Inventur seit 14 Jahren ist etwa eine Million von geschätzt acht Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit vom Aussterben bedroht.

Ein Kommentar von Axel Weiß, SWR Umwelt und Ernährung

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Der Bericht des Weltrats für biologische Vielfalt macht eines glasklar: Wir ruinieren unsere Lebensgrundlagen. Weltweit. Und das in einer nie zuvor dagewesenen Geschwindigkeit.

Eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht. Die Meere sind zu zwei Dritteln verschmutzt, überfischt, Todeszonen ohne Leben haben schon die Fläche Großbritanniens.

Die Regenwälder schrumpfen rasant, die Stadtflächen haben sich in den letzten 25 Jahren verdoppelt. Und so weiter und so weiter. 132 Staaten haben den Bericht des Weltrats abgezeichnet und spätestens jetzt kann niemand mehr sagen: Das habe ich nicht gewusst.

Die Abholzung des Regenwaldes nimmt zu. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/epa efe Marcelo Sayao/EFE/dpa)
Die Abholzung des Regenwaldes nimmt zu. picture alliance/epa efe Marcelo Sayao/EFE/dpa

Neu ist, dass das ungeheure Ausmaß der Zerstörung der Ökosysteme wissenschaftlich untermauert präsentiert wird, dass Zusammenhänge klarer werden. Unser täglich lecker Schnitzel hat eben über das in der Tiermast verwendete Kraftfutter aus brasilianischer Soja eine direkte Verbindung zur Regenwaldzerstörung.

Die sechs denkbaren Politikszenarien bis 2050, die der Bericht entwirft, zeigen deutlich: Ohne Wandel hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise landen wir absehbar in der Katastrophe. Kehren wir also vor der eigenen Haustür: Bisher fördert die EU faktisch das Artensterben – durch Subventionen für die industrielle Agrarwirtschaft.

Der Lobby der Großagrarier kann man jetzt den Pariser Vielfalts-Bericht um die Ohren schlagen und von der Politik den Umstieg auf naturfreundliche Agrarsubventionen einfordern.

Die rasante Verkehrsentwicklung vertreibt heimische Tier- und Pflanzenarten. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa)
Die rasante Verkehrsentwicklung vertreibt heimische Tier- und Pflanzenarten. picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa

Die Europawahlen stehen vor der Tür: Ihre Ergebnisse werden zeigen, ob vom heutigen Weckruf aus Paris auch etwas an der Basis angekommen ist.

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