Junge Straßenbäume liegen in einer Baumschule zum Versand bereit.  (Foto: dpa Bildfunk, Bernd Settnik)

Klimastabile Bäume gesucht Krise im deutschen Wald – aufforsten ist nicht so einfach

AUTOR/IN

Der deutsche Wald ist massiv geschädigt: Trockenheit und Schädlinge sind die Hauptursachen. Jetzt geht es darum, den Wald wieder fit zu machen für die Zukunft – aber wie?

Ein wichtiger Punkt, um den Wald zu retten, wird sein, massiv aufzuforsten – das ist aber leichter gesagt als getan. Um den Wald aufzuforsten, gibt es kein gut gefülltes Einkaufsregal, aus dem man sich nach Lust und Laune bedienen kann. Wald anbauen braucht Zeit – auch Planungszeit. Die Pflanzen, die jetzt gesetzt werden, dafür müssen die Samen schon vor zwei bis fünf Jahren geerntet und angezogen worden sein.

Außerdem gibt es nicht immer die gleiche und vielfältige Auswahl: 2018 war etwa in Rheinland-Pfalz ein regelrechtes „Mastjahr“, mit ausgesprochen vielen Bucheckern, Eicheln und Zapfen. Dagegen gab es 2017 eine der schlechtesten Ernten der letzten Jahre. Dieses Jahr gibt es zum Beispiel bei Buche, Douglasie und Eiche nichts zu holen.

Dauer

Deshalb dominieren Fichten und Kiefern statt Laubbäumen den Wald

Fichten und Kiefern setzt die Trockenheit der letzten, besonders heißen Sommer besonders zu. Warum davon so viele in unseren Wäldern stehen, liegt an der Nachkriegszeit. Damals musste alles schnell gehen, dafür war die Fichte ideal: Sie wächst schnell und kann nach 80 Jahren geschlagen werden. Ihre Verwendung ist vielseitig, und sie ist leicht zu bearbeiten – für Holz am Bau, in der Möbelindustrie, beim Innenausbau. Fichten bringen also relativ schnell Geld in die Kasse. Aus einer Eiche wertvolles Holz etwa für Rotweinfässer zu machen, ist dagegen eine Generationenaufgabe – der optimale Fällzeitpunkt liegt bei der Eiche im Alter zwischen 180 und 300 Jahren.

Aus der Perspektive der Waldbesitzer ist die Anpflanzung von Laubbäumen teurer als die von Fichten. Sie müssen viel länger wachsen, bringen also im Schnitt auch weniger Geld. Auch für die Sägewerke ist das ähnlich – sie sägen leichter schnellwachsende Fichte und Nadelhölzer als das harte Laubbaumholz. Der Wald ist nicht nur wichtig für das Klima oder für die Erholung – er ist vor allem auch ein Wirtschaftsfaktor. Genau da liegt auch das Problem, hier ein Gleichgewicht zu finden. Will man den Wald klimastabil umgestalten und deshalb zu mehr Mischwäldern übergehen, müssen auch die Interessen von Privatwald-Besitzern und Sägeindustrie einbezogen werden.

Nordamerikanische Küstentannen wurden als Ersatz für geschädigte Fichten im Koblenzer  Stadtwald  gepflanzt. (Foto: dpa Bildfunk, Thomas Frey)
Im Stadwald von Koblenz werden geschädigte Fichten durch Tannen ersetzt. Thomas Frey

Die Suche nach klimastabilen Baumarten braucht Zeit

Wenn wir die Fichte ausmustern, weil sie Hitze, Trockenheit und Sturm nicht mehr aushält, muss man Alternativen finden. Wir brauchen also mehr Mischwälder und Baumarten, die mit dem Klimawandel besser klarkommen. Welche Bäume dafür in Frage kommen, ist wirklich schwierig. In den letzten Jahren wurde vermehrt auf Weißtanne und Douglasie gesetzt, aber die Douglasie ist keine heimische Baumart. Wiederentdeckt wurden bei den Laubbäumen inzwischen der Speierling und die Elsbeere.

Neue Baumarten anzupflanzen, ist eine schwierige Entscheidung. Es gibt noch zu wenig Erfahrung mit anderen Sorten. Bei Bäumen reicht es nicht, das mal drei bis vier Jahre zu beobachten – dazu sind Jahrzehnte nötig.

Dauer
AUTOR/IN
STAND
ONLINEFASSUNG