Das Kohlekraftwerk Mehrum im Landkreis Peine. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa)

Klimaschutz-Report Kein G20-Staat schafft 1,5 Grad-Ziel

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Die CO2-Emissionen der G20-Staaten sind im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Das geht aus einer Analyse der Initiative Climate Transparency hervor.

Keines des 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Welt ist auf einem Weg, der dazu beiträgt, die Temperaturerhöhung durch den Klimawandel tatsächlich auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das ist ein Teil der Analyse. Im Gegenteil: 2018 haben die Emissionen um 1,8 Prozent zugelegt. Das starke Wirtschaftswachstum der G20 von durchschnittlich 3,7 Prozent ist der wichtigste Treiber. Insgesamt sind allein diese 20 Staaten für 80 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.

Die dampfenden Kühltürme des Braunkohlekraftwerkes Jänschwalde der Lausitzer Energie Bergbau AG (LEAG) spiegeln sich in einer Pfütze wieder. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Patrick Pleul/zb/dpa)
Derzeit beziehen die G20-Länder 82 Prozent ihrer Energie - nicht nur für Strom, sondern auch für Verkehr und Heizungen - aus fossilen Quellen wie Kohle, Erdöl und Erdgas. Tendenz steigend. picture alliance/Patrick Pleul/zb/dpa

CO2-Ausstoß in den USA doppelt so hoch wie in Deutschland

Stark gestiegen sind die Emissionen im Gebäudebereich. Eine wichtige strukturelle Ursache dafür sind steigende Wohnflächen pro Kopf. Mehr Platz heißt mehr Energie zum Heizen und Kühlen. Dabei sind die Unterschiede zwischen den Staaten gerade in diesem Bereich drastisch. In den USA ist der CO2-Ausstoß dafür pro Kopf fast dreimal so hoch wie im EU-Durchschnitt – und doppelt so hoch wie in Deutschland.

Nach wie vor kommen 82 Prozent der gesamten Energie, die die 20 Länder verbrauchen aus fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas. Die Staaten subventionieren diese Stoffe zusätzlich mit 127 Milliarden US-Dollar pro Jahr, allerdings mit großen Unterschieden. In absoluten Zahlen geben China, Großbritannien und Italien am meisten Geld dafür aus. Gemessen an der Wirtschaftsleistung aber sind die Subventionen in China nicht höher als die in Deutschland. Nimmt man diesen Indikator, liegen die anderen Schwellenländer da weit vorne. Argentinien gibt ein Siebtel seines Bruttosozialprodukts für Energiesubventionen aus – ein absoluter Spitzenwert.

Touristen stehen vor Eisbergen in der Gletscherlagune Jökulsarlon im Süden des Landes. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Owen Humphreys/PA Wire/dpa)
Die Jökulsarlon Gletscherlagune im Süden Islands. Sie ist durch schmelzendes Gletscherwasser entstanden, indem große Eisblöcke vom schrumpfenden Gletscher abbröckeln. Die Lagune vergrößert sich von Jahr zu Jahr in Folge der Erderwärmung. picture alliance/Owen Humphreys/PA Wire/dpa

Wissenschaftler fordern weitere Verschärfung der Klimaziele

Immerhin ist rund die Hälfte der G20-Staaten – darunter in Summe die ganze EU – auf einem guten Weg, ihre Klimaschutzzusagen, die sie 2015 in Paris gemacht haben, zu erfüllen. Daraus leiten die Wissenschaftler und Umweltschützer die Forderung ab, dass diese Staaten ihre Ziele im kommenden Jahr zu verschärfen hätten. Das sei im Klimaschutzabkommen auch so vorgesehen. Bislang, so zeigen andere Analysen, würden diese Zusagen in Summe bestenfalls eine Beschränkung der Erderwärmung auf etwa drei Grad garantieren. Der Brown-to-Green-Report wird seit fünf Jahren erstellt. Anhand von 80 verschiedenen Indikatoren werden die Klimaschutzanstrengungen der G20 bewertet. In Deutschland arbeitet die Denkfabrik Germanwatch an dem Projekt mit.

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