Schüler demonstrieren gegen den Klimawandel. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Klima-Aktivisten in Deutschland Dies sind die deutschen Gesichter von „Fridays for Future“

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Seit Monaten gehen jeden Freitag junge Menschen im Rahmen von „Fridays for Future“ auf die Straße für bessere Klimapolitik. Wer steht in Deutschland hinter der Protestbewegung?

Sie sind Schülerinnen und Schüler oder Studierende und engagieren sich für den Klimaschutz. Sie heißen Sebastian Grieme, Luisa Neubauer, Linus Steinmetz und Carla Reemtsma. Sie kümmern sich in der Bewegung um Strategien, Pressearbeit und stellen Forderungen an die Politik. Wir stellen die deutschen Protagonisten von Fridays for Future - kurz FFF - vor.

Sebastian Grieme

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Sebastian Grieme ist Mitbegründer der Fridays for Future-Ortsgruppe Mainz. Seit Dezember ist der Student in der Bewegung aktiv und investiert an manchen Tagen bis zu zwölf Stunden für FFF, wie er einem Journalisten erzählte.

Sebastian ist 19 Jahre alt und hat bereits parallel zur Schule Physik studiert. Er fährt kein Auto und ernährt sich vegetarisch. Er ist bei FFF, weil ihn der Klimawandel schon lange beschäftigt, und er in der Bewegung eine Chance sieht, aktiv etwas dagegen zu tun. Seine Medienpräsenz ist nicht ganz so ausgeprägt wie etwa bei FFF-Aktivistin Luisa Neubauer, aber er saß auch schon in einigen kleineren Talkshows und hat bei Twitter knapp 700 Follower. Bundesweite Bekanntheit erlangte er im April. Als Teil eines vierköpfigen Teams stellte er in Berlin die Forderungen von Fridays for Future vor. Auf die zahlreichen Fragen der Journalisten antwortete er vor laufenden Kameras sehr souverän.

Auch er wird innerhalb der Bewegung nicht unkritisch gesehen. So musste er sich mit Anderen den Vorwurf gefallen lassen, zu viele öffentliche Termine für Fridays for Future wahrzunehmen. Der Student räumte dazu in einem Interview ein, dass die Medien eben einige wenige bestimmte Protagonisten immer wieder anfragen würden. Die Behauptung, es gebe deswegen eine Revolte, nannte er aber absurd.

„Wir fordern nur das ein, was uns die Politik schon längst versprochen hat.“

Sebastian Grieme, Mainz

Luisa Neubauer

Die Fridays for Future-Aktivistin Luisa Neubauer (23) bei einer Demonstration in Berlin  (Foto: Imago, snapshot-photography/T.Seeliger)
Die Fridays for Future-Aktivistin Luisa Neubauer (23) bei einer Demonstration in Berlin Imago snapshot-photography/T.Seeliger

Luisa Neubauer wird von Journalisten gerne auch die „deutsche Greta“ genannt und gilt als prominentestes Mitglied der Protestierenden. Kaum ein Artikel über sie ohne die Beschreibung „Gesicht der Bewegung“.

Luisa ist 23 Jahre alt, studiert Geographie und ist Mitglied bei den Grünen. Sie hat sich schon früher engagiert, zum Beispiel in der Entwicklungshilfe – jetzt ist sie bei Fridays for Future. In Kattowitz bei der letzten UN-Klimakonferenz war sie als Beobachterin dabei und traf dort auf die schwedische FFF-Gründerin Greta Thunberg. Seitdem nimmt ihr Aktivistinnen-Leben seinen Lauf. So ist Luisa Neubauer mittlerweile ein absoluter Medienprofi. Sie war in Talkshows wie „Hart aber fair“, „Anne Will“ und „Markus Lanz“. An manchen Tagen bekommt sie 35 Interview-Anfragen. Das Netz quillt über von Luisa-Neubauer-Interviews, -Videos und -Artikeln. Sie ist auch bei Instagram und hat dort 45.000 Fans, bei Twitter 53.000 Follower.

Diese Dauerpräsenz führt auch zu Kritik. In der Fridays for Future-Bewegung fällt schon mal das Wort „Personenkult“. Einen Shitstorm erntete Neubauer dafür, in der Vergangenheit Fernreisen mit dem Flugzeug gemacht zu haben. Unter dem Hashtag #Langstreckenluisa finden sich bis heute zahlreiche hämische Kommentare im Internet, die vor Hass und Sexismus nur so strotzen.

„Die perfekte Klimaschützerin gibt es nicht. Ich bin auch nur ein Mensch. Ich bin einfach Luisa.“

Luisa Neubauer, Hamburg

Linus Steinmetz

Die "Fridays for Future"-Aktivisten Linus Steinmetz (15), rechts,  und Sebastian Grieme (19), links,  auf dem Podium. (Foto: Imago, Christian Mang)
Der Fridays for Future-Aktivist Linus Steinmetz (15), Mitte, neben Sebastian Grieme (19) auf dem Podium. Imago Christian Mang

Linus Steinmetz ist gerade mal 15 Jahre und trotzdem einer der führenden Köpfe bei Fridays for Future. Er ist in der Bewegung vor allem für die Pressearbeit zuständig.

Linus geht in Göttingen zur Schule, allerdings meint er selbst, dass das „zu wenig“ sei, wie er auf seinem Twitter-Account schreibt. Der Schüler ist bei FFF, weil er von Greta Thunberg inspiriert wurde. „Sie hat uns gezeigt: Auch wenn wir nur Kinder sind, können wir etwas bewegen.“ Auch Linus Steinmetz ist in den Medien präsent, zahlreiche Interviews im Stern und in Tageszeitungen zeugen vom großen Interesse der Öffentlichkeit an dem 15-Jährigen. Er saß mit auf dem Podium, als die FFF-Bewegung im April in Berlin ihre Forderungen der Öffentlichkeit vorstellte, und dabei zahlreichen Journalisten Rede und Antwort stand. Linus Steinmetz hat etwa 800 Follower auf Twitter.

„Das ist schon etwas surreal (…) Eben habe ich noch mit meinen Eltern gezankt, dass ich mein Zimmer aufräumen soll, und dann wähle ich mich bei einer Telefonkonferenz ein. Da geht es plötzlich nicht mehr darum, bei wie viel Grad ich meine Socken waschen soll, sondern um das Pariser Abkommen.“

Linus Steinmetz, Göttingen

Carla Reemtsma

Die "Fridays for Future"-Aktivistin Carla Reemtsma ( 21)  aus Münster. (Foto: Imago, Rüdiger Wölk)
Die Fridays for Future-Aktivistin Carla Reemtsma ( 21) aus Münster. Imago Rüdiger Wölk

Carla Reemtsma organisierte anfangs vor allem die Klima-Demos in Münster. Doch weil sie eloquent und redegewaltig auftritt, wird sie schnell auch bundesweit eines der Gesichter von Fridays for Future.

Carla ist 21 Jahre alt und studiert Politik und Wirtschaft. Sie ist bei Fridays for Future, weil sie das Video von Greta Thunbergs Rede bei der UN-Klimakonferenz in Kattowitz gesehen hatte. Danach, sagt sie, habe sie schnell auch in Deutschland etwas auf die Beine stellen wollen. Ihre Medienpräsenz ist ziemlich hoch. So saß sie bei Maybrit Illner in der Talkshow und gab CDU-Generalsekretär Paul Zimiak Contra. Auch im Netz ist Carla Reemtsma eine große Nummer. Zahllose Artikel, Interviews und Videos zeigen: Sie ist gefragt. Bei Twitter hat sie über 3.000 Follower. Bei Instagram knapp 2.500 Fans. Auch Carla Reemtsmas Name taucht immer wieder auf, wenn von der internen Kritik die Rede ist, einige Protagonisten bei FFF würden zu sehr das Rampenlicht suchen. Sie selbst sagt dazu, das Problem sei ihr bewusst. Aber wen das störe, solle ihr das intern mitteilen, nicht über die Öffentlichkeit.

„Wer bei uns mitmacht, dem geht es aus tiefstem Herzen um die Sache. Hier will sich nicht der Einzelne profilieren, sondern wir wollen gemeinsam den Klimakollaps verhindern, damit wir eine Zukunft haben.“

Carla Reemtsma, Hamburg
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