Standards, Labels und Alternativen Kauftipps für Daunen-Produkte ohne Tierquälerei

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Die hohe Bausch-, und Wärmekraft gepaart mit geringem Gewicht macht Daunenprodukte beliebt. Doch oft bleibt der Tierschutz auf der Strecke. Mit unseren Tipps vermeiden Sie Tierleid.

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20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Lebendrupf ist Tierquälerei

Der Lebendrupf ist für Produzenten lukrativ, weil die Gänse nicht nur nach der Schlachtung, sondern bis zu vier Mal gerupft werden können. Daunen aus Lebendrupf bedeuten für die Gänse aber eine unvorstellbare Tortur: Es kann zu Knochenbrüchen und in einigen Fällen sogar zum Verenden der Tiere kommen. Auch das Abreißen von Teilen der Haut ist nicht selten, wobei die Tiere dann mitunter ohne Betäubung notdürftig geflickt werden.

Der Lebendrupf ist zwar in der Europäischen Union verboten, doch lassen die EU-Richtlinien ein Schlupfloch: Das Abstreichen der Daunen während der Mauser. Das Problem dabei ist laut Tierschützern, dass das weniger Daunen einbringt und aufgrund der unterschiedlichen Mauserzeiten in Massenproduktionen nicht umsetzbar ist. Außerdem gilt: Sind die Daunen einmal gewaschen, ist nicht mehr zu erkennen, wie und wann sie gerupft wurden.

Und auch Totrupf ist kein Garant für tierfreundliche Produktionsmethoden – denn häufig wurden die Gänse zwar erst nach dem Schlachten gerupft, mussten in ihrem kurzen Leben aber tierquälerische Stopfmast über sich ergehen lassen. 

Viele der Daunen und Federn, bei deren „Gewinnung“ Tiere gequält wurden, kommen meist von Farmen aus Ungarn, Polen, Frankreich - vor allem aber aus China.

Tierschutzorganisationen erhöhten den Druck

Martina Stephany von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ kämpft seit Jahren für bessere Bedingungen bei der Daunengewinnung.

Die Daunenindustrie ist leider ganz eng verbunden mit Stopfmast und Lebendrupf. Das heißt, dass Farmen sowohl Tiere teilweise lebendig rupfen als auch stopfen, die Gänse als Fleisch verkaufen, Stopfleber verkaufen und Daune verkaufen. Und uns war es wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass Daune nicht einfach ein Restprodukt ist, sondern ein Produkt, bei dem man sehr genau darauf achten muss, wie hat eigentlich das Tier gelebt, von dem diese Daune stammt.“

Martina Stephany, Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“

Das Problem: Die Hersteller von Outdoor-Jacken, Schlafsäcken und Bettdecken können gar nicht nachvollziehen, ob für die Daunen Gänse gequält wurden. Lange Zeit haben sie sich auf die Aussagen ihrer Zulieferer verlassen, doch die Tierschutzorganisationen erhöhten den Druck. Denn mangelhafter Tierschutz passt beispielsweise nicht zum naturverbundenen Image von Outdoor-Firmen.

Responsible Down Standard“ (RDS) - ein sinnvolles Siegel

„Vier Pfoten“ hat ein System entwickelt, wie die gesamte Lieferkette kontrolliert werden kann: Der „Responsible Down Standard“ (RDS) ist inzwischen die im Mode-Einzelhandel am häufigsten vorkommende Kennzeichnung. Die drei Buchstaben zertifizieren Lieferketten, bei denen Daunen ausschließlich von bereits getöteten Tieren (Schlachtrupf) stammen. Die Tiere müssen ohne leidvolle Umstände gehalten und dürfen nicht zwangsgefüttert werden. Die Prüfungen des RDS finden jährlich und unangekündigt statt. Jede Daunen-Charge wird zertifiziert und jeder Betrieb, aus dem RDS-geprüfte Daunen stammen, auditiert. Elternbetriebe (das sind Betriebe, in denen die Tiere leben, die für die Nachzucht verwendet werden) können auf Wunsch von Firmen durch ein optionales Modul abgedeckt werden. Zudem finden auch bei den Waschanlagen, Lagern und Verarbeitern Kontrollen statt, um eine Rückverfolgbarkeit bis zum Endprodukt garantieren zu können.  Der RDS wird derzeit von mehr als 140 Marken aus der Outdoor-, Mode- und Sportbranche umgesetzt.

Mit dem Downpass, dem EDFA-Kodex, dem Traumpass und dem Audit IDFL gibt es noch vier weitere Kennzeichnungen, mit denen Daunenprodukte ausgezeichnet sind, die ohne Tierquälerei hergestellt wurden.
Wie gut diese Daunen-Gütekennzeichnungen sind, hat die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ zusammengetragen.

Recycelte Daunen sind im Kommen

Während es früher selbstverständlich war, die Daunen aus verschlissenen Jacken und Decken herauszunehmen, zu reinigen und neue Produkte daraus zu erstellen, ist diese Methode lange in Vergessenheit geraten. Doch inzwischen gibt es immer mehr Anbieter, die es sich zum Ziel gemacht haben, dass zumindest ein Teil der Daunen in ihren Produkten recycelt sind. Ein Blick auf Produkte, die sich dem Downcycling verschrieben haben, kann sich daher aus Umwelt- und Naturschutzgründen lohnen.

Es fehlt ein einheitliches Siegel

Die Kontrollen der verschiedenen Hersteller werden den Tierschutz bei der Daunengewinnung sicher einen Schritt voranbringen. Allerdings: Ein einheitliches Siegel für die kontrollierten Daunen steht noch aus. Es wird wohl auch noch etwas dauern, bis die tierquälerischen Aktionen ganz aufhören und die Gänse zumindest bis zur Schlachtung ein erträgliches Leben führen können.

Lange Lieferkette erschwert Kontrollen

Längst nicht alle Hersteller arbeiten mit den Siegeln und haben sich den Tierschutz auf die Fahne geschrieben.

Außerdem sind die Lieferketten lang: In einer Brutfabrik werden die Daunentiere gezüchtet und zu einem Mastbetrieb transportiert. Weiter geht es in die Schlachterei. Dort werden die Federn und Daunen gerupft und schließlich zu einer Wäscherei gebracht, wo sie sortiert, gewaschen und sterilisiert werden. Häufig gibt es noch weitere Zwischenhändler, bevor die Daunen dann beim Hersteller und in der Jacke landen. Viele Stationen, die überprüft werden müssen. 

Die Tierrechtsorganisation „PETA“ glaubt daher nicht, dass solche Initiativen ausreichen und empfiehlt, auf Alternativprodukte umzusteigen.

Alternative Produkte mit Naturfasern

Mit Bambus, Baumwolle, Hanf, Kapok, Maisfaser, Monark Fibre und Tencel (Lyocell) gibt es sieben Naturfasern die je nach Anwendung Daunenprodukte gut ersetzen können.

Climashield, DuPont Sorona, Thermal R, Plumtech, PrimaLoft, Thermolite, Thermore und 3M Thinsulate sind acht synthetische Fasern, die Daunen ersetzen können und teilweise aus recyceltem Material hergestellt werden.

Welche Eigenschaften diese Daunen-Alternativen haben, wer sie anbietet und wofür sie sich besonders eignen, das hat die Tierschutzorganisation „PETA“ zusammengestellt.

Eiderdaunen: Teuer aber hochwertig und ohne Tierleid

Wer weder auf Daunen noch auf Tierschutz verzichten möchte und bereit ist tief in die Tasche zu greifen, der sollte sich Produkte mit Eiderdaunen von seriösen Herstellern anschauen. Die Daunen der Eiderente weisen den Durchmesser einer 2-Euro-Münze oder sogar noch mehr auf, weil die Eiderente ausschließlich im kalten Island,  in Skandinavien (beispielsweise auf Vega in Norwegen) und in Norddeutschland vorkommen. Bei Entendaunen ist der Durchmesser beispielsweise nicht größer als 1,5 cm. Da besonders viel Luft in den Eiderdaunen gespeichert wird, benötigt man sehr viel weniger Material, um dieselbe Wärmewirkung im Vergleich zu Gänse- und Entendaunen zu erzielen. Da die Eiderente relativ selten geworden ist, steht sie unter Artenschutz. Die Gewinnung der Daunen ist sehr aufwendig und erfolgt nach der Mauser der Tiere. Die Daunen, die die Tiere in ihren Nestern zurücklassen, werden aufwendig per Hand aufgelesen und weiterverarbeitet.

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