Kauf auf Raten Wenn die Finanzierung teure Folgen hat

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Versteckte Gebühren, Restschuldversicherungen oder Kreditkarten: Hinter vermeintlich günstigen Finanzierungen verbergen sich oft Fallstricke, die richtig teuer werden können.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Was ist eine „Null-Prozent-Finanzierung“?

Bei einer „Null-Prozent-Finanzierung“ schließt man meist einen Kredit bei einem Kreditinstitut ab, mit dem der Händler kooperiert. Es handelt sich dabei in der Regel um einen klassischen Ratenkredit mit fester Laufzeit und Ratenhöhe, jedoch ohne Zinsbelastung für den Kreditnehmer. Der Kaufpreis für die Ware wird über die Kreditauszahlung direkt an den Händler beglichen, der Kunde zahlt in der Folge die Raten an das Kreditinstitut.

Warum gibt es fast überall solche Angebote?

Verbraucher sollten sich darüber im Klaren sein, dass der Handel „Null-Prozent-Finanzierung“ als Werbemaßnahme zur Steigerung der Verkaufszahlen anbietet. Und das anscheinend mit Erfolg: Der Bankenfachverband kam 2017 zu dem Ergebnis, dass 61 Prozent der finanzierten Käufe ohne die Möglichkeit der Ratenzahlung nicht getätigt worden wären.
Selbst wenn die Händler anstelle des Kunden ein Entgelt für die Finanzierung an die Bank zahlen müssen, scheint sich das Geschäft für sie also zu lohnen. Diese Kosten sind meist einfach in den Preis des Produktes eingerechnet.

Auch Kredite mit Minuszinzen sind häufig Lockvogelangebote

Auch für die Kreditinstitute rechnen sich solche Finanzierungen. Sie gewinnen neue Kunden mit wertvollen Kundendaten. Mit diesen Daten versuchen sie, die Kunden mit passgenauen Angeboten zu Folgeverträgen zu überreden. Das gilt übrigens auch für die seit neuestem angebotenen Ratenkredite mit Minuszinsen.
Mehr dazu finden Sie bei SWR3: „Verschenken Banken Geld per Kredit?“

Welche Vorteile bieten solche Finanzierungen?

  • Auch bei fehlendem Eigenkapital sind Anschaffungen ohne Zusatzkosten möglich.
  • Es sind keine Ansparungen nötig und rentabel angelegtes Kapital muss nicht angegriffen werden.
  • Vorübergehende finanzielle Engpässe können überbrückt werden.

Mit welchen Nachteilen muss ich als Verbraucher rechnen?

Produkte, die mit einer „Null-Prozent-Finanzierung“ angeboten werden, können deutlich teurer sein als bei anderen Händlern. Vor Abschluss eines Finanzierungsvertrages sollten Sie sich daher nach den Preisen der Konkurrenz erkundigen, Rabattmöglichkeiten erfragen und gegebenenfalls Kreditalternativen prüfen.

Finanzierungsangebote ohne oder mit nur geringen Zinsen verführen außerdem zu unüberlegtem Konsum. Die Gefahr ist groß, mehr zu kaufen, als man sich leisten kann oder überhaupt benötigt.

Ordnerrücken Finanzierung, Einnahmen und Ausgaben (Foto: Colourbox)
Null-Prozent-Finanzierungen verleihen dazu, mehr auszugeben, als man zur Verfügung hat

Und: Die meist kleinen Raten lenken schnell vom eigentlichen Kaufpreis ab. Aber auch niedrige Ratenbelastungen bei längeren Laufzeiten bergen die Gefahr, den Überblick über die monatlichen Verpflichtungen zu verlieren und in eine Schuldenspirale einzusteigen.

Fallstricke bei Finanzierungen

1. Versteckte Gebühren und Provisionen:
Manchmal stellt man beim Abschluss einer Null-Prozent-Finanzierung fest, dass der zu finanzierende Betrag höher ist als der Preis des Produktes, weil beispielsweise Kontoführungsgebühren, Bearbeitungsgebühren oder gar Vermittlungsprovisionen eingerechnet wurden. Das kann rechtens sein, muss aber nicht. Es gibt immer wieder Urteile, die insbesondere Bearbeitungsgebühren und Entgelte für unzulässig erklären. Bei der Verbraucherzentrale gibt es dazu eine Übersicht.

2. Überdenkenswerte Restschuldversicherung:
Passt man nicht genau auf, wird einem auch gerne eine Restschuldversicherung „untergejubelt“. Dafür wird das Kreuzchen, mit dem man bekundet, dass man diese Versicherung abschließen will, vorab im Formular gesetzt. Diese Versicherungen laufen mitunter auch unter den Namen Kreditausfallversicherung oder Ratenschutzversicherung. Sie sind teuer, gebraucht werden sie gut wie nie und oft sind auch noch die Bedingungen im Kleingedruckten so schlecht, dass die Versicherung, wenn man sie wirklich mal bräuchte, nicht zahlt.

Warum beispielsweise selbst bei einem Todesfall mitunter nicht gezahlt wird und was sonst noch alles dazu führen kann, dass die Versicherung nicht greift, erfahren sie in unserem Video oben auf der Seite. Die Marktwächter der Verbraucherzentralen haben die Probleme bei Restschuldversicherungen

Daher unser Tipp: Wenn Sie solche voreingestellten Erklärungen entdecken, sollten Sie dem Händler mitteilen, dass sie diese Zusatzgeschäfte nicht wünschen. Lassen Sie sich den Vertrag am besten neu ausdrucken oder streichen Sie die entsprechende Passage im Vertragstext durch! Ist das nicht möglich, verzichten Sie auf die Finanzierung.

Wer trotzdem eine Restschuldversicherung abschließen möchte, sollte sich die Vertragsklauseln ganz genau anschauen. Was man dabei beachten sollte, haben die Verbraucherzentrale und Finanztip zusammengetragen.

3. Kreditkarte statt Ratenkredit:
Gelegentlich wird einem in der Werbung suggeriert, dass man eine Finanzierung ganz sorglos bekommen und in Raten zahlen kann. Was daher erstmal wie ein Ratenkredit wirkt, entpuppt sich bei Vertragsabschluss aber als Kreditkarte. Bei ihr zahlt man dann zwar auch null Prozent Zinsen, allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum, beispielsweise sechs Monate. Im Kleingedruckten des Vertrages verbirgt sich, dass nach dieser Zeit Zinsen anfallen - und nicht zu knapp: Das können bis zu satten 15 Prozent sein.

Mit dieser Kreditkarte schließt man einen sogenannten Rahmenkredit ab und stottert die Raten ab – allerdings sind die eben nur für einen bestimmten Zeitraum zinsfrei. Für alles, was bis dahin nicht abbezahlt ist oder durch weitere Käufe dazugekommen ist, fallen hohe Zinsen an. Daher rät unsere Finanzexpertin Barbara Sternberger-Frey von solchen Angeboten ab.

Und Vorsicht: Gerade diese Variante wird auch immer wieder von unseriösen Kreditvermittlern angeboten. Da drohen dann noch weitere böse Überraschungen. Bei der Verbraucherzentrale erfahren Sie, wie Sie unseriöse Kreditvermittler erkennen.

4. Sinkende Bonität:
Jeder Kreditvertrag – also auch eine „Null-Prozent-Finanzierung“ – hat Auswirkungen auf die Bonitätsbewertung von Auskunfteien wie Schufa, Creditreform, Bürgel, Deltavista oder avarto infoscore. Als allererstes geht die Kreditanfrage an die Auskunftei. Als nächstes wird der abgeschlossene Vertrag dort gemeldet. Schließt man ein oder zweimal so eine Ratenfinanzierung ab und zahlt die Raten pünktlich, hat das keine großen Auswirkungen. Finanziert man aber viele Produkte über diesen Weg oder gerät mit seinen Raten in Verzug, kommt man in den Verdacht der Zahlungsunfähigkeit und das kann sehr negative Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit haben.

Zahlen und Prozentzeichen liegen auf einem Tisch (Foto: Colourbox)
„Null-Prozent-Finanzierung“ dient oft als Lockvogelangebot

Tipp: Bevor man eine vermeintliche „Null-Prozent-Finanzierung“ abschließt sollte man sich den Vertrag genau durchlesen - samt dem Kleingedruckten. Wir haben ein paar Begriffe in Kreditverträgen für Sie zusammengestellt, die Sie kennen sollten:

  • Unterschied zwischen Nominal- und Effektivzins: Der Nominalzins gibt an, wie viel Zinsen beim Kauf zum Beispiel eines Sofas gezahlt werden müssen. Der Effektivzins zeigt, wie teuer der Kredit wirklich ist – inklusive Zusatzkosten wie Bearbeitungsgebühren.
  • Ballonrate: Damit ist eine besonders große Rate gemeint, die meistens am Ende eines Kredits fällig wird.
  • Ratenzahlungsvereinbarung mit Eigentumsvorbehalt: Dem Verkäufer gehört bei einer Ratenzahlungsvereinbarung mit Eigentumsvorbehalt solange der gekaufte Gegenstand, bis alle Raten bezahlt sind.

Bedenken Sie außerdem: Die Mitarbeiter des Händlers sind keine ausgebildeten Bankkaufleute, entsprechend rudimentär ist die Beratung bzw. Aufklärung über die Besonderheiten und Risiken einer Kreditaufnahme.

Voreilig abgeschlossene Verträge können widerrufen werden

Ein Verbraucherkreditvertrag kann innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden, bei Ratenkrediten mit einer „Null-Prozent-Finanzierung“ allerdings nur, wenn die Kreditsumme mindestens 200 Euro beträgt.

Kredit vorzeitig ablösen ist möglich

Sind die 14-Tage verstrichen, können Sie den Kredit aber auch vorzeitig ablösen, um aus dem unliebsamen Vertrag herauszukommen. Denn ein Ratenkredit mit einer „Null-Prozent-Finanzierung“ oder einem Minuszins kann jederzeit zurückgezahlt werden. Da kein Zinssatz vereinbart ist, darf das Kreditinstitut in solchen Fällen auch keine Vorfälligkeitsentschädigung berechnen. Auch die Berechnung von Ablöse- oder sonstigen Bearbeitungsgebühren ist aus Sicht der Verbraucherzentrale unzulässig.

Welche rechtlichen Ansprüche Sie sonst noch haben, finden Sie in einer Übersicht der Verbraucherzentrale.

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