Nicht alle Retouren gehen wieder in den Verkauf. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Oliver Berg/dpa)

Rücksende-Quote steigt Jeder sechste Online-Einkauf geht retour

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Rund 280 Millionen Pakete haben die Deutschen im vergangenen Jahr als Retoure zurückgeschickt. Dadurch steigen die Preise für alle Kunden.

Die Deutschen bestellen gerne und viel übers Internet. Doch fast 500 Millionen Artikel sind vergangenes Jahr wieder zurückgesandt worden. Das haben Forscher der Uni Bamberg herausgefunden. Sie schätzen, dass dadurch Kosten in Höhe von fünfeinhalb Milliarden Euro entstehen. Das macht pro Rücksendung im Durchschnitt knapp 20 Euro. Vor allem für den Transport und für die Sichtung und Bewertung des zurückgeschickten Artikels.

Für die Umwelt ist das die reinste Katastrophe. Glaubt man der Studie, ist es so wie täglich 2.200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau. Das sind über 2.000 Kilometer und das mal 2.200 Fahrten. In CO2 umgerechnet entspricht das 238.000 Tonnen.

Jedes zurückgesendete Paket kostet den Händler knapp 20 Euro. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa)
Jedes zurückgesendete Paket kostet den Händler knapp 20 Euro. picture alliance / Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Was geschieht mit den Retouren?

In der Vergangenheit war Amazon in die Kritik geraten. Es hieß, dass Rücksendungen, aber auch Neuwaren, massenhaft vernichtet werden. Es scheint sich dabei aber eher um Einzelfälle zu handeln. Bei anderen Online-Händlern, die hauptsächlich Kleidung vertreiben, sind die Arbeitsabläufe dagegen relativ gleich: Erst prüfen die Mitarbeiter von der Logistik die angekommene Ware. Wenn diese einwandfrei ist und den jeweiligen Standards entspricht, wird sie noch mal verkauft. Oft wird die Kleidung von Mitarbeitern aufgebügelt, bevor sie wieder angeboten wird.

Wenn die Ware nicht einwandfrei sein sollte, gibt es aber auch durchaus Versandhäuser, bei denen Kunden die Kosten tragen müssen.

Welche Folgen hätte ein neues Gesetz für Online-Kunden?

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil fordert, dass die Zustelldienste für ihre Subunternehmer haften müssen. Gerade zu den Hochsaison-Zeiten sind viele Arbeiter aus Süd- oder Osteuropa als Hilfsarbeiter für Subunternehmen tätig. Der Zoll hat bei Stichproben teilweise katastrophale Arbeitsverhältnisse und Schwarzarbeit festgestellt. Dagegen will Heil jetzt mit einem neuen Gesetz vorgehen. Doch der SPD-Minister bekommt Gegenwind.

Bundeskanzlerin Merkel und Wirtschaftsminister Altmaier sehen in Heils Vorschlag keine Verbesserung. Peter Altmaier (CDU) meint, dass die Zustelldienste gar keine Möglichkeit hätten, ihre Subunternehmer zu kontrollieren. Wenn Heils Gesetz Realität wird, müssten Zusteller das Geld irgendwie anders rein bekommen. Dann könnte es dazu kommen, dass Rücksendungen bald eben nicht mehr kostenlos sind.

Schon jetzt können die Kosten für Rücksendungen dem Kunden in Rechnung gestellt werden. Dies ist nach EU-Recht möglich. Die meisten Online-Händler verzichten aber aus Kulanz-Gründen darauf.

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