Farbeimer mit unterschiedlichen Farben (Foto: SWR)

Isothiazolinone in Wandfarben und Kosmetika Wenn Konservierungsmittel Allergien auslösen

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Isothiazolinone können schwere Allergien auslösen und sind in vielen Kosmetika und Wandfarben drin. Mit unseren Tipps können Sie die Konservierungsmittel erkennen und vermeiden.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Einfach mal den Wänden im Zimmer einen neuen Anstrich verpassen. Das kann für manche in einem Albtraum enden: Denn viele Wandfarben enthalten Konservierungsstoffe, die schwere allergische Reaktionen auslösen können. Die sogenannten Isothiazolinone.

Wolfgang Plehn vom Umweltbundesamt  (Foto: SWR)
Wolfgang Plehn vom Umweltbundesamt

Die Isothiazolinone sind eine Gruppe von Stoffen, die als Konservierungsmittel eingesetzt werden. Sie schützen Farben davor, mit Keimen – wie Bakterien oder Pilzen – befallen zu werden. All das will man nicht in den Produkten haben, denn sie können gesundheitsschädlich sein und die Produkte verderben."

Wolfgang Plehn, Umweltbundesamt

Konservierungsstoffe in Wandfarben haben durchaus ihren Grund. Sie wirken gegen Schimmel, Algen oder Bakterien. Deshalb sind sie im Baumarkt in zahlreichen Wandfarben zu finden. Sogar in solchen, die das Umweltzeichen „Blauer Engel" tragen. Solche Konservierungsstoffe in Wandfarben können allerdings auch schwere gesundheitliche Probleme verursachen.

Welche drastischen Auswirkungen etwa Isothiazolinone auf die Gesundheit haben haben können, hat etwa Annelie Walter erlebt. Sie hatte Handwerker beauftragt, drei Räume in ihrem Haus zu streichen. Anschließend bekam die 66-Jährige plötzlich gesundheitliche Probleme. Bei ihr lösten die Isothiazolinone eine schwere allergische Reaktion aus. Sie musste fünf Wochen Cortison inhalieren und ihr Gesicht mit Cortisonsalbe eincremen.

Fallbeispiel Annelie Walter (Foto: SWR)
Annelie Walter bekam von Konservierungsstoffen in der Wandfarbe gesundheitliche Probleme.

Lüften der Räume half bei ihr nichts. Am Ende musste der Putz in den frisch gestrichenen Räumen bis auf das Mauerwerk abgeschlagen werden. Erst dann konnte Annelie Walter wieder in ihrer Wohnung frei atmen.

Ärzte warnen schon seit Jahren

Kein Einzelfall: Isothiazolinone sind inzwischen unter den häufigsten Kontaktallergenen und Dermatologen wie Wolfgang Uter seit Jahren ein Dorn im Auge.

Dermatologe Wolfgang Uter (Foto: SWR)
Dermatologe Wolfgang Uter sieht Konservierungsmittel als möglichen Auslöser für Allergien.

Bei den Isothiazolinonen, speziell beim Methylisothiazolinon, ist problematisch, dass es zwar einerseits sehr wirksame Konservierungsmittel sind, aber auf der anderen Seite auch stärker allergieauslösend. Das hat man jetzt an einer Epidemie bei Methylisothiazolinon gesehen, wie es sie vorher noch nicht gegeben hatte. Das ist vergleichbar mit der Häufigkeit von Nickel, was ansonsten als häufigstes Kontaktallergen bekannt ist.“

Wolfgang Uter, Dermatologe an der Universität Erlangen

Stoffe in Kosmetika waren der Auslöser

Betroffen sind laut Schätzungen von Kontakt-Dermatologen zwischen einer und drei Millionen Menschen in Deutschland. Die meisten dieser Allergien sind aber nicht durch Wandfarben entstanden, sondern über Kosmetika. Auch hier wurden lange Zeit Isothiazolinone als Konservierungsstoffe eingesetzt.

Eingesetzt in zu hoher Konzentration wurden in wenigen Jahren tausende Menschen gegen den Stoff allergisch - 2013 erreichte die Sensibilisierungswelle ihren Höhepunkt. Inzwischen hat der Gesetzgeber reagiert. Seit 2017 darf das Biozid in Kosmetika nur noch in abwaschbaren Produkten in sehr geringer Konzentration verwendet werden.

Inhaltsangabe auf einem Farbeimer (Foto: SWR)
Bei den Inhaltsstoffen müssen auch die enthaltenen Konservierungsmittel angegeben werden.

Doch in zahlreichen anderen Produkten ist es immer noch erlaubt. Neben Wandfarben zum Beispiel in Waschmitteln, Spülmitteln, Lasuren oder Filzstiften. Bei Allergikern können diese Stoffe bei Hautkontakt zu heftigen Reaktionen führen.

Kontakt mit Konservierungmitteln vermeiden

Bei Menschen, die schon sensibilisiert sind, kann sogar eine Belastung aus der Luft, beispielsweise über Wandfarben, genügen. Das Umweltbundesamt empfiehlt daher, das Streichen einem Handwerker zu überlassen und den Raum mehrere Tage zu lüften. Am Besten ist es aber natürlich, wenn die Hersteller erst gar keine Lösungsmitteln verwenden. Dafür sei aber eine sehr saubere Produktion der Wandfarben die Voraussetzung, so Wolfgang Plehn vom Umweltbundesamt.

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