Das staatliche Textilsiegel "Grüner Knopf" ist auf ein T-shirt gedruckt (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)

Initiative für faire Mode "Grüner Knopf" auch beim Discounter

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Mit dem staatlichen Textilsiegel „Grüner Knopf“ sollen Verbraucher leichter erkennen, welche Kleidungsstücke wirklich fair hergestellt wurden. Auch Discounter machen dabei mit.

Mit 27 Unternehmen startete Anfang September vergangenen Jahres der so genannte „Grüne Knopf“. Mit dem neu geschaffenen staatlichen Textilsiegel will die Bundesregierung den Verbrauchern Klarheit über fair produzierte und gehandelte Mode geben. Mit dabei waren zum Start aber dann nicht nur die erwartbaren klassischen Ökoproduzenten wie Hessnatur, sondern auch Startups wie „3Freunde“ oder Mittelständler wie „Trigema“ - und auch einige große international agierende Firmen.

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Etwa die Otto Group mit ihrer Marke „Bon Prix“, die gerade erfolgreich die erforderlichen Prüfungen bestanden hat und deshalb seit kurzem ein entsprechendes Zertifikat trägt.

Fair gehandelte Mode muss nicht teuer sein

„Bon Prix“ ist vor allem für günstige Mode bekannt, ebenso wie die Discounter Aldi oder Lidl. Beide Discounter-Ketten sind nun von Anfang an beim grünen Knopf mit dabei, um zu zeigen, dass sie es ernst mit dem Thema Nachhaltigkeit. Dafür wurden von ihnen teils sehr ausgeklügelte Lieferketten-Systeme entwickelt, um die Einhaltung der Kriterien für faire Mode überhaupt transparent machen zu können.

Das staatliche Textilsiegel "Grüner Knopf" ist auf ein T-shirt gedruckt. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)
Auch der schwäbische Textilhersteller Trigema macht mit beim "Grünen Knopf". picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Aldi verkaufte direkt im September 2019 Babysöckchen und Kinder Strumpfhosen mit dem Grünen Knopf. Außerdem kommen entsprechende Shirts für vier Euro im Angebot. Lidl hat Online ähnlich günstige Shirts, und Tchibo bietet im Onlineshop inzwischen mehr als 120 Artikel mit dem Grünen Knopf an – unter anderem Bettwäsche ab 20 Euro.

Mehr als 100 weitere Mode-Unternehmen wollen sich nun den Anforderungen des Grünen Knopfes stellen.

Kriterien für Grünen Knopf bislang noch zu lasch?

Allerdings gibt es auch Kritik an dem neuen Label. Denn dessen Prüfkriterien beziehen sich bislang nur auf die zwei Hauptarbeitsschritte, das Nähen und das Färben. Ob auch der ursprüngliche Baumwollanbau fair erfolgt, spielt bislang keine Rolle und soll erst Ende des Jahres in die Bewertung mit einfließen.

Taschen sind mit dem staatlichem Textilsiegel "Grüner Knopf" ausgewiesen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)
Mit dem neuen Siegel will Bundesregierung über Grenzen hinweg soziale und ökologische Standards voranbringen. picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Das aber stört etablierte Ökomode-Produzenten, die hier den bisherigen Anforderungen zum Teil schon weit voraus sind. Einige lehnen den Grünen Knopf daher ab. Andere, wie etwa der Strick-Mode-Produzent Jürgen Schweikert, der am Nordrand der Schwäbischen Alb produziert, sehen das anders. Obwohl er preislich nicht mit den Discountern mithalten kann, ist für ihn der Grüne Knopf zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

Grüner Knopf vs. Ökomode

Echte Ökomode produziert oft nach strengeren Vorgaben als der Grüne Knopf sie vorgibt. Transparente Lieferketten sind für die meisten Produzenten längst selbstverständlich.

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vier Models zeigen Strickmode auf dem Laufsteg (Foto: SWR, Sabine Schütze)
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