Eine Gruppe von Freunden sitzt im Park und grillt Würstchen. (Foto: Getty Images, SWR, gpointstudio)

Balkon, Park, Wald Wo ist das Grillen erlaubt und wo nicht?

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Viele grillen in Parks. Doch es gibt genaue Regelungen, wo das öffentliche Grillen erlaubt ist und wo nicht. Rechtsexperte Karl-Dieter Möller erklärt, worauf man achten muss.

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Grillen ist grundsätzlich in der Öffentlichkeit nicht erlaubt, sondern nur auf ausgewiesenen Grillplätzen. Die gibt es in fast jeder Gemeinde. Manchmal kosten sie Nutzungsgebühren, in manchen Gemeinden sind sie kostenlos. Fehlende Grillverbotsschilder sind jedoch keine Ausrede für Grill-Sünder.

Ist Grillen im Wald erlaubt?

Feuer im Wald ist eigentlich verboten, aber es gibt Ausnahmen. In den Landeswaldgesetzen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz beispielsweise ist geregelt, dass im Abstand von mehr als 100 Metern von der Baumgrenze Grillen erlaubt ist.
Ansonsten sind die Regeln in den kommunalen Satzungen oder Verordnungen festgelegt. Wer grillen will, sollte sich bei der jeweiligen Kommune erkundigen. Auch nach den Regeln für die ausgewiesenen Grillplätze. Selbst wenn man überall in Parks, auf Wiesen und an Flüssen Barbecue-Feuer sieht, gibt es durchaus Verbote. Zum Teil wird es toleriert, aber mancherorts riskiert man ein Bußgeld beispielsweise, wenn Rasen beschädigt wird oder Müll liegen bleibt.

Abstand zwischen Grill und Wald (Foto: SWR, SWR -)
In Rheinland-Pfalz müssen zwischen Grill und Baumgrenze des Waldes mindestens 100 Meter liegen, in Baden-Württemberg mindestens 30 Meter. SWR -

Alu-Grills

Aluschalen, die als Einmalgrills angeboten werden, zählen juristisch auch als Grill beziehungsweise als Feuerstelle. Sie gefährden besonders den Rasen, denn wo sie gebrannt haben, bleibt meist ein schwarzer Fleck. Städte oder Gemeinden können Sie für die Kosten der Rasenreparatur haftbar machen.

Haftung für Grill-Müll

Beim Grillen entstehen jede Menge Abfälle. Wer sie liegen lässt, bekommt es inzwischen häufig mit den Ordnungshütern zu tun. Dann kann es teuer werden. Die Bußgelder können pro Schale oder Pappbecher jeweils 25 Euro betragen. Es können aber auch durchaus noch höhere Strafen verhängt werden.

Vermieter darf Grillen verbieten

Wäsche hängt in Grillqualm (Foto: © Colourbox.com -)
Viele Bewohner stört der Qualm des Grills vom Nachbarn. © Colourbox.com -

Ein Vermieter hat das Recht, das Grillen zu verbieten. Wird dagegen verstoßen und ein anderer Mieter im Haus beschwert sich, kann dieser sogar die Miete mindern. Dem Vermieter entsteht dadurch ein Schaden, den er vom verbotenerweise Grillenden zurückfordern kann.

Ist Grillen nicht im Mietvertrag oder in der Hausordnung ausdrücklich verboten, darf man im Rahmen rücksichtvollen, nachbarschaftlichen Verhaltens grillen. Die Gerichte entscheiden über die zulässige Häufigkeit allerdings sehr unterschiedlich. Fünf bis zwölf Mal in der Zeit von Mai bis September müsste in Ordnung sein. In einem Streitfall forderte ein Gericht sogar, dass die Nachbarn 48 Stunden vorher informiert werden müssen. Das halten viele für praxisfremd, weil es spontanes Grillen unmöglich macht.

Die Rechtslage bei einer Wohnungseigentümergemeinschaft ist noch nicht eindeutig geklärt. Manche Experten legen das Wohnungseigentumsgesetz so aus, dass Grillen erlaubt ist. Zumindest, wenn man das Feuer möglichst weit von den Nachbarn weg entfacht. Die Wohnungseigentümergemeinschaft kann das Grillen allerdings auch per Mehrheitsbeschluss verbieten.

Auch der Trend zu Elektro- und Gasgrills, die keinen Kohlequalm erzeugen, ist juristisch noch nicht abschließend beschieden. Dabei ist es durchaus wahrscheinlich, dass Entscheidungen zu Gunsten der Grillfreunde fallen.

Feuerwehreinsatz zur Grillparty

Um richtig mit dem Grillen loszulegen, muss zuerst eingeheizt werden. Wer haftet eigentlich, wenn ein besorgter Nachbar irrtümlich die Feuerwehr ruft, weil ein Grillfeuer für einen Brand gehalten wurde?

Das Verwaltungsgericht Koblenz sprach die Grillfreunde von der Haftung frei, bei Grillfeuer oder einem Kaminofen entstehe nun einmal Rauch. Das liege in der "Natur der Sache" (VG Koblenz, Urteil vom 10. Dezember 2008, AZ: 5 K 1068/08.KO). Aber auch derjenige, der fälschlicherweise die Feuerwehr alarmiert hat, muss den Einsatz in der Regel nicht bezahlen, wenn es den begründeten Verdacht gab, dass ein Brand ausgebrochen sei. Frei nach dem Motto: Lieber ein Mal zu oft die Feuerwehr gerufen, als bei einem echten Brand zu spät.

Gasgrill (Foto: Getty Images, Thinkstock - Ted Johns)
Thinkstock - Ted Johns

Haftung beim Grillen

Eine Stichflamme kann bis zu drei Meter weit reichen. Jährlich gibt es in Deutschland 4.000 Grillunfälle, fünfhundert davon mit schwersten Verbrennungen. Viele Fälle enden im Krankenhaus und dann vor Gericht, weil Versicherungen sich weigern, zu zahlen. Grundsätzlich gilt: Wenn etwas passiert und es ist nicht grob fahrlässig oder vorsätzlich, muss die Haftpflichtversicherung zahlen, sofern es eine gibt. Andernfalls muss der Verursacher möglicherweise Schmerzensgeld oder Schadenersatz zahlen - in schlimmeren Fällen sogar lebenslange Rente für das Opfer.

Grillrechte

Wohnhaus mi vielen Balkonen (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Grillen auf dem Balkon: In einem Mehrfamilienhaus darf das Grillen auf dem Balkon generell untersagt werden. Das Gleiche gilt für Wohnungseigentümer. Dort kann das Verbot mit Mehrheitsbeschluss in der Hausordnung geregelt werden. Thinkstock - Bild in Detailansicht öffnen
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Grillen im Freien - Fünf goldene Tipps für Grillfreunde

Ob man in einer Wohnanlage Grillen darf, kommt immer auf den Einzelfall an. Maßgeblich sind vertragliche Regelungen, Häufigkeit des Grillens, Maß der Belästigung und auch die verwendeten Geräte.

1. Nicht zu oft grillen!

Fünf- bis zwölfmal im Jahr Grillen zwischen Mai und September müsste zulässig sein. Die Uhrzeit wird mitunter eingeschränkt. So wurde das Grillen im Einzelfall auch schon ausdrücklich auf 7:00 bis 22:00 Uhr begrenzt.

2. Grillen auf dem Balkon darf im Mietvertrag verboten werden

In einem Mehrfamilienhaus darf das Grillen auf dem Balkon generell untersagt werden. Das Gleiche gilt für Wohnungseigentümer. Dort kann das Verbot mit Mehrheitsbeschluss in der Hausordnung geregelt werden.

3. Nachbar darf Grillen im Garten nicht generell verbieten

Gelegentliches Grillen müssen Gartennachbarn im Regelfall hinnehmen. So lange keine weiteren Störungen davon ausgehen.

4. Grillrauch kann mit Bußgeld bestraft werden

Rauch ist eine Belästigung, bei der in schweren Fällen ein Bußgeld droht.
Wegen Grillgerüchen und Rauch kann beispielsweise auch verlangt werden, dass ein Grill unter dem Schlafzimmerfenster eines Nachbarn entfernt wird.

5. Grillen in freier Natur - Am besten mit Erlaubnis

Fragen Sie am besten vorher bei der Kommune, zu der das Grundstück gehört, nach, welche Regeln für das Grillen vor Ort gelten.

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