Verschiedene CO2-Label (Foto: SWR)

Greenwashing mit Klima-Labeln Das müssen Sie über CO2-Siegel wissen

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Sie versprechen das Grüne vom Himmel, aber liefern CO2-Siegel auch immer, was sie versprechen, oder betreiben die Konzerne Greenwashing?

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Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Immer mehr Hersteller bewerben ihre Produkte mit sogenannten CO2-Siegeln. Diese versprechen beispielsweise, dass die Produkte klimafreundlich und CO2-neutral produziert werden. Damit betreiben viele Konzerne Greenwashing - nutzen also Klima-Versprechen für Marketingzwecke, so die Verbraucherschützer.

Keine gesetzlichen Regelungen

„Spätestens seit „Fridays for future“ ist es auch in den Medien präsent und somit nutzen Hersteller dieses aktuelle Thema auch für Marketingzwecke, um eben ihre Produkte zu verkaufen. Aber das Problem ist, dass die Begriffe wie „klimaneutral“, „klimafreundlich“ oder „CO2-neutral“ gar nicht geschützt sind. Das heisst, es gibt keine einheitliche Grundlage, was diese Begriffe eigentlich bedeuten, was da für Anforderungen gelten, wer da auch was kontrolliert und insofern ist das für Verbraucher nicht aussagekräftig uns auch nicht verlässlich.“

Sabine Holzäpfel, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Beim internationalen Fairtrade-Siegel oder dem EU-Bio-Siegel gibt es klare Regeln. Um dieses Siegel zu erhalten müssen die Produktion und das Produkt selbst strenge vorgegebene Standards erfüllen.

CO2-Siegel werden dagegen von privaten Zertifizierungsunternehmen vergeben. Diese werden von den Herstellern beauftragt, bestimmte Produkte zu zertifizieren. Die Zertifizierungsunternehmen erstellen dann eine Klimabilanz und können bei der Reduktion der Emissionen helfen. Am Ende führen sie auch die CO2-Zertifizierung durch.

Keine Pflicht, Produktionsbedingungen zu ändern

Für die verschiedenen Label gibt es bislang keine gesetzliche Grundlage. So besteht beispielsweise keine Pflicht, die Produktionsbedingungen zu verändern. Manchmal reicht es sogar, wenn die Hersteller Geld in Klima-Projekte investieren, um ein Zertifikat zu erhalten - dadurch wird das Produkt selbst aber natürlich nicht klimafreundlicher. Dennoch versuchen viele Unternehmen, durch interne Maßnahmen die eigene CO2-Bilanz zu verbessern.

Hersteller betreiben Greenwashing

Verbraucherschützer sehen derartige Siegel deshalb kritisch. Viele Hersteller würden die Klimadebatte zu Marketingzwecken missbrauchen und Greenwashing betreiben. Kein Unternehmen könne wirklich klimaneutral produzieren, da es schwierig sei, alle Transportwege mit einzuberechnen. Für einen nachhaltigen und klimafreundlichen Konsum rät der Verbraucherschutz:

„Bevor man die Bratwurst mit Klimalabel kauft, sollte man lieber weniger Fleisch essen, dafür mehr Obst und Gemüse, weil tierische Lebensmittel mehr Treibhausgase entstehen lassen als pflanzliche. Auch beim Wasser, bevor man ein ausländisches Wasser mit Klimalabel kauft, kann man lieber ein regionales Mineralwasser kaufen oder einfach Leitungswasser trinken.“

Sabine Holzäpfel, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg
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