Gleitsichtbrillen Mangelhafte Qualität bei der Online-Bestellung

Marktcheck macht den Test

Viele kaufen eine Gleitsichtbrille auch günstig online. Marktcheck testet solche Brillen von Online-Brillen-Händlern. Die Ergebnisse können jedoch nicht überzeugen.

Dauer

Ob zum Autofahren oder zum Zeitunglesen: Mit der Gleitsichtbrille ist beides möglich. Mit den Gläsern kann man nicht nur in der Ferne und in der Nähe scharf sehen - die Gleitsichtbrille ist auch in allen Zwischendistanzen eine Hilfe. Und das anders als bei Bifokalgläsern ganz ohne Bildsprünge, also gleitend. Doch solche Fähigkeiten haben ihren Preis: Gleitsichtbrillengläser sind deutlich teurer als herkömmliche Gläser.

Onlinehändler mischen den Markt auf

Animation einer Gleitsichtbrille mit den verschiedenen Sichtzonen (Foto: SWR, SWR -)
Eine Gleitsichtbrille hat verschiedene Sichtbereiche - von der Fernsicht am oberen Rand bis zur Nahsicht unten. SWR -

Online-Brillenläden wollen das ändern - und bieten Gleitsichtbrillen zu günstigen Preisen an. Marktcheck hat den Test gemacht - und bei den vier größten Onlineoptikern Gleitsichtbrillen bestellt. Die Gläser sollten alle von mittlerer Qualität sein. Das günstigste Modell gab es bereits für 174 Euro, bei Brille 24. Nur unwesentlich mehr kostete die Brille von Lensbest, knapp 180 Euro. Bei Mister Spex wurden 212 Euro für die Lesehilfe fällig, im Onlinehandel von Brillen.de 249 Euro.

Große Unterschiede bei der Beratung

Gleitsichtgläser müssen exakt an das Sehvermögen des Trägers angepasst sein. Dazu ist in der Regel ein Sehtest nötig. Zudem müssen die Lebensumstände des künftigen Trägers berücksichtigt werden - etwa ob er Medikamente nimmt, die das Sehvermögen temporär beeinträchtigen, oder ob er viel an einem Monitor arbeitet. Bei einigen Anbietern werden die Sehwerte von Optikern vor Ort genommen. Bei Mister Spex findet das in eigenen Filialen statt - die Beratung war bei unserer Stichprobe gut.

Nahaufnahme eines Auges, davor sind Buchstaben und Zahlen wie bei einem Sehtest (Foto: Getty Images, Getty Images - robertsrob)
Bevor eine Gleitsichtbrille angefertigt wird, sollte ein Sehtest vorgenommen werden. Getty Images - robertsrob

Brillen.de und Brille24 lassen den Check von Partner-Optikern durchführen. Die Beratung dort lässt in unserer Stichprobe zu wünschen übrig. Bei Lensbest dagegen müssen die Sehwerte online übermittelt werden. Ein Test oder eine Beratung findet nicht statt.

Alle Brillen sind mangelhaft

Wir legen unsere Brillen Hans Jürgen Strobl vor, Optiker und öffentlich bestellter Sachverständiger aus Neuwied. Grundsätzlich haben Brillengläser eine Mikrogravur. Darüber lässt sich auch die Qualität der Gläser feststellen. Die Gravuren in den vorliegenden Gläsern sind dem Fachmann jedoch vollkommen unbekannt.

Überprüfen kann Hans Jürgen Strobl dagegen, ob die Gläser korrekt eingestellt sind. Wichtig ist dabei eine korrekte Zentrierung, der Abstand von der Pupillenmitte zur Brillenfassung muss also stimmen. Das Fazit des Sachverständigen: Keine der Brillen ist korrekt zentriert. Als nächstes überprüfen wir die Durchblickhöhe, also die Position, an der das Auge durch die Brille sieht: Alle unsere Modelle liegen deutlich außerhalb der zulässigen Toleranzwerte.

Mit diesen Einstellungen sind die Brillen alles andere als eine Sehhilfe, stellt Optiker Hans Jürgen Strobl fest: "Man hat ein sehr ungewohntes und unangenehmes Sehen. Im Nahbereich kann immer nur ein Auge scharf sehen, das andere nicht. Das Gehirn versucht das dann auszugleichen, das funktioniert aber nicht. Diese Brille wird dauerhaft nicht tragbar sein."

Stellungnahmen der Hersteller

Wir fragen bei den Online-Händlern nach. Bei brillen.de etwa zweifelt man unsere Ergebnisse an, bittet uns, die Brille von einem zweiten Sachverständigen untersuchen zu lassen. Das haben wir getan. Er kommt bei der Zentrierung zum gleichen Ergebnis. Daraufhin teilt uns brillen.de mit, man bedauert, dass es in unserem Fall zu einer Beanstandung gekommen sei. Dies entspreche nicht dem Anspruch an die Produkte: "Trotzdem kommen solche Fälle vor, deshalb bieten wir den Kunden eine 100%ige Zufriedenheitsgarantie an: innerhalb von 12 Wochen kann das Produkt in ein anderes getauscht werden."

Und Lensbest teilt uns mit: "Regelmäßige Stichproben in unserem Haus haben ergeben, dass die gültige DIN-Norm der Zentriervorgaben immer genau nach Vorschrift eingehalten wird, daher erscheint uns eine Abweichung der Werte höchst unwahrscheinlich." (Quelle: 4Care GmbH)

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautor: Patrick Jauß | Online: Michael Herr
© SWR Marktcheck

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