Gewinnspiel Wenn die Auszahlung auf sich warten lässt

Ein Zuschauer aus Denzlingen gewinnt mit einem Rubbellos 1.500 Euro. Doch die Lotterie will den Gewinn nicht auszahlen und spricht von einem Druckfehler. Ein Fall für Axel Sonneborn.

Dauer

Günter Disch aus Denzlingen hat eine Leidenschaft für Preisausschreiben und Gewinnspiele. Der pensionierte Konditor hat regelmäßig kostenlose Rubbellose der Firma Faber in der Post - und rubbelt fleißig drauflos.

Veranstalter spricht von "Fehler" - und will Gewinn nicht auszahlen

Im Januar hat Günter Disch tatsächlich Glück: Vier richtige Zahlen rubbelt er frei. 1.500 Euro soll er gewinnen. Die Freude bei dem Rentner ist groß - schließlich hat er sich mit seiner Frau erst vor Kurzem eine neue Küche einbauen lassen, das Geld kann er also gut gebrauchen. Doch das Glück war nur von kurzer Dauer, berichtet Günter Disch: "Dann kam nämlich ein Brief, und darin stand, dass ich das Geld doch nicht bekommen sollte. Es sei alles ein Fehler, ein Mitarbeiter habe die Ziffern der Rubbellose vertauscht. Das kann man glauben oder nicht."

Die Firma Faber behauptet, Günter Disch habe wegen des Fehlers keinen Gewinnanspruch. Man werde ihm aber wegen der entstandenen Unannehmlichkeiten 100 Euro überweisen.

Die Rechtslage: Veranstalter können Gewinne anfechten

Rubbellos wird freigekratzt mit einem 10 Cent Stück (Foto: Imago, Imago/Fotograf Thomas Trutschel - Thomas Trutschel)
Günter Disch hatte einen Gewinn freigerubbelt - und sollte trotzdem leer ausgehen. Imago Imago/Fotograf Thomas Trutschel - Thomas Trutschel

Ein Trostpreis von 100 Euro statt 1.500 Euro Gewinn - weil ein Irrtum vorlag. Doch ist das überhaupt erlaubt, dass ein Veranstalter einen Gewinn zurückzieht? Das will Axel Sonneborn von Rechtsanwalt Roger Gabor erfahren. Prinzipiell gilt, dass Teilnehmer von Lotterien und Glückspielen einen Anspruch auf Auszahlung von Gewinnen haben.

Das gilt auch für kostenlose Gewinnspiele. Nur unter bestimmten Umständen dürfen Glückspielveranstalter einen Gewinn anfechten, erklärt Roger Gabor: "Dazu braucht der Veranstalter allerdings ein Anfechtungsrecht. Das könnte im Fall von Günter Disch darin begründet liegen, dass ein Druckfehler passiert ist."

Allerdings muss das den Kunden unverzüglich mitgeteilt werden. Das heißt - nach dem Verständnis der meisten Richter - binnen sieben Tagen, nachdem der Fehler entdeckt wurde. "Wenn innerhalb dieser Zeit also nicht allen Gewinnern mittegeteilt wird, dass das Gewinnspiel angefochten ist, bleibt alles beim Alten. Und damit auch die Gewinnzusage in Kraft", erklärt Jurist Roger Gabor.

Faber zeigt sich kulant - und zahlt die Gewinner aus

Axel Sonneborn fährt zu Faber nach Bochum. Von Firmenchef Norman Faber will er erfahren, warum das Unternehmen Günter Disch den Gewinn nicht auszahlen will. Norman Foster beteuert, dass in dem Fall tatsächlich ein Druckfehler passiert ist: "Wir drucken normalerweise die Gewinnerreihen ab. Zu der gibt es ein passendes Rubbellos und einen Gewinner. Durch den Druckfehler hatten wir plötzlich rund 300 Gewinner, die alle 1.500 Euro bekommen sollten. Das war ein schwerer wirtschaftlicher Schaden."

Den Faber aber am Ende doch auf sich nimmt: Alle 300 Gewinner erhalten ihre 1.500 Euro. Damit ein solcher Fehler in Zukunft nicht mehr vorkommt, will Faber in Zukunft die interne Prüfung verbessern. Günter Disch aus Denzlingen kann sich also freuen: Er bekommt den gesamten Gewinn statt der hundert Euro Trostpreis.

Axel Sonneborns Fazit

"Wenn man bei einem Glücksspiel oder einer staatlichen Lotterie mitspielt, dann muss man den Gewinn auf jeden Fall auch ausgezahlt bekommen - so steht es ausdrücklich im Gesetz. Und das gleiche gilt auch bei so genannten kostenfreien Gewinnspielen, nämlich dann, wenn dort eine Gewinnzusage gemacht worden ist. d.h. also es lohnt sich hart zu bleiben und zur Not muss man eben gegen das Unternehmen auch juristisch vorgehen."

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautor: Sigrid Born und Axel Sonneborn | Online: Michael Herr
© SWR Marktcheck

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