Gesunde Zähne Was die Zahnzusatzversicherung übernehmen muss

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Für Zahnersatz & Co gibt es sogenannte Zahnzusatzversicherungen. Doch was übernehmen die Policen und für wen lohnen sie sich? Finanzexpertin Barbara Sternberger-Frey klärt auf.

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20:15 Uhr
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SWR Fernsehen

Wie wichtig ist eine Zahnzusatzversicherung?

Ohne Frage, es gibt wichtigere Versicherungen als eine Zahnzusatzversicherung: eine Privathaftpflicht zum Beispiel, eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Hausratversicherung. Wer das alles aufweisen kann und dann immer noch Geld übrig hat, der kann sich Gedanken über eine Zahnzusatzversicherung machen.

Besonders interessant ist so eine Versicherung für alle, die Wert auf hochwertigen Zahnersatz legen. Dazu zählen Implantate oder Füllungen und Kronen aus Keramik, die oft auch schöner aussehen aber meist teuer sind.

Wer nur wenige Probleme mit den Zähnen erwartet, der kann auf die Zahnzusatzversicherung auch verzichten und zum Beispiel die Beiträge selbst auf einem Tagesgeldkonto ansparen. Auch Privatversicherte benötigen in der Regel keine Zahnzusatzversicherung, wenn die Leistungen bereits in der Privaten Krankenversicherung abgedeckt sind.

Wieviel zahlt die gesetzliche Krankenversicherung?

Beim Zahnersatz übernehmen Krankenkassen nur einen Teil der Kosten, nämlich 50 Prozent der Regelversorgung. Diese steht allen gesetzlich Versicherten zu. Wer regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt im Bonusheft dokumentiert hat, kann sogar bis zu 65 Prozent erstattet bekommen. Bei Geringverdienern übernimmt die Kasse 100 Prozent der Kosten der Regelversorgung.

Medizinisch notwendige Zahnbehandlungen wie einfache Füllungen oder Wurzelbehandlungen sind Leistungen der Krankenkasse, die normalerweise komplett übernommen werden. Mehrkosten für aufwändigere Behandlungsmethoden wie Kunststofffüllungen und professioneller Zahnreinigung übernimmt die Gesetzliche Krankenversicherung nicht.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um eine Zahnzusatzversicherung abzuschließen?


Früh ist gut, zu früh muss es aber auch nicht sein. Bei vielen kommt der erste Zahnersatz etwa mit Mitte 40. Etwa fünf bis zehn Jahre vorher, mit Mitte dreißig also, ist ein guter Zeitpunkt zum Einsteigen, solange noch keine Zahnerkrankungen oder andere Probleme mit dem Gebiss aufgetreten sind. Schließt man die Zahnzusatzversicherung in jüngeren Jahren ab, ist sie zwar preiswerter. Allerdings kann es dann sein, dass man über die Jahre mehr bei der Versicherung einbezahlt, als man am Ende an Erstattungen erhält.

Meine Krankenkasse bietet eine Zahnzusatzversicherung an. Was ist davon zu halten?

Kann sinnvoll sein, muss aber nicht: Es gibt zwar gute Kombi-Angebote, aber das ist nicht automatisch so. Deswegen ist es auf jeden Fall empfehlenswert, sich das Preis-Leistungs-Verhältnis anzuschauen und die angebotene Zahnzusatzversicherung mit anderen Anbietern zu vergleichen.

Welche Fallstricke gibt es beim Abschluss einer Zahnzusatzversicherung?

Viele Zahnzusatzversicherungen zahlen erst nach einer Wartezeit. Die beträgt zwischen drei und acht Monaten. Eine unmittelbar anstehende Behandlung übernimmt die Zahnzusatzversicherung also nicht. Auch danach sind die Leistungssummen in den ersten drei bis fünf Jahren noch begrenzt. Die Zahnzusatzversicherung beteiligt sich dann zwar an den Kosten, aber nur bis zu einem gewissen Maximalbetrag. Erst danach kann der volle Leistungsumfang der Versicherung abgerufen werden.

Es gibt allerdings auch Zahnzusatzversicherungen ohne Wartezeit, die allerdings deutlich teurer sind. Ratsam ist es daher immer, die Vertragsbedingungen genau durchzulesen. So zahlen manche Zahnzusatzversicherungen nur, sofern regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt im Bonusheft dokumentiert sind. Fehlt ein Stempel, kann die Versicherung die Zahlung verweigern.

Eine Zahnzusatzversicherung lehnt mich ab. Woran könnte das liegen?

Für Personen, die bereits viele Probleme mit ihren Zähnen oder Zahnerkrankungen hinter sich haben, kann sich die Suche nach einer Zahnzusatzversicherung schwieriger gestalten. Manche Versicherer verweigern zum Beispiel die Aufnahme, wenn sehr viele Zähne mit Zahnersatz oder wenige Zähne mit sehr altem Zahnersatz versorgt wurden.

Man sollte aber auf keinen Fall bei den Angaben zu den Vorerkrankungen schummeln: Normalerweise prüft die Versicherung die Angaben nicht bei Vertragsabschluss, sondern erst im Leistungsfall. Sollte sich dann herausstellen, dass beim Vertragsabschluss falsche oder unvollständige Angaben gemacht wurden, kann der Versicherer die Leistungen verweigern und kündigen. Der Vertrag kann sogar als nichtig befunden werden. Der Versicherte muss dann erhaltene Leistungen zurückzahlen.

Was sollte eine gute Zahnzusatzversicherung alles leisten?

Die Zahnzusatzversicherung sollte mindestens 80 bis 90 Prozent der gesamten zahnärztlichen Rechnung übernehmen, vor allem bei Implantaten und Inlays sowie bei gegebenenfalls notwendigem Knochenaufbau. So ist sichergestellt, dass der Eigenanteil besonders beim teuren Zahnersatz nicht übermäßig hoch wird. Allerdings können Tarife, die die Kosten vollständig übernehmen, überproportional teuer sein.

Daneben sollte die Zahnzusatzversicherung auch keine generelle Summenbegrenzung beinhalten, das heißt, dass der Versicherer Kosten in jeder Höhe trägt und nicht nur bis zu einem festgelegten Maximalbetrag. Der Versicherer sollte zudem auf sein Kündigungsrecht verzichten, sodass er im Falle einer teuren Erstattung nicht den Versicherungsvertrag beenden kann. Außerdem sollten die zahnärztlichen Honorare bis zum Höchstsatz der Gebührenordnung übernommen werden.

Wie wichtig sind Zusatzleistungen wie eine professionelle Zahnreinigung oder Wurzelbehandlungen?

Schließt eine Zahnzusatzversicherung die regelmäßige Kostenübernahme einer professionellen Zahnreinigung mit ein, so sind diese Kosten in der Regel im Tarif eingepreist. Findet sich eine günstigere Versicherung mit ähnlichem Leistungsumfang aber ohne die Zahnreinigung als Zusatzleistung, kann es sich rechnen, diese selbst zu bezahlen. Zudem gibt es auch von einigen gesetzlichen Krankenkassen teils hohe Zuschüsse für eine Zahnreinigung im Jahr.

Auch Wurzelbehandlungen sind kein Muss bei einer Zahnzusatzversicherung. Ist eine notwendig, um einen Zahn zu retten, das heißt, ist der Zahn „erhaltungswürdig“, weil zum Beispiel keine weiteren Lücken in einer Zahnreihe bestehen, übernehmen die gesetzlichen Kassen die Behandlungskosten. Die Zahnzusatzversicherung übernimmt hingegen die Kosten von aufwändigeren Behandlungsmethoden.

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