Gesund und lecker? Weintrauben im Check

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Ob weiß oder rot: Tafeltrauben sind ein Genuss. Doch gleichzeitig ist ihr Ruf durch Rückstände von Pestiziden belastet. Wir machen eine Stichprobe mit acht Supermarkt-Produkten.

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Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Die Kandidaten im Check

Weintrauben im Check Die Testkandidaten

Rote Trauben mit Kern „Palieri“ aus Italien, gekauft bei Aldi Süd für 2,29 Euro pro Kilogramm (Foto: SWR)
Rote Trauben mit Kern „Palieri“ aus Italien, gekauft bei Aldi Süd für 2,29 Euro pro Kilogramm Bild in Detailansicht öffnen
Helle kernlose Trauben „Sultanas" aus der Türkei, gekauft bei Edeka für 3,99 Euro pro Kilogramm Bild in Detailansicht öffnen
Rote kernlose Tafeltrauben „Midnight Beauty Klasse I" aus Italien gekauft bei Kaufland für 3,58 Euro pro Kilogramm Bild in Detailansicht öffnen
Helle Bio-Trauben „Sugraone“ aus Italien, gekauft bei Lidl für 3,98 Euro pro Kilogramm Bild in Detailansicht öffnen
Dunkle kernlose Trauben „Midnight Beauty" aus Spanien, gekauft bei Netto für 3,79 Euro pro Kilogramm Bild in Detailansicht öffnen
Rote Bio-Tafeltrauben „Timco" aus Italien gekauft bei Penny für 4,79 Euro pro Kilogramm Bild in Detailansicht öffnen
Helle kernlose Tafeltrauben „Sultanas" aus der Türkei, gekauft bei Real für 1,49 Euro pro Kilgramm Bild in Detailansicht öffnen
Helle Traube kernlos „Thompson seedless“ aus Griechenland, gekauft bei Rewe für 3,98 Euro pro Kilogramm Bild in Detailansicht öffnen

Der Labortest: Mehrfachrückstände in den meisten Produkten

Tafeltrauben haben den Ruf, mit vielen verschiedenen Pestiziden belastet zu sein. Deshalb wollten wir herausfinden, wie die Situation aktuell ist. In unserem Auftrag hat ein Speziallabor für Obst und Gemüse, in acht Proben Tafeltrauben aus deutschen Supermärkten und Discountern nach Pestiziden und anderen Stoffen gefahndet.

In Deutschland sind mehr als 50 verschiedene Pflanzenschutzmittel zum Anbau von Tafeltrauben zugelassen. Mehrfachrückstände sind zwar nicht verboten. Doch da Wechselwirkungen auf die Gesundheit noch nicht ausreichend geklärt sind, ist der Einsatz vieler verschiedener Pestizide unerwünscht.

In Sonderuntersuchungen wurden die Proben außerdem auf weitere Stoffe untersucht: auf den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat, auf den Konservierungsstoff Schwefeldioxid sowie auf Phosphonsäure, die wiederholt in Bio-Produkten nachgewiesen wurde.

Grafik Ergebnis Labortest (Foto: SWR)
Mehrfachrückstände in den meisten Produkten

In allen konventionell erzeugten Produkten aus unserer Stichprobe fanden sich Mehrfachrückstände. Dennoch waren alle Produkte verkehrsfähig, da die Rückstandhöchstgehalte unterschritten wurden. Das Totalherbizid Glyphosat sowie der Konservierungsstoff Schwefeldioxid wurden in keiner Probe nachgewiesen.

Zwei türkische Produkte (jeweils die hellen Trauben von Edeka und Real) fielen durch eine besonders hohe Anzahl an Rückständen auf: In einer Probe fanden die Chemiker acht, in einer weiteren Probe zehn Rückstände von zum Teilv sehr giftigen Pestiziden. Auch wurden in diesen Proben umstrittene Neonicotinoide nachgewiesen, die in einer Risikobewertung der EFSA als besonders gefährlich für Honigbienen eingestuft wurden.

Bio ist tatsächlich bio

Erfreulich: Die beiden Bio-Produkte in unserer Stichprobe waren tatsächlich „bio“. Eine Probe war frei von Rückständen, die andere enthielt einen Rückstand des im Ökologischen Landbau nach EU-Bio-Siegel zugelassenen Wirkstoffs „Spinosad“. Nach Bioland- und demeter-Richtlinien darf das Mittel jedoch nicht eingesetzt werden.

„Spinosad“ wird aus einem natürlich vorkommenden Bodenbakterium hergestellt und dient zur Bekämpfung der japanischen Kirschessigfliege. Der Schädling befällt zumeist rote Früchte und richtet im Wein- und Tafeltraubenbau seit mehreren Jahren großen Schaden an.

Blindverkostung: Bio ist auch Geschmackssieger

In einer Blindverkostung bewerteten vier Kenner den Geschmack der Trauben: Obsthändlerin Tatjana Böhmer, Traubenfan Natalie Jende, Großhändler Manfred Böhmer und Obstbauer Gerd Moog. Obwohl optisch nicht so überzeugend, fanden die Tester die roten Bio-Trauben der Marke „Naturgut Bio-Helden“ von Penny geschmacklich einhellig besonders herausragend.

Weintrauben Ergebins Geschmackstest (Foto: SWR)
Geschmacklich können drei Produkte die Tester überzeugen.

Gesamtergebnis

  • Alle Proben waren frei von Glyphosat und dem Konservierungsstoff Schwefeldioxid.
  • Bis auf die Bio-Produkte enthielten alle Trauben Mehrfachrückstände im gesetzlichen Rahmen, davon zwei Produkte mehr als fünf.
  • Geschmacklich können drei Produkte die Tester überzeugen. Vier waren noch okay. Und eines fiel durch.
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