Rote reife Tomaten. (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)

Teure und günstige Dosentomaten Gehackte Tomaten im Test

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Sind Tomaten aus der Dose genauso gesund wie frische? Enthalten sie Pestizide? Und sind die großen Preisunterschiede bei den Konserven gerechtfertigt? Ein Test sorgt für Klarheit.

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20:15 Uhr
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SWR Fernsehen

Dosentomaten sind praktisch, wenn es mal schnell gehen muss. In unserem Test nahmen wir drei Marken- und vier Discounterprodukte unter die Lupe. Sie wurden im Labor auf Sensorik, Füllmenge, Pestizidrückstände und Bisphenol A getestet und anschließend einem Geschmackstest in der Praxis unterzogen. Die Testprodukte:

  • Gut und Günstig gehackte Tomaten (Edeka), 0,39 Euro/ 400 Gramm
  • ja! Tomaten, fein gehackt in Tomatensaft (Rewe), 0,39 Euro/ 400 Gramm
  • Freshona gehackte Tomaten (Lidl); 0,39 Euro/ 400 Gramm
  • Gartenkrone Tomaten, gehackt, in Tomatensaft (Aldi), 0,39 Euro/ 400 Gramm
  • Mutti Tomaten-Fruchtfleisch, 1,29 Euro/ 400 Gramm
  • Pomito Tomatenfruchtfleisch in Stücken, 1,11 Euro/ 400 Gramm (umgerechnet)
  • Ori di Parma Tomaten stückig, 1,19 Euro/ 400 Gramm

Gut und Günstig, gehackte Tomaten, 0,39 Euro/ 400 Gramm

Die gehackten Tomaten von Gut und Günstig schnitten im Sensoriktest im Labor am schlechtesten ab. Die Prüfer bemängelten ein blasses, leicht bräunliches Aussehen, sowie viele Stücke mit grünem Stielansatz. Außerdem sei die Konsistenz wässrig gewesen und das Produkt habe nur wenige Tomatenstücke enthalten.

Auf der Verpackung sind 400 Gramm Füllmenge angegeben, im Produkt tatsächlich enthalten waren 398 Gramm. Allerdings waren in der Dose nur rund 60 Prozent Tomaten, der Rest war Tomatensaft. Der Bisphenol A-Wert war mit 16 Mikrogramm/ Kilogramm leicht erhöht.

ja! Tomaten, fein gehackt in Tomatensaft (Rewe), 0,39 Euro/ 400 Gramm

Die ja! Tomaten konnten die Tester im Labor überzeugen. Wie auch beim Produkt von Edeka, bestand der Inhalt nur zu rund 60 Prozent aus Tomaten, der Rest war Tomatensaft. Die Füllmenge der Dose wurde um vier Gramm verfehlt. In einer Geschmacksprobe gingen die gehackten Tomaten von ja! als Testsieger hervor. Allerdings war der gemessene Bisphenol A-Wert von allen getesteten Produkten bei ja! am höchsten: 39 Mikrogramm pro Kilogramm.

Freshona, gehackte Tomaten (Lidl), 0,39 Euro/ 400 Gramm

Die gehackten Tomaten der Lidl-Eigenmarke wurden im Sensorik-Ergebnis als mittelmäßig eingeordnet: Die Tomatenstücke waren teilweise blass, zudem gab es viele Stücke mit grünem Stielansatz. Wie bei den Eigenmarken von Edeka und Rewe waren in der Dose nur 60 Prozent Tomaten, der Rest Tomatensaft. Das Füllgewicht wurde nur um zwei Gramm unterschritten. Der Bisphenol A-Wert war mit 4,4 Mikrogramm pro Kilogramm sehr niedrig.

Gartenkrone Tomaten, gehackt, in Tomatensaft (Aldi), 0,39 Euro/ 400 Gramm

Die Dosentomaten von Aldi überzeugten die Tester im Sensoriktest. Wie auch bei den anderen, günstigen Produkten waren nur 60 Prozent des Doseninhalts Tomaten, der Rest Tomatensaft. Die Füllmenge wurde um vier Gramm verfehlt. Der Bisphenol A-Wert war mit 19 Mikrogramm pro Kilogramm erhöht.

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Mutti Tomaten-Fruchtfleisch, 1,29 Euro/ 400 Gramm

Das teuerste Produkt der Stichprobe schnitt beim Sensoriktest nur mittelmäßig ab. Der Geschmack wurde von den Testern als wässrig und fad beschrieben, die Konsistenz als so fein, dass keine Tomatenstücke mehr erkennbar waren. Die Abweichung der Füllmenge lag bei drei Prozent: Nur 389 Gramm anstelle der auf der Verpackung angegebenen 400 Gramm waren tatsächlich in der Dose.

Als einziges Produkt im Test konnten die Prüfer Pestizidrückstände nachweisen, die allerdings als "sehr gering" eingestuft wurden. Mit 19 Mikrogramm pro Kilogramm war der Bisphenol A-Wert erhöht.

Promito Tomatenfruchtfleisch in Stücken, 1,11 Euro/ 400 Gramm (umgerechnet)

Die Promito-Dosentomaten schnitten im Sensoriktest nur mittelmäßig ab. Die Tester bemängelten zu viele helle Stücke und Stücke mit grünem Stielansatz. Die Füllmenge wurde um vier Gramm unterschritten. Das Produkt enthielt kein Bisphenol A, da es sich um eine Tetrapack-Verpackung handelt.

Oro di Parma Tomaten stückig, 1,19 Euro/ 400 Gramm

Das Markenprodukt konnte die Tester im Bereich Sensorik überzeugen. Die Abweichung zur Füllmenge lag bei drei Gramm, der Bisphenol A-Wert bei 1,6 Mikrogramm pro Kilogramm. In der Geschmacksprobe landete das Produkt nur knapp hinter den gehackten Tomaten von ja! auf dem zweiten Platz.

Unser Fazit

Testsieger: Oro di Parma überzeugt mit sehr guten Ergebnissen in allen Kategorien. Zwar der zweitteuerste im Test, dafür enthält das Produkt 100 Prozent Tomaten (keinen Tomatensaft) und gibt genau die Herkunft der Tomaten an: Norditalien mit maschineller Ernte.

Zwei Discounterprodukte schnitten bei der Sensorik ebenfalls gut ab: Gartenkrone von Aldi und ja! von Rewe. Abzug bekommen die günstigen Produkte aber für die Zugabe von 40 Prozent Tomatensaft und durch die Belastungen mit Bisphenol A. Außerdem gibt es keine Transparenz was die Herkunft der Tomaten angeht.

Schlusslicht: Gut und Günstig, Verlierer in der Sensorik, Zugabe von 40 Prozent Tomatensaft und Belastung mit Bisphenol A.

Stichwort Bisphenol A

Bisphenol A ist eine Chemikalie, die als Dosenbeschichtung oder auf Thermopapier bei Kassenzetteln zum Einsatz kommt. Die Chemikalie gilt laut Umweltbundesamt als hormonell wirksam und kann beispielsweise unfruchtbar machen oder auf die Entwicklung der Geschlechtsorgane Einfluss nehmen. Zudem bestünde möglicherweise ein Zusammenhang mit einigen Krebsarten, schreibt das Amt auf seiner Webseite.

Der Grenzwert für Bisphenol A liegt laut Umweltbundesamt in der EU bei 4 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Früher war die Chemikalie auch in Babyflaschen verarbeitet, dies ist seit 2011 in der EU verboten.

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