Eine Hand hält eine Flasche mit der Aufschrift "K.O.". Aus dieser Flasche fällt ein Tropfen in eine Getränkeflasche. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

GHB und andere unfreiwillig verabreichte Drogen K.o.-Tropfen sind nicht nur für junge Frauen gefährlich

Gerade jetzt zu Fastnacht warnt die Polizei vor K.o.-Tropfen in Getränken. Nicht nur junge Frauen, sondern auch Männer und ältere Menschen sollten vorsichtig sein.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
21:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

K.o.-Tropfen - das betrifft nur junge Frauen, die in Clubs und Bars betäubt und dann vergewaltigt werden? Petra Glück weiß inzwischen, dass davon keine Rede sein kann. Sie ist selbst ein K.o.-Tropfen-Opfer: "Es hat mein Leben sehr zerstört, für lange Zeit. Das Verbrechen reißt eine Wunde in ihre Seele, die nie mehr verheilt."

Mit 35 Jahren hat sie sich mit guten Bekannten in einem Restaurant verabredet. Sie sitzen zusammen, reden über alte Zeiten. Dass zwei der Männer ihr Böses wollen - davon ahnt sie nichts. Sie erinnert sich nur noch, "dass mir sehr komisch wurde, schummerig, schwindelig. Ich habe das Gefühl gehabt, mein Geist fliegt weg, und ich kann nichts dagegen machen. Das war ein ganz furchtbares Gefühl." Die Männer hatten Ko-Tropfen in ihren Wein geträufelt. Sie kann sich an nichts erinnern, weiß nur noch, dass sie die Männer nach Hause gebracht haben. Dann der Filmriss.

Mit K.o.-Tropfen betäubt in die eigene Wohnung begleitet

Als Petra Glück wieder zu Bewusstsein kommt, ist sie allein. Sie hat furchtbare Schmerzen am ganzen Körper, schleppt sich ins Badezimmer. An Armen und Beinen hat sie Blutergüsse - Spuren einer Vergewaltigung. Sie blutet, muss sich mehrmals übergeben. "Ich wusste sofort als ich zu mir gekommen bin, dass etwas ganz Furchtbares passiert ist." Petra Glück ist traumatisiert. Sie versucht sich zu erinnern, doch die letzten Stunden sind wie ausgelöscht. Sie schämt sich und beschließt, keine Hilfe zu holen. "Man schweigt einfach. Weil man ist so sprachlos, man schämt sich, für das, was passiert ist."

Die Tropfen wirken am Anfang ähnlich wie Alkohol, aber viel schneller und bereits nach kurzer Zeit wie eine Narkose. Die Erinnerung wird ausgeschaltet. Bevor das Opfer bewusstlos wird, ist es willenlos und wehrlos. Das ist der Moment, auf den die Täter warten. Überdosiert können K.o.-Tropfen tödlich sein. Laut Landeskriminalamt gab es 2017 zum Beispiel in Baden-Württemberg 242 Fälle von "gefährlicher Körperverletzung durch Vergiftung" - also fünf Fälle pro Woche. Und die Dunkelziffer ist enorm.

Erwerb des Wirkstoffes ist nicht strafbar

Der bekannteste K.o.-Wirkstoff ist GHB, Gamma-Hydroxybutyrat. Es fällt unter das Betäubungsmittelgesetz und ist somit verboten. Aber die verwandte Substanz GBL ist sogar in Lösungs- und Reinigungsmitteln enthalten. Sie wandelt sich im Körper binnen Sekunden in GHB um. Der Erwerb von GBL ist nicht strafbar.

Test im Club mit K.o.-Tropfen: Junge Frauen schöpfen keinen Verdacht

In einem Freiburger Club machen wir mit Petra Glück den Test: Wie einfach ist es, K.o.-Tropfen in ein fremdes Getränk zu mischen? Unsere Tropfen sind nur Wasser, absolut ungefährlich. Es dauert nur eine Sekunde bis die Tropfen im Getränk sind. Viele unterschätzen diese Gefahr. Die Sorglosigkeit der jungen Frauen ist schockierend. Sogar wenn wir bei unserem Test beobachtet werden glaubt niemand, wir würden etwas Böses tun. Erschreckend - die Frauen nehmen ihr Glas und trinken weiter daraus.

Schnelltests reagieren nicht auf K.o.-Tropfen

In der Regel sind K.o.-Tropfen farb- und geruchlos, im Essen oder Getränk kaum zu schmecken. Auf Schnelltests wie spezielle Strohhalme oder Nagellacke kann man sich aber nicht immer verlassen. Kein Schnelltest reagiert bisher auf alle Ko-Substanzen.

Petra Glück empfiehlt stattdessen: Niemals allein weggehen, auf die körperlichen Warnsignale achten und ernstnehmen, wenn es dem Gegenüber plötzlich nicht gut geht.

Wirkstoff nur zwölf Stunden im Urin nachweisbar

Im Blut können die Substanzen nur für sehr kurze Zeit nachgewiesen werden. Um die Tat beweisen zu können, ist es deshalb wichtig, dass die Opfer möglichst schnell zum Arzt gehen. Der Rat vom Labor des Landeskriminalamts Baden-Württemberg: "Da haben Sie maximal noch eine Chance bei der Urinprobe. Da kann man das bis zu zwölf Stunden nachweisen - und dann war es das. In der Regel ist es halt so, dass die Leute zu spät kommen."

Petra Glück steht noch Jahre nach der Vergewaltigung unter Schock. Sie kann das traumatische Erlebnis nicht verarbeiten und erleidet einen schweren Zusammenbruch. Erst eine Therapie hilft ihr, neuen Lebensmut zu fassen. 20 Jahre nach der Tat geht sie an die Öffentlichkeit, um zu warnen und anderen Opfern zu helfen. Dabei erzählen ihr Menschen Unfassbares.

Auch Männer, Ältere und Kinder sind gefährdet

Petra Glück weiß: "Die meisten Fälle passieren im direkten sozialen Umfeld. Nicht nur Frauen, auch Männer sind betroffen, Kinder sind betroffen. Es gibt keine Altersgrenze. Auch ältere Herrschaften sind oft betroffen. Da geht es dann um andere Dinge meistens. Männer werden gerne ausgeraubt. Unterschriften werden mit Hilfe von K.o.-Tropfen geholt."

Schutz vor K.o.-Tropfen: Tipps von der Polizei

Die Tipps der Polizei, wie Sie sich vor K.o.-Tropfen schützen können:

  • Getränke bei der Bedienung bestellen und selbst entgegennehmen.
  • Von Unbekannten keine offenen Getränke annehmen.
  • Offene Getränke nicht unbeaufsichtigt lassen.
  • Bei Übelkeit Hilfe beim Personal suchen.
  • Freundinnen und Freunde achten aufeinander und lassen ihre Getränke nicht aus den Augen.
  • Freundinnen und Freunde holen im Ernstfall sofort ärztliche Hilfe für das Opfer und verständigen das Personal.
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