Gestreckt mit Zuckersirup? Wie echt ist Honig aus dem Supermarkt?

Auf dem Weltmarkt hat sich eine ganze Fälschungsindustrie rund um Honig entwickelt. Wie echt ist die Ware, die bei uns im Supermarktregal steht?

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Eigentlich ist Honig ein reines Naturprodukt ohne Zusätze. Mittlerweile gehört das "flüssige Gold" jedoch zu den am meisten gefälschten Lebensmitteln weltweit.

Billiger Zuckersirup wird beigemischt

Zur Streckung dient den Betrügern billiger Zuckersirup. Damit lässt sich die Gewinnmarge der Hersteller drastisch erhöhen, erklärt Walter Haefeker, seit 15 Jahren Berufsimker und einer der führenden Experten in Deutschland, wenn es um gefälschten Honig geht.

Gepanschter Honig aus China

Drehscheibe der Honigpanscherei ist China. Übers Internet kann man tonnenweise Honig kaufen; die Preise sind dabei häufig unrealistisch niedrig. Auch Zuckersirup wird angeboten, zum Selber-Strecken von Honig. Honig wird in China hochindustriell be- und verarbeitet. In Deutschland ist das strikt verboten.

Eine Biene sitzt auf einer Bienenwabe (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Echter Honig ist ein reines Naturprodukt. Thinkstock -

Aber wie viel gestreckter Honig landet auch in deutschen Supermärkten und Discountern? Zusammen mit Walter Haefeker kaufen wir verschiedene Produkte für eine Stichprobe.

"EU- und Nicht-EU-Länder"

Bei den meisten Honigen im Supermarkt steht auf der Verpackung "Mischung aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern". "Das ist Weltmarkthonig", erklärt Haefeker. "Da habe ich als Verbraucher keinerlei Information, wo der Honig herkommt." Auch nicht mit DLG-Siegel.

Diese vier Honige bringen wir für eine aufwändige Untersuchung ins Labor:

  • Marlene Blütenhonig von Lidl für 2,79 Euro
  • Sommerblütenhonig von der Bienenwirtschaft Meissen für 4,49 Euro
  • Akazienhonig von Bihophar für 5,99 Euro
  • Akazienhonig von Real für ebenfalls 5,99 Euro
  • Akazienhonig, den uns ein Imker zur Verfügung gestellt hat. Er hatte ihn zugekauft, da seine eigenen Bienen keinen lieferten, und war misstrauisch geworden wegen der ungewöhnlichen Farbe und Konsistenz.

Gefälschten Honig erkennen

Unsere Auswahl bringen wir nach Bayreuth. Professor Stephan Schwarzinger analysiert Honigproben aus aller Welt und hat schon mehrere Fälschungen aufgedeckt. Dies ist alles andere als einfach, so Schwarzinger. Honig bestehe im Wesentlichen aus den Zuckerarten Glucose und Fructose - genau wie Zuckersirup. Die Fälscher gehen sehr professionell vor: "Es sind Lebensmittelchemiker, Technologen. Es werden neue Sirupe, neue Substanzen verwendet und für uns ist ganz schwierig herauszufinden, wonach wir suchen müssen", so der Experte.

Mit Hilfe der sogenannten magnetischen Kernresonanzspektroskopie lassen sich Honigfälschungen aufdecken. Dabei wird ein genetischer Fingerabdruck der Probe erstellt. So kann man vergleichen, ob der Honig ins typische Muster der Sorte passt.

Keine Manipulation in der Stichprobe

Unsere Stichprobe scheint in Ordnung zu sein: "In allen Fällen haben wir keine Hinweise auf Manipulationen oder Verfälschung gefunden", sagt Professor Schwarzinger. "Es sind ordentliche, gute Produkte und wir haben hier keinerlei Hinweise gefunden, dass chinesischer Honig vorhanden wäre."

Auffälliger Akazienhonig

Einzig mit dem zugekauften Akazienhonig vom Imker scheint etwas nicht zu stimmen: Professor Schwarzinger: "Auffällig war zum Beispiel der geringe Wassergehalt für diese Honigsorte und auch das Zuckerprofil ist unerwartet. Etwa 95 Prozent aller natürlich vorkommenden Akazienhonige hätten ein ganz anderes Zuckerprofil. Das legt den Verdacht nahe, hier könnte etwas manipuliert worden sein."

Er will die auffällige Probe jetzt weiter analysieren.

Tipp zum Honig-Kauf

Sicher ist: Woher der Honig im Supermarktregal tatsächlich stammt, ist für Konsumenten kaum nachzuvollziehen. Ein Tipp: Bei Honig, der zu hundert Prozent aus Deutschland kommt, ist die Chance am höchstens, echten, unverfälschten Honig zu kaufen.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder.

Filmautorin: Barbara Hirl | Online: Sola Hülsewig
© SWR Marktcheck

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