"Frei von"-Werbung Gefährliche Ersatzstoffe in Kosmetikartikeln

Immer mehr Produkte in Drogerien werben mit "Frei-von"-Versprechen, zum Beispiel mit "0% Parabene". Doch häufig werden stattdessen bedenkliche Ersatzstoffe eingesetzt.

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Viele Produkte in Drogerien werden mit dem Schriftzug "Ohne Parfüm, Parabene, Farbstoffe" oder Ähnlichem beworben. Wir stellen in Stuttgart das Standardprodukt neben jenes mit der "ohne"-Werbung. Tatsächlich würden sich die meisten Passanten für die Kosmetikartikel entscheiden, die damit werben, auf bestimmte Inhaltsstoffe zu verzichten. Viele Menschen vertrauen den Labels auf den Produkten - ohne sie zu hinterfragen.

Auf einem grünen Tisch stehen mehrere Cremes und Duschgele verschiedener Marken. Im Vordergrund stehen Dove und head & shoulders. (Foto: SWR, SWR -)
Verbraucher greifen lieber zu Produkten, die damit werben, parabenfrei zu sein. SWR -

Auffällig ist, dass viele Hersteller mit dem Label "0% Parabene" werben. Parabene sind Konservierungsstoffe und hormonell wirksam, manche stehen im Verdacht Brustkrebs zu fördern. Deswegen wundert es nicht, dass sich die Hersteller von den umstrittenen Inhaltsstoffen distanzieren wollen.

Clean-Label

Entstehung von Kosmetikartikel (Foto: Getty Images, Getty Images -)
Clean-Label ist ein Marketingschachzug der Hersteller, findet Professor Andreas Kaapke. Getty Images -

Ein Marketingschachzug, findet Professor Andreas Kaapke von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg: "Man nennt das Clean-Label. Clean Label bedeutet in einer Verdichtungsfunktion wird gezeigt, es ist frei von etwas. Lieber Verbraucher, du musst den Text nicht mehr lesen, dieses Label zeigt dir: so ist die Welt. Insgesamt geht es immer um Vertrauen."

Doch "Ohne Parabene" bedeutet nicht ohne andere bedenkliche Konservierungsstoffe. Wir zeigen unsere Produkte einer Toxikologin. "Ohne Parabene ist irreführend", sagt Marika Kolossa vom Umweltbundesamt, "weil es gibt aus meiner Sicht gute und schlechte Parabene - und alle Produkte enthalten Konservierungsmittel. Alle diese Konservierungsmittel sollen letztlich Leben abtöten, in dem Fall eben Bakterien, und sie haben alle auch eine Wirkung auf den Menschen."

Bedenklicher Konservierungsstoff Hydantoin

Auf der Vorderseite einer Kosmetikflasche steht 0% Parabene, Phosphate und Farbstoffe. (Foto: SWR, SWR -)
Die Ersatzstoffe sind oftmals genauso gesundheitsbedenklich wie Parabene selbst. SWR -

Auch wenn Hersteller mit "Ohne Parabene" werben, stecken noch immer Konservierungsstoffe im Produkt. Diese sind nicht unbedingt besser als Parabene. Dove etwa wirbt auf seiner Pflegedusche großflächig mit "0% Parabene". Das stimmt zwar, doch dafür enthält das Produkt den Konservierungsstoff DMDM Hydantoin. "DMDM ist ein Stoff, der Formaldehyd abspaltet. Formaldehyd ist ein im Prinzip krebserregender Stoff," sagt Kolossa. Formaldehyd entstehe auf der Haut zwar nicht nicht in kritischen Mengen, dennoch sei er reizend und irritierend. Die Expertin hält den Konservierungsstoff für noch bedenklicher als manches Paraben. Auf Nachfrage wollte sich Hersteller Unilever nicht zu diesem Vorwurf äußern.

Methylisothiazolinon kann zu Hautausschlägen führen

Auch Head and Shoulders bewirbt ein Haarshampoo mit "0 % Parabene", setzt dafür aber Methylisothiazolinon ein. Der Konservierungsstoff kann starke allergische Reaktionen auslösen wie beispielsweise Hautausschlag. Deswegen ist dieser Stoff nur in Produkten erlaubt, die direkt wieder abwaschen werden, zum Beispiel Shampoos. Diese Produkte werden Rinse-off-Produkte genannt.

Auf der Rückseite einer Kosmetikflasche steht 0% Parabene, Silikone. (Foto: SWR, SWR -)
Clean-Label: Hersteller geben an, was in ihren Produkten nicht enthalten ist. SWR -

Doch auch bei Rinse-off-Produkten kommt es zum Hautkontakt, auch wenn er kürzer ist als bei Cremes. "Kontakt ist Kontakt, und wenn man sensibilisiert ist, kann man da auch reagieren", sagt Kolossa. Das Produkt von Head and Shoulders soll laut Hersteller speziell für empfindliche Kopfhaut sein. Genau das hat Marktcheck bereits im vergangenen Jahr bemängelt und den Hersteller Procter & Gamble auf den kritischen Stoff hingewiesen. Doch statt ihn zu ersetzen, wird neuerdings damit geworben, keine Parabene zu verwenden.

Auf eine abermalige Anfrage antwortet Procter & Gamble, man halte sich an alle gesetzlichen Vorgaben. "Die Entscheidung, explizit zu kommunizieren, dass unser Produkt keine Parabene enthält, basiert auf unseren Erkenntnissen aus umfangreichen Verbraucherstudien. Eine steigende Zahl […] möchte im Detail wissen, was in den von ihnen verwendeten Produkten enthalten ist."

Apps können Verbrauchern helfen

Die genauen Inhaltsstoffe erfährt der Verbraucher im Kleingedruckten, doch genau darauf achten nur wenige. Viele lassen sich von den "Ohne Parabene"-Schriftzügen leiten. Apps - wie die App Codecheck, Cosmile oder ToxFox - können Verbrauchern dabei helfen, die Inhaltsstoffe von Produkten besser einordnen zu können. Diese Apps können sowohl im Apple App Store als auch in Google Play downgeloaded werden. Windows-Phone Nutzer können die App "Barcoo" verwenden. Verbraucher können den Barcode mit ihrem Smartphone scannen, die Apps gegen dann Auskunft über die Inhaltsstoffe. Sind beispielsweise Stoffe im Produkt enthalten, die Allergien hervorrufen können oder im Verdacht stehen, krebserregend zu sein, wird der Verbraucher darauf hingewiesen.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder.

Filmautorin: Nina Rathfelder | Online: Thomas Oberfranz
© SWR Marktcheck

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