Fragwürdige Mitschnitte Amazon-Mitarbeiter hören Alexa-Gespräche ab

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Ein globales Team von Tausenden Amazon-Mitarbeitern soll Gespräche mit Alexa abhören, transkribieren und mit Anmerkungen versehen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Amazons Alexa ist in vielen deutschen Haushalten Familienmitglied. (Foto: dpa Bildfunk, Britta Pedersen/ZB/dpa)
Amazons Alexa ist in vielen deutschen Haushalten eine Art Familienmitglied. Britta Pedersen/ZB/dpa

Für manche Familie ist Amazons Alexa aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Andere würden sich das Gerät niemals ins Haus holen, aus Angst, abgehört zu werden. Diese Bedenken bewahrheiten sich jetzt ein stückweit. Denn Amazon hat eingeräumt, einige Sprachbefehle von Mitarbeitern analysieren zu lassen.

Fragen an Katha Jansen, SWR Aktuelle Wirtschaft

Was genau passiert mit Sprachbefehlen an Amazon Alexa?

Offenbar sitzen bei Amazon Mitarbeiter, die das, was Alexa aufzeichnet, nicht nur hören, sondern auch abtippen und auswerten. Amazon sagt dazu, das sei nur eine sehr geringe Zahl an Aufzeichnungen, und es diene auch nur dazu, das Kundenerlebnis zu verbessern. Recherchiert hat die Geschichte die Agentur Bloomberg. Sie hat wohl mit sieben Mitarbeitern gesprochen, die solche Aufzeichnungen auswerten. Bis zu 100 Audiodateien pro Schicht schaffe ein professioneller Analyst.

Sprachassistenten gibt es von verschiedenen Firmen, auch von Google.

Ein Mitarbeiter hat demnach zum Beispiel erklärt, er habe Aufzeichnungen zur der Sängerin Taylor Swift bearbeitet. Er habe diese analysiert und mit Anmerkungen versehen, dass die Nutzer die Sängerin meinten. Diese Daten würden bei der Programmierung eingepflegt, und das System werde präziser.

Sprachassistenten gibt es von verschiedenen Firmen, auch von Google. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Britta Pedersen/ZB/dpa)
Sprachassistenten gibt es von verschiedenen Firmen, auch von Google. picture alliance/Britta Pedersen/ZB/dpa

Teilweise seien bei den Aufzeichnungen auch erschütternde Gespräche dabei. Unter anderem sollen die Mitarbeiter Zeugen von sexuellen Übergriffen geworden sein. Die Mitarbeiter hätten in diesen konkreten Fällen die Anweisung erhalten, nicht einzuschreiten, berichtet Bloomberg.

Diese Datenauswertung läuft an mehreren Standorten weltweit, unter anderem in Indien oder Rumänien. Laut Amazon können Mitarbeiter keine Personen identifizieren. Es werde mit Zugangsbeschränkungen und Verschlüsselungen gearbeitet.

Müssen wir damit leben? Kann man sich schützen?

Nutzer können tatsächlich in den Einstellungen des Sprachassistenten Widerspruch einlegen. Und zwar muss man man die Nutzung der Aufnahmen zur Weiterentwicklung des Dienstes ablehnen. Ob sich Amazon dann aber auch daran hält, und was konkret alles in Weiterentwicklung des Dienstes zusammengefasst ist, das weiß man eben nicht. Hundertprozentige Sicherheit gibt es also nur, wenn Alexa nicht ins Haus kommt.

Alexa zeichnet permanent Audio-Schnipsel auf und wartet dabei auf ein Code-Wort, standardmäßig lautet das „Alexa“. Immer wieder wird der Sprachassistent aber auch versehentlich aktiviert, zum Beispiel durch ähnlich klingende Wörter wie das französische „avec sa“.

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