Forschungsdefizit Zunehmende Gesundheitsgefahr durch Antibiotikaresistenzen

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Für die Vereinten Nationen sind Antibiotikaresistenzen die „größte und dringendste globale Gesundheitsgefahr“. Trotzdem forschen immer weniger Pharmakonzerne nach neuen Antibiotika.

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20:15 Uhr
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SWR Fernsehen

Viele Antibiotika wirken nicht mehr. Jedes Jahr sterben in der EU Schätzungen zufolge 33.000 Menschen an den Folgen von Infektionen mit resistenten Erregern. Oft helfen nur noch ganz wenige Antibiotika gegen bestimmte Bakterien. Die Vereinten Nationen haben Antibiotikaresistenzen als „größte und dringendste globale Gesundheitsgefahr“ benannt. Doch viele Pharmakonzerne haben die Antibiotika-Forschung eingestellt: Mehrere Firmen, unter anderem Bristol-Myers Squibb, Abbott, Eli Lilly, Wyeth, Aventis und Bayer sind bereits vor mehr als zehn Jahren ausgestiegen. Erst kürzlich haben drei weitere große Unternehmen – AstraZeneca, Sanofi und Novartis – die Entwicklung von Antibiotika gestoppt. Und auch der weltgrößte Gesundheitskonzern Johnson & Johnson bestätigte, dass er keine weiteren, neuen Antibiotika entwickle.

Gründe für Ausstieg aus Antibiotika-Forschung

Für viele Pharmakonzerne ist die Erforschung neuer Antibiotika offenbar kein gutes Geschäft:

  • Wer täglich Medikamente gegen chronische Krankheiten wie Krebs, Rheuma und Bluthochdruck einnimmt, sorgt für einen höheren Umsatz als Erkrankte mit einer Infektion, die rund eine Woche lang mit Antibiotika behandelt wird.
  • Ärzte setzen neue Antibiotika zunächst als sogenannte Reserve-Antibiotika nur gegen resistente Erreger ein. Das heißt, diese werden sehr selten eingesetzt und bringen dadurch geringe Umsätze.
  • Resistenzen entwickeln sich so schnell, dass einige Antibiotika nach jahrelanger Entwicklung teilweise schon kurz nachdem sie auf den Markt gekommen sind, nicht mehr wirken.

Anzahl wirksamer Antibiotika sinkt

Derzeit sind in Deutschland etwa 80 antibiotische Wirkstoffe zugelassen. Die Zahl erscheint zwar hoch, doch durch die zunehmenden Resistenzen wirken viele der Mittel immer häufiger nicht mehr. Nur wenige Firmen und vor allem staatliche Institute versuchen, die Forschungslücke zu schließen und neue Antibiotika zu entwickeln. Doch das ist teuer und aufwendig. Der Medizin droht im Kampf gegen resistente Bakterien die Zeit davonzulaufen.

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