Foodwatch fordert Strafsteuer Darum gibt es bei uns bisher keine Zuckersteuer

Auch in Deutschland sollte eine Zuckersteuer auf süße Softdrinks eingeführt werden, appelliert Foodwatch. In Großbritannien wird jetzt statt Zucker mehr Süßstoff in die Limos geschüttet.

Ein Mann hält eine Getränkedose in der Hand und schüttet sie aus. Aus der Dose kommt nur Zucker und keine Flüssigkeit. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Zuckersteuer - es gibt Argumente für und wider den staatlichen Eingriff. Thinkstock -

Standpunkt von Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung

Objektiv spricht nichts gegen eine Zuckersteuer - aber dann doch ein ganzes Bündel an Gründen. Eine gute Lobbyarbeit natürlich - angefangen bei den Zuckerrübenbauern über die Raffinerien bis zur Lebensmittelindustrie. Dann gibt es eine gewisse Angst in Deutschland vor Süßstoffen, die ersatzweise in Lebensmittel hineinkommen. Es ist ja nicht so, dass die Briten weniger süße Cola hätten. Sie haben nur weniger Zucker drin. Und dann gibt es selbstverständlich immer das Argument: Man kann und darf den Menschen nicht vorschreiben, was sie essen und trinken dürfen.

Süßstoffe ersetzen Zucker

Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung (Foto: SWR, SWR -)
Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung SWR -

Nehmen wir mal als Beispiel Sprite: Da ist der Zuckergehalt in Großbritannien halbiert worden. Bei uns dagegen ist fast dreimal so viel Zucker drin wie dort. Wie kommt das zu Stande? Nun, man hat einfach entsprechend viele Süßstoffe hineingeschüttet.

Man kann die Rezepturen ja ändern. Wir alle wissen, es gibt "Light-" und "Zero"-Produkte von all diesen Firmen. Das Argument ist oft: "Die schmecken mir nicht so gut". Aber wenn der Vergleich weg ist, merken die Leute schnell nicht mehr, dass sich etwas am Geschmack verändert hat und akzeptieren das einfach. Insofern wäre das doch machbar.

Zu viel gezuckerte Softdrinks haben schwerwiegende Folgen

Man muss auch sehen: Die Folgen des hohen Konsums von stark gezuckerten Softdrinks sind schwerwiegend. Die Industrie verweist gerne darauf, dass ein gesunder Erwachsener im Durchschnitt nur 2,5 Prozent der täglichen Kalorien über solche Getränke zu sich nimmt - mag sein. Aber bei Kindern und Jugendlichen - gerade auch bei solchen aus sozial schwächeren und bildungsfernen Schichten - ist der Konsum viel höher. Diese Kalorien kommen ja dort zur normalen Ernährung dazu, obendrauf. Und dann ist das eine wesentliche Ursache für krankhaftes Übergewicht.

Foodwatch würde jetzt gerne eine Zuckersteuer haben, aber am Besten gleich auch auf die Süßstoffe, die in Großbritannien ersatzweise verwendet werden. Das stützt sich auf ältere Studien, die besagt haben, dass auch Süßstoffe zu Übergewicht führen. Allerdings ist das mittlerweile sehr strittig - es gibt auch gegenteilige Untersuchungen. Foodwatch argumentiert, dass es dadurch eine Gewöhnung an den süßen Geschmack gebe.

Online: Heidi Keller

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